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Das Villgratental in Osttirol: "A bissl weg von der Hektik"

Rund um das Örtchen Sillian bleibt es selbst in der Hochsaison überschaubar - 24.01.2020 09:11 Uhr

Sonnenaufgang bei Sillilan. © Michael Husarek


"A bissl weg von der Hektik, a bissl abgeschirmt", fasst Paul Schett die Vorzüge seiner Region zusammen. Der 56-Jährige leitet die Skischule Hochpustertal und passt mit seiner ruhigen, ausgeglichenen Art perfekt ins äußerste Eck Tirols. Mit dem Klischee des wilden Draufgängers vom "Typ Skilehrer" hat der Landwirt, der im Sommer seinen Hof im Villgratental führt, jedenfalls nichts gemein.

Vielleicht liegt es an der abgeschiedenen Lage: Osttirol hat keine direkte Verbindung zum Rest Tirols, das Bundesland Salzburg schiebt sich zwischen den Norden Tirols und den Osten. Und noch dazu grenzen die Hohen Tauern das Gebiet ebenfalls ab, weshalb der gängige Anreiseweg durch den Felbertauerntunnel führt.

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Eine etwas weitere Anfahrt – das ist die Kröte, die Wintersportler aus Nordbayern schlucken müssen. Entlohnt werden sie dafür mit Ruhe und Gemütlichkeit. Kein schlechtes Geschäft: Wer mit Kindern unterwegs ist, schätzt die Überschaubarkeit im Skizentrum Sillian sehr.

Hier, wenige Kilometer vor der Grenze nach Italien, treffen die Eltern immer wieder auf ihren Nachwuchs. Und können sich ein Bild machen, wie es um die Fortschritte im Skikurs bestellt ist. Mittags steht ohnehin das gemeinsame Essen an. Und der Austausch von Erfahrungen: "Hast du uns gesehen, wie wir durch den Tunnel gefahren sind?" Es sind solche Momente, die das Herz von Skischulchef Paul Schette höherschlagen lassen. "Die Pisten sind nicht überlaufen, die Gäste schätzen das und zahlen gerne auch den gleichen Liftpreis wie in größeren Skigebieten."

Entspannte Skitour

Nicht überlaufen – das gilt auch fürs Skitourengehen: Wenn Schette von seinem Hof auf den Berg blickt, hat er eines der schönsten Tourenareale im Blick: "Schöne Abfahrten, nicht allzu lawinengefährdet – für eine schöne Skitour brauchst du einfach einen schönen Berg mit passender Topografie, den haben wir hier im Villgratental." Bis auf 1640 Meter führt die Straße hoch, dann es geht mit den Fellen unter den Skiern auf den Kalkstein, das Gaishorn oder die Kreuzspitze.

Fast entschuldigend fügt Schette hinzu, dass an einem schönen Winterwochenende schon mal 40 bis 50 Einheimische auf den Berg steigen. Wer andere Tourengebiete kennt, lächelt über diesen "Andrang".

Gemütlich ist das Zauberwort, das auch für die Naturrodelbahnen gilt. Allein in und um Sillian sind es drei Bahnen, die Abfahrten von eineinhalb bis sieben Kilometer Länge bieten. Wartezeiten – Fehlanzeige.

Skipisten bei Sillian: Hier hat jeder genug Platz für seine Schwünge. © Osttirol Werbung/Sochor


Gleiches gilt für einen Abstecher ins erste zertifizierte Winterwanderdorf Kartitsch. Auf 1353 Metern Höhe gelegen, bietet der Ort zehn Winterwanderwege. Natur pur ist auch hier das Pfund, mit dem die Einheimischen wuchern.

Ganz bewusst, wie Bernhard Pichler vom Tourismusverband Osttirol betont: "Wir sehen die Zukunft des Tourismus im Schutz der intakten Naturlandschaft. Deshalb war es für uns nur logisch, den sanften Wintertourismus zu stärken, ohne dabei in die Umwelt einzugreifen." Eine Herangehensweise, die zu Osttirol perfekt passt.

Nicht wirklich passend zu dieser Philosophie sind allerdings die Ausbaupläne für das 22 Pistenkilometer umfassende Skizentrum Hochpustertal. Mit zwei Bahnen soll der Anschluss ans Skigebiet von Sexten in Südtirol geschafft werden. Paul Schette kommentiert diese Pläne wie gewohnt mit stoischer Ruhe: "Vieles ist politisch angehaucht, vor den Wahlen heißt es immer, das kommt – dann dauert es doch wieder."

Seinem Gesichtsausdruck ist nicht anzusehen, was ihm lieber wäre: Ein großes Skigebiet oder die Fortsetzung der Osttiroler Gemütlichkeit. Vermutlich hätte er nichts dagegen, wenn er die Vorzüge seiner Gegend weiterhin mit dem schönen Satz "A bissl weg von der Hektik" beschreiben kann.

Mehr Informationen:
Tourismusverband Osttirol
www.osttirol.com
Anreise:
Mit dem Pkw entweder durch den Felbertauern-tunnel oder über den Brenner – je rund fünf Stunden. Mit dem Zug bis nach Kitzbühel, dann per Bus bis Lienz (Fahrzeit: sechs bis sieben Stunden, je nach Verbindung).
Günstig wohnen:
Ferienwohnung Haus Priller
www.urlauburlaub.at/ferienwohnung/595690/haus-priller/sillian/
Luxuriös wohnen:
Dolomiten Residenz Sporthotel Sillian
www.sporthotel-sillian.at

Redaktioneller Hinweis
Die Recherche für manche Artikel in dieser Ausgabe wurde von Reiseveranstaltern, Hotels, Fluglinien oder Tourismusverbänden unterstützt.
Informationen des Umweltbundesamts über die Möglichkeit, den CO₂-Ausstoß Ihrer Reise zu kompensieren: www.umweltbundesamt.de/themen/freiwillige-co2-kompensation

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