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Die Fränkische, so romantisch wie vor 200 Jahren

So findet Wanderbuchautor Bernhard Pabst weitgehend unbekannte Orte - 02.10.2020 07:00 Uhr

Blick durch den Lochfelsen bei Pegnitz aus dem Wanderführer über die Fränkische Schweiz von Bernhard Pabst

© Bernhard Pabst, NN


Kein Hinweisschild und keine Wanderwegmarkierung weisen darauf hin, dass es gegenüber dem Pottensteiner Friedhof zu einem Aussichtspunkt der Extraklasse geht. Erst über unscheinbare Stufen, dann über einen schmalen Pfad vorbei an Lichtnelken und Graslilien geht es steil hinauf auf die karge Hochfläche.

Nach Westen liefert Pottenstein mit seiner trutzigen Burg ein Postkartenmotiv ab, nach Norden blicken wir über blühenden Kalkmager-Rasen und zum gewaltigen Felsmaul des Schwalbenlochs. "Das ist fast noch die Fränkische, wie sie die Romantiker vor 200 Jahren vorgefunden haben", sagt Wanderbuchautor Bernhard Pabst.

Höhlen, Felsentore und schöne Aussichten

2017 erschien von ihm Vergessene Pfade Fränkische Schweiz. Inzwischen in der dritten Auflage, hat es sich für ein Produkt mit regionalem Thema beachtlich verkauft. Diesen Frühsommer kam mit Entdeckertouren der zweite "Pabst" im Bruckmann-Verlag heraus. Eigentlich ist Bernhard Pabst Doktor und Professor der lateinischen Philologie des Mittelalters und hat an der Universität Köln einen Lehrauftrag.

Eine weitere Berufung hat der 59-Jährige, der schon lange in Eckental lebt, aber im Entdecken verborgener Naturschönheiten in Franken gefunden. Seit über 30 Jahren ist er oft mehrmals in der Woche in der Region unterwegs – immer auf der Suche nach Höhlen, Felsentoren und schönen Aussichtspunkten. "In meiner wissenschaftlichen Tätigkeit arbeite ich mit mittelalterlichen Handschriften, die schon Jahrhunderte niemand mehr in den Händen hatte.

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Flussfahrt: Mit dem Kajak durch die Fränkische Schweiz

Der Einstieg ist noch etwas wackelig, bis zum endgültigen Sitzen bleibt es spannend: Ob das Kajak eigene Wege geht oder die Besatzung zum Baden zwingt, wird sich zeigen. Manchmal aber und mit etwas Geschick kommt man trocken ins Boot — vorerst. Auch die NN wagen einen Versuch durch das kühle Nass der Wiesent.


Eine weitere Berufung hat der 59-Jährige, der schon lange in Eckental lebt, aber im Entdecken verborgener Naturschönheiten in Franken gefunden. Seit über 30 Jahren ist er oft mehrmals in der Woche in der Region unterwegs – immer auf der Suche nach Höhlen, Felsentoren und schönen Aussichtspunkten.Als Autor suche ich nach Naturdenkmälern, die kaum jemand kennt und die man aktiv suchen muss. Beides ist Pionierarbeit" sagt Bernhard Pabst bei einer Wanderung über die Hohe Leite aus seinem aktuellen Buch.
Zur Vorbereitung nutzt er genaue topografische Karten, Höhlen- und Kletterführer sowie Hinweise aus dem Internet. Oft entdeckt er die Pfade und Felsen erst bei der Feldforschung: "Ich gehe einfach mal drauflos, wenn die Karte ein interessantes Gelände verspricht." Wichtig ist ihm, die Höhepunkte der Tour über abwechslungsreiche Wege zu verbinden.

Ein wenig Abenteuerlust gehört schon dazu

Auf Asphalt- oder Forststraßen zu laufen, ist dem Wanderexperten, der meist alleine auf Recherchetour geht, zu langweilig.
Statt stundenlang einem roten Punkt oder grünen Kreuz zu folgen, nutzt Pabst auch mal geologische oder botanische Orientierungspunkte und führt ohne Markierung und Weg von Höhepunkt zu Höhepunkt. Ein wenig Abenteuerlust gehört zu dieser Schatzsuche also dazu. "Wer weniger erfahren ist und sich nicht so gut orientieren kann, sollte sich die GPS-Tracks von der Verlagsseite herunterladen", rät der Autor.

Während die Klassiker des Frankenjuras, die in fast jedem einschlägigen Wanderführer und Internetportal angepriesen werden, an schönen Wochenenden überlaufen sind, ist man auf den Touren des Eckentalers oft ganz alleine unterwegs. Auf der Hohen Leite, einem aussichtsreichen Grat bei Haßlach, leisten nur ein paar Schmetterlinge der Wandergruppe um Bernhard Pabst Gesellschaft.

Wanderbuchautor und Naturfotograf: Bernhard Pabst aus Eckental

© Inge Klier, NNZ


Es sind Geheimtipps, die er publiziert. Ärger mit Einheimischen, die ihre Lieblingsplätze für sich behalten wollen, gab es aber fast noch nie: "Ein Hüttenbesitzer in der Hersbrucker Schweiz hat sich mal beschwert, dass jetzt plötzlich Leute bei ihm vorbeikommen", berichtet der Autor. Leser schreiben ihm eher, dass sie ihre Heimat ganz neu entdeckt hätten. Bedenken, dass durch seine Vorschläge die Natur leiden könnte, hat er nicht. "Wanderer sind doch Naturliebhaber und verhalten sich dementsprechend respektvoll verhalten", meint Pabst.

Ganz sensible Bereiche behält er dennoch für sich: Zu Tropfsteinhöhlen führt er nur, wenn sie allgemein bekannt sind oder an markierten Wegen liegen: "Manche schlagen Sinterstücke oder Tropfsteine ab, da wird einfach zu viel kaputt gemacht."
Auch wenn einzelne Höhlen oder Gebiete geschützt werden müssen, findet er, dass die Fränkische und Hersbrucker Schweiz ihre Schönheiten auch über die regionalen Grenzen hinaus noch besser vermarkten könnten: "Da gibt es ein großes Potenzial. Nur ein Drittel der Naturdenkmäler liegt an Wanderwegen", hat er nachgerechnet. Er hätte nichts dagegen, wenn die eine oder andere seiner Touren zu einer markierten Runde werden würde.

Allein in seinen beiden ersten Bänden führt er jeweils zu über 100 unbekannten Felsentoren, Höhlen und anderen Geotopen. Material für ein drittes Buch oder einen Bildband hat der passionierte Naturfotograf jedenfalls schon genug in der Hinterhand.


Buchtipps:
Der Kenner des Frankenjura hat zwei Bücher veröffentlicht. 2017 Vergessene Pfade Fränkische Schweiz und 2020 Entdeckertouren Fränkische Schweiz (Bruckmann, je 19,99 Euro). In beiden Bänden stellt er je 33 Wanderungen zu versteckten und unbekannten Naturdenkmälern zwischen Bamberg, Bayreuth, Nürnberg und rund um Hersbruck vor. Darin auch Infos über Länge, Schwierigkeitsgrad, Höhenmeter, Anreise mit Bus und Bahn sowie Einkehrmöglichkeiten.
Viele weitere Wander- und Ausflugsbücher für Franken finden Sie auch in unserem Lesershop.

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