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Das Grödnertal in Südtirol erstrahlt im Winter in weißem Glanz

Dieser Teil der Provinz ist familiär - die Betriebe sind klein und servieren Spezialitäten - 09.11.2019 07:40 Uhr

Rund um Sella und den Langkofel. Das Grödner Tal bietet fast unbegrenzten Ski-Spaß im größten zusammenhängenden Skigebiet der Welt. © Rainer Groh


Auf dem Damm der Schmalspurbahn von Klausen an der alten Brennerstraße bis nach Wolkenstein verläuft heute ein Spazierweg. Stets mit Aussicht auf den schönsten Berg des Grödnertals, den Langkofel, geht man in etwa zwei Stunden von Wolkenstein talauswärts bis Sankt Ulrich. Durch einen alten Tunnel, vorbei an Schautafeln, die den Bau der Bahnstrecke 1915 durch 600 russische Kriegsgefangene dokumentieren. Und vorbei an Kunstwerken.

Eines zeigt an einer Stützmauer die Schneehöhen im ladinischen "Val Gherdeina" seit 1960. Ein Auf und Ab zwischen 4,85 Meter und 55 Zentimeter.

Man steht vor der Frage, wie die Kunst den Kunstschnee behandeln sollte, der in immer trockeneren Wintern auf der sonnigen Alpensüdseite den durchgehenden Skibetrieb im Grödnertal (Val Gardena) und den in der "Dolomiti Superski"-Gemeinschaft zusammenarbeitenden Tälern Fassatal und Abteital (Alta Badia) von Dezember bis April erst ermöglicht.

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Das Grödner Tal: ein Wintersport-Klassiker

Die grandiose Landschaft der Dolomiten zählt zum Welterbe und das Grödner Tal ist eines der traditionsreichsten Skigebiete der Alpen.


500 Kilometer (zu 98 Prozent künstlich beschneibare Pisten) sind mit einem Skipass vom Grödnertal aus zu erreichen. Abfahrten wie die Weltcupstrecke Saslong zu Füßen des Bergs, dessen Namen sie trägt, die Dantercepies, die Ciampinoi. Über deren Hänge gleiten Ski-Begeisterte seit 100 Jahren. Dazu der Einstieg in die legendäre Sellaronda: In beide Richtungen kann man den gigantischen Sella-Gebirgsstock auf Skiern umrunden.

Vom Grödnertal aus bricht man zu Brettl-Tagesreisen bis zum Lagazuoi oder zur Marmolada mit ihrer klassischen Skiabfahrt auf. Von Sankt Ulrich aus erschließen sich die familienfreundlichen Hänge der Seiser Alm, von Sankt Christina geht es ins Col-Reiser-Gebiet mit seinen Südhängen.

Stichstrecke zur Weltkriegsfront

Womit man wieder bei der Eisenbahn ist. Was eigentlich als Nachschub-Strecke zur Alpenfront des Ersten Weltkriegs gedacht war, hat später den Tourismus in Schwung gebracht. Und ein Angebot begründet, das trotz häufigen Schneemangels viele Skifahrer zu schätzen wissen. Eine besonders gute Küche gibt es hier obendrauf.

Woran das liegt? "Wir Ladiner", sagt Christina Demetz mit dem für diese Sprachgruppe so typischen kehligen Gaumen-R, "sind heimatverbunden. Das sichert in der Hotelerie die Generationenfolge. Die Jungen übernehmen gern den elterlichen Betrieb, weil sie in dem Gewerbe Chancen sehen. Und dann geben Sie alles, was sie können und haben."

Auch die einzelnen Dolomiten-Skigebiete sind – obwohl sie mit dem Dolomiti-Superski-Pass dem größten Verbundgebiet der Welt angehören – eher kleinteilig strukturiert. Von der Fülle an Unterkünften aller Kategorien bis zu den Liften im Skigebiet: die meisten sind Familienbetriebe.

Sonne und Schnee im Grödental. © Rainer Groh


Der Wintertourismus im Grödnertal ist viel zu traditionsreich, um sich auf alpinen Skisport zu beschränken. Man sollte sich zum Beispiel mal auf Langlaufskiern dem Monte Pana ganz entschleunigt nähern.

Er ist ein erstaunlich wenig besuchten Hotspot für Langläufer oberhalb von Sankt Christina, alleine hier sind 35 Kilometern Loipe von insgesamt 115 Kilometern im gesamten Grödnertal.

Oder man entdeckt die ruhigen Seitentäler mit Schneeschuhen – ausreichende Schneehöhe vorausgesetzt. Liegt zu wenig Schnee, lohnt sich der Spaziergang ins Langental vorbei an der Ruine (die die Touristiker dem Minnedichter Oswald von Wolkenstein als Wohnsitz zuordnen) und an der freskengeschmückten Kapelle des heiligen Silvester auch mit Wanderschuhen.

Hat man dazu einen Guide wie Roman Rungaldier, dessen Leidenschaft das Beobachten des Bergwilds ist, kehrt man nicht nur entspannter zurück, sondern auch mit mehr Wissen über die Berge, Steinadler und Gemse, das bäuerliche Leben und das Handwerk.

Mehr Informationen:
Dolomites Val Gardena
www.valgardena.it
das die Reise unterstützte.
Anreise:
Auto: Ab Nürnberg über den Brenner 450 Kilometer in fünf Stunden.
Günstig wohnen:
Garni Cir, St. Christina
www.garni-cir.com
Luxuriös wohnen:
Alpenroyal Grand Hotel Gourmet & Spa, Wolkenstein
www.alpenroyal.com
Beste Reisezeit: Ganzjährig

Rainer Groh

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