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Die Malediven sind Inseln auf der Kippe

Auf dem Archipel macht man sich Gedanken über Umweltschutz und nachhaltigen Tourismus - 29.11.2019 08:00 Uhr

im Kaafu-Atoll schwimmen kleine Haie unterm Hotelsteg. Hinten auf der Hauptinsel Malé sieht man Kräne und große Bauprojekte. © Andrea Munkert


Nur 2,4 Meter. So hoch liegt die höchste Stelle der Malediven. Fast unvorstellbar für Menschen, die am Wochenende gerne 2000er besteigen und Bergpanorama vor der Haustüre schätzen. Keine Steigung, nahezu kein Gestein, ein paar meist künstlich gelegte Brocken, um das Ufer vor der Abtragung durch die Wellen zu schützen.

Es gibt auf den 1190 Inseln und 27 Atollen, wie auch dem Raa, keine Autos und keine Straßen – überall dominiert Sand und das Gefühl, das kitschig türkis leuchtende Meer vor der Resortzimmertüre zu haben, als wäre es ein begehbares Aquarium der prachtvollsten Art. 90 Prozent der maledivischen Fläche ist Ozean. Wenn nun aber die Weltmeere durch den vom Menschen gemachten Klimawandel steigen, drohen die tropischen Trauminseln im Indischen Ozean unterzugehen wie die legendäre Stadt Atlantis.

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Projekte im Paradies: Nachhaltigkeit auf den Malediven

27 Atolle, 1190 Koralleninseln und knapp 90 000 Quadratkilometer Fläche: Die Malediven im Indischen Ozean sind ein Kaliber für sich: Eine kitschig-wundervolle Oase für Verliebte und ein Paradies für Wassersportler. Doch dieses Land aus Sand merkt stärker als der Rest der Welt, wie sich der Klimawandel ausbreitet und wie sehr die Menschheit auf Mutter Erde achten und sie schützen muss.


Hps Barsal, ein Mann mit weiten Hosen und streng gebundenem Turban, blickt aufs Meer, die Sonne geht gerade unter und malt goldene Töne. "Den Sand, das Meer und die Meeresbewohner zu schützen und zu retten, ist eines meiner großen Themen", sagt er mit ernstem Blick. In Filaidhoo arbeitet er seit Eröffnung des Bio-Luxus-Resorts Reethi Faru vor 22 Monaten an einem nachhaltigen Betrieb – daran, dass das Hotel ohne Plastikflaschen auskommt, eine Entsalzungsanlage das Trinkwasser herstellt und Restmüll zu Biogas verwertet wird.

Auch Obst und Gemüse bauen sie hier selbst an, längst müssen sie nicht mehr alles einfliegen oder mit dem Boot antransportieren lassen. Solarzellen versorgen die 120 Villen mit Strom und Warmwasser, was pro Stunde etwa 96 Liter Diesel beziehungsweise 902 Kilogramm ausgestoßenes CO2 einspart – auf Kohle und fossile Brennstoffe verzichten sie hier.

Der ganze Müll mus abtransportiert werden

Sämtlicher Müll, der auf den Malediven anfällt, muss auf die Müllverbrennungsinsel des Archipels, Thilafushi, exportiert werden, die man bereits von Weitem an einer hohen Rauchsäule im wolkenlosen Himmel erkennt. Im Stundentakt legen dort Schiffe voller Müll an, täglich kommen gut 600 Tonnen zusammen. Die Hälfte kommt aus den meist sehr schicken Resorts.

Solche Bilder sollen von den Malediven in die Welt gehen – doch dafür muss die Natur intakt bleiben. © TVB Malediven


Diese Tatsache, sagt Hps Barsal, sei ein Grund, warum die maledivische Regierung begonnen habe, neue Gesetze zum Umweltschutz zu erlassen und vermehrt auch ein Auge auf die Abfallverwertung zu werfen. "Wenn alles kaputt ist, haben die Malediven nichts mehr, womit sie Geld im Tourismussektor verdienen können", schiebt er nach. Der Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Doch längst reichen die Maßnahmen nicht mehr aus, meint er: Sieben Millionen Gäste sollen künftig laut maledivischem Tourismusministerium jährlich den Inselstaat besuchen – drei Mal so viele wie derzeit.

Dadurch wird mehr Müll anfallen, mehr Kohlendioxid ausgestoßen. Und so versuchen sie hier jetzt schon, Nachhaltigkeit in diesem zerbrechlichen Paradies voranzutreiben und die Menschen zu sensibilisieren, rechtzeitig diese Probleme im Auge zu behalten. Die Resorts sprechen mit den Gästen über die Lage und bitten sie beispielsweise, ihren Müll nach ihrem Urlaub wieder mit zurückzunehmen – die Fluggesellschaften recyceln ihn.

Gäste werden Paten für Korallen

Das sind erste Anstrengungen angesichts des steigenden Meeresspiegels und der steigenden Temperaturen. Der 45-jährige Barsal blickt besorgt in die Zukunft des Landes, das auf seinen 27 mehr oder weniger ringförmigen Atollen bald noch einige mehr oder weniger luxuriöse Resorts beherbergen wird. Eine Baufirma aus Peking rüstet derzeit den internationalen Flughafen in Malé auf, um für dieses Plus an Touristen gewappnet zu sein.

Vor zwei Jahren starben bei einer Korallenbleiche in viel zu warmem Wasser unzählige Riffe ab. Betroffene Resorts wie das Reethie Faru versuchen nun mit Hilfe von Meeresbiologen, die Korallen wieder anzusiedeln, indem sie noch lebende Korallenarme an Drahtgestelle binden und Resortgäste als Paten gewinnen, die die Lebewesen zum Riff bringen.

Mülltrennung in Meedhupparu – in Asien noch immer ein seltener Anblick. © Andrea Munkert


In wenigen Jahren soll sich alles regeneriert haben. Hinzu kommen die Dauerproblematiken wie Überfischung und Giftstoffe, die auch von der Sonnenmilch der Gäste ins Wasser gelangen. "Allmählich kehrt die Artenvielfalt wieder zurück", beobachtet Tauchlehrer Patrick Spitz, der seine Basis im Reethie-Faru-Resort hat. Die Müllstraßen im Ozean würden kleiner. Und so kann man hier wieder vermehrt kunterbunte Fische beobachten, Delfine springen und unter den Stegen des Resorts kleine Riffhaie und Rochen kreisen sehen. Schließlich sind unversehrte Inseln und Riffs das Kapital des Landes.

Hps Barsal lässt sich von Naturschutzorganisationen beraten und hat für sein Resort das Indian Ocean’s Leading Green Certificate erhalten, eine besondere Auszeichnung für grüne Projekte. Auch gibt Barsal seinen Gästen neben der Transfer-Organisation vom Flughafen zum Resort via Wasserflugzeug auch Tipps, wie sie ihren CO2-Fußabdruck zumindest verringern können, indem sie etwa bei der Klimarettungs-Plattform Atmosfair (www.atmosfair.com) ihren Flug kompensieren.

Auch andere und ältere Resorts wie das Adaaran auf Medhupparu oder das Sheraton in Nordmalé rüsten sukzessive vom konventionellen Betrieb um, haben eigene Wasserabfüllanlagen und beziehen ihren Strom von der Sonne und nicht mehr aus Generatoren. Sanfter und nachhaltiger Tourismus soll mehr und mehr Realität werden, die Gäste, weiß Barsal, fragen danach und nehmen das gerne an – das Umdenken hat begonnen.

Mehr Informationen:
Maldives Marketing
www.visitmaldives.com, das die Reise unterstützte.
Anreise:
Flüge ab Frankfurt oder München mit Zwischenstopp, ab Malé meist weiter mit Wasserflugzeug oder Speedboot
Luxuriös wohnen:
Reethi Faru Resort
www.reethifaru.com
Günstiger wohnen:
Adaaran Select Meedhupparu, Raa-Atoll
www.adaaran.com
Beste Reisezeit:
Ganzjährig 24 bis 33 Grad Celsius. Regenzeit Mai bis Oktober. Tauchen: November bis Mai. Wassersport: Mai bis Oktober. Baden: Januar bis März.

 

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