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Der namibische Weg

Das Land hat ein System eingeführt, um Tierschutz und ländliche Entwicklung zusammenzubringen - 09.02.2019 08:00 Uhr

Ein Dorf im Nordosten Namibias. Die Bewohner sind arm. Doch sie haben gelernt, dass ihnen Naturschutz langfristig mehr Einkommen einbringt, als das Wildern geschützter Tiere. © Gudrun Bayer


Steve Felton hat sich in Begeisterung geredet. Und er will, dass diese Begeisterung auf die Besucher übergreift. Schließlich geht es um sein Herzensthema: um Naturschutz in Namibia. Felton arbeitet von seinem Büro in Windhoek aus gleich für zwei Organisationen: Für den Verein Nasco, der ländliche Gemeinschaften in ihrer Entwicklung unterstützt, und für die Umweltstiftung WWF.

Namibia hat sehr früh nach der Unabhängigkeit 1990 erkannt, das beide Anliegen zusammenhängen. Dass also Naturschutz nicht gegen den Willen der Menschen auf dem Land durchzusetzen ist. Dass der Tourismus als Wirtschaftsfaktor nur dann Geld ins Land spült, wenn die atemberaubende Natur in Takt bleibt. Und dass die Einheimischen einen Vorteil davon haben müssen, dass sie sich um die Wildtiere kümmern, statt sie zu töten und das Fleisch zu essen und die Trophäen zu verkaufen.

1996 hat die Regierung daher das Community Based Natural Resource Management (CBNRM) gegründet. Grundlage: Gemeinschaften erhalten die Erlaubnis, kommunales Land selbstverwaltet zu nutzen. Sie müssen sich dafür aber als Communal Conservancy offziell registrieren lassen und bestimmte Regeln einhalten. Dazu gehört auch, dass sie sich aktiv am Tierschutz beteiligen. Dafür bekommen sie eine garantierte Beteiligung an Einnahmen aus dem Tourismus.

86 solcher Communal Conservancies gibt es mittlerweile. Sie umfassen 166.000 Quadratkilometer und damit 19 Prozent des Landes. 190.000 Menschen leben diesen solchen Schutzzonen, das sind 7,6 Prozent der Bevölkerung.

Eine Elefantenherde am Wasserloch. Solche Erlebnisse suchen Touristen in Namibia und sind bereit, dafür viel Geld auszugeben. © Gudrun Bayer


Was die Menschen dort lernen: Ein lebender Elefant bringt langfristig mehr Geld, als die Verwertung eines toten. Wilderer schaden daher der Gemeinschaft und müssen bekämpft, statt geschützt werden. Dennoch ist es, so erklärt Steve Felton, den Bewohnern der Conservancies auch nötig, das gelegentliche Erlegen von Wildtieren zu erlauben. Zum Beispiel, wenn sich eine Art zu stark vermehrt hat oder wenn ein Tier nicht davon abzuhalten ist, Felder zu zerstören und Dörfer zu bedrohen. Dafür ist allerdings jedes Mal eine neue Genehmigung nötig. 

Die Concervancies sind selbstverwaltet. Doch es gibt für jede einen Bewirtschaftungsplan, der das Land  in verschiedene Zonen unterteilt, damit Landwirtschaft und Tourismus voneinander getrennt bleiben. Alle privat betriebenen Lodges  auf   Gemeindegebiet bringen ihr  Einnahmen, die sich mit Dividenden vergleichen lassen. Ein bestimmter Prozentsatz des Umsatzes wird an die Gemeinde abgegeben. Läuft eine Lodge nicht so gut, kann diese Abgabe den Betreiber auch in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Daher müssen alle zusammenhelfen, um genau diesen Ort für Touristen attraktiv zu machen. 

"Das System lebt vom  Geben und Nehmen - von einer Wechselwirkung, basierend auf gegenseitigem Vertrauen und Abhängigkeit" erklärt Felton. Was ihn besonders freut: Der namibische Weg lässt sich zwar nicht eins zu eins auf andere afrikanische Länder übertragen. Aber immer mehr schauen sich dieses System an und übernehmen Teile davon, um damit ihren eigenen Weg zu finden. 

Mehr Informationen:

www.nacso.org.na/

www.namibia-tourism.com

Reiseveranstalter Abendsonne Afrika
www.abendsonneafrika.de
Air Namibia
www.airnamibia.com

Alle drei haben diese Reise unterstützt.

Anreise:
Air Namibia fliegt täglich über Nacht nonstop von Frankfurt nach Windhoek. Flugzeit etwa 10,5 Stunden.

Günstige Rundreise: 
18 Tage Selbstfahrerreise ab Windhoek bis Victoria Falls inklusive Sossusvlei, Damaraland, Etosha Nationalpark und Sambesi Region.

Luxuriöse Rundreise:
Elf Tage geführtes Campingabenteuer ab/bis Windhoek inklusive Khaudum Nationalpark und Sambesi Region.

Beste Reisezeit:
Die Trockenzeit im namibischen Winter Ende April bis Ende September.

Gudrun Bayer

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