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Das Emirat Schardscha: Lieber Museen als Hochhäuser

Es ist die traditionellere Alternative zu Abu Dhabi oder dem benachbarten Dubai - 14.03.2020 07:04 Uhr

Dieses Foto stammt aus der Wüste. In der Kunstinstallation „Rain Room“ können Besucher durch Regen laufen, ohne nass zu werden.

12.03.2020 © Meike Kreil


Schardscha – das übrigens viele Schreibweisen kennt, darunter Schardschah oder Sharjah – hat mehr Museen als alle anderen Städte der Föderation auf der arabischen Halbinsel zusammen. Das sind über 20 Stück. In denen können lokale und internationale Künstler ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Das erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, ist doch die Stadt sonst sehr konservativ. So ist hier etwa Alkohol verboten – sowohl für Einheimische als auch für Touristen.

Als modern, aufregend und ausgefallen kann auch das "Islamic Arts Festival" beschrieben werden, eine Sonderausstellung im Sharjah Art Museum. Sie spielt mit unterschiedlichen Medien und Materialien und ist immer für einen Überraschungsmoment gut. Jeder Raum birgt etwas Unerwartetes. In einem hat der lokale Künstler Firas Bardan für "Glimmer" in einem Mosaik orientalische Wahrzeichen geformt, was Besucher noch tiefer in die arabische Welt des Mittleren Ostens eintauchen lässt. Ein paar Meter weiter hängen riesige, verstörende Blasen von der Decke, die beim Anschauen nur eine Frage aufkommen lassen: Was bitte soll das?

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Schardscha: Mit Kunst und Kultur aus dem Schatten Dubais

Dubais Superlativ-Wolkenkratzer werfen einen großen Schatten voraus, aus dem das Nachbaremirat Schardscha nun heraustreten will. Gelingen soll dies der drittgrößten Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate mit Kunst und Tradition. Bisher ist Schardscha als Reiseziel in Deutschland weitgehend unentdeckt. Zu Recht?


Die Kunstattraktion "Rain Room" von Random International liegt ein paar Autominuten entfernt. Sie soll einen Kontrast zur angrenzenden Wüste bilden. Hier können Besucher durch Regen laufen, ohne nass zu werden! Eine ausgefeilte Technik macht’s möglich. Instagram-taugliche Erinnerungsfotos inklusive.

Das jährliche Lichter-Fest wiederum lässt Straßen und Gebäude Schardschas in kunterbunte Fantasiewelten eintauchen. Daneben beweist die Stadt Liebe zu Büchern. 2019 wurde sie von der Unesco zur Weltbücherhauptstadt ernannt, zur World Book Capital. Beleg ist auch die Internationale Buchmesse jeweils im Herbst, die elf Tage lang dauert und seit jeher Leseliebhaber aus der ganzen Welt anlockt. 2020 wird sie parallel zur Weltausstellung Expo laufen, die in Dubai von Oktober 2020 bis April 2021 gastieren wird – und die freilich überall in den Vereinigten Arabischen Emiraten groß reklamiert wird.

Authentische Architektur in der Hauptstadt

Die Stadt Schardscha selbst steht dagegen vielmehr für Vergangenheit als für Fortschritt. Zumindest was die Bauweise betrifft. Die Gebäude hier streben weniger die Höhe als eine traditionell-authentische Architektur an. Wenngleich sie – typisch für die Vereinigten Arabischen Emirate – natürlich doch nicht ganz ohne überdimensionierte Hochhäuser auskommt.

Einen Souq mit seinen typischen Marktständen gibt es selbstverständlich auch in der Stadt.

12.03.2020 © Meike Kreil


Ein Beispiel für das Traditionsbewusstsein ist das Hotel The Chedi Al Bait, das früher einmal ein Herrenhaus war. Das etwa ein Jahrhundert alte Areal an der Khalid Lagune war verfallen, Ruinen dominierten es. Vor zwei Jahren wurde das Hotel eröffnet, nachdem die Gebäude möglichst detailgetreu wieder aufgebaut worden waren. Und so gibt es nun nicht mehr als zwei Stockwerke, die Bausubstanz ist Sandstein. Der verwinkelte Grundriss blieb, was noch an Originalwänden da war, auch. Experten der Unesco unterstützten den Wiederaufbau. Es ist Teil des ambitionierten Denkmalschutzprogramms "Heart of Sharjah".

Der Ort hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Er gehört einer reichen und berühmten Familie, Al Midfa. Hier wurde auch die erste Zeitung der Region hergestellt – handgeschrieben und ohne jegliche Technologie. Von dieser Historie zeugt noch heute die pompöse "Elephant Door", die Gäste ehrfurchtsvoll durchschreiten, um zum hauseigenen Museum oder zur Bibliothek zu gelangen. Außerdem schließt der Souq Al Arsah an, eine der ältesten Marktstraßen der Stadt.

Abseits der Prachtstraßen gibt es für Touristen jedoch weniger zu entdecken. Auch wenn das Emirat am Persischen Golf liegt, so fehlen doch gute Bademöglichkeiten. Wer tolle Strände erleben will, findet sie nebenan in Dubai. Ganz ohne den großen Bruder kommt Schardschas Tourismus also noch nicht aus. Der Schatten ist einfach sehr groß.

Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten

11.02.2020 © Meike Kreil


Mehr Informationen:
Luxury Dreams
www.luxurydreams.de,
die diese Reise unterstützt haben.
Anreise
Zum Beispiel mit der Fluggesellschaft Emirates ab München nach Dubai.
Vergleichsweise günstig wohnen:
Sheraton Sharjah Beach Resort & Spa
www.marriott.com/hotels/travel/shjsi-sheraton-sharjah-beach-resort-and-spa
Luxuriös wohnen:
The Chedi Al Bait Hotel
www.ghmhotels.com/en/the-chedi-al-bait-sharjah/
Beste Reisezeit:
Zwischen November und April, weil es da nicht zu heiß ist.

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