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Dresden kann auch Kiez

In der Neustadt erleben Besucher eine Subkultur mit tollen Kneipen und Läden - 13.07.2019 08:00 Uhr

Häuser mit altem Charme, ein buntes Völkchen, coole Läden und Kneipen: Das ist die Alaunstraße. © Andres Garcia Martin/shutterstock.com


Während 80 Prozent der Altstadt den Bomben zum Opfer fielen, erlitt die Neustadt nur zu zehn Prozent Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg. Deshalb stehen in diesem einstigen Handwerkerviertel noch viele Altbau-Häuser mit hohen Decken aus der Gründerzeit.

"Genau diese historische Architektur fand die DDR-Regierung ungeeignet für den neuen sozialistischen Menschen", erzählt Anett Lentwojt. Die temperamentvolle Frau leitet das Stadtteildokumentationszentrum Dresden Neustadt und führt auch Besuchergruppen durch ihren Kiez, der – wie einst auch eine Kneipe – den Namen Bronxx verpasst bekam.

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Dresden: Spannung zwischen Altstadt und hipper Neustadt

In diesem Jahr feiert Dresden mit großem Kulturschauspiel 300 Jahre Prunkhochzeit des Sohnes Augusts des Starken. Der Zwinger ist ein Muss. Wer das wenig Konventionelle liebt, gönnt sich einen Rundgang durch Dresdens Neustadt. Zum Betreten des Stadtteils eignet sich die Alaunstraße mit vielen kleinen Läden wie dem „Geldschneider“, der Kunsthofpassage mit allerlei Handwerkspreziosen und dem Lichthof mit einem beeindruckenden Regenwasserspiel. Ein Abstecher nach Meißen empfiehlt sich außerdem.


Nicht von ungefähr: Über Jahrzehnte vernachlässigten die Stadt-Oberen das Viertel derart, dass auf den Dächern zum Teil sogar Dachrinnenbirken wuchsen.

Weil zu DDR-Zeiten fast nichts für die Instandhaltung, geschweige denn Modernisierung getan wurde, zog die angestammte Bevölkerung nach und nach in neue, bequemere Plattenbauten sozialistischer Machart mit Zentralheizung und warmem Wasser. "Die Neustadt leerte sich und wurde zum Wohnort für Punks, Hippies und Künstler. Denen gefiel das größte zusammenhängende Gründerzeitviertel Europas", sagt Lentwojt.

1988 wurden sogar schon Vorbereitungen getroffen für den Abriss des Viertels, doch dann begannen die Montagsdemos mit dem Slogan "Wir sind das Volk". Die Macht des Regimes bröckelte und brach schließlich zusammen.

Lustige Idee einer Bunten Republik Neustadt

Nach der Wiedervereinigung wollten viele erstmal nur konsumieren, an allen Ecken standen plötzlich Imbissbuden, die Läden stellten Reklame aus, die ersten Westautos parkten in den Straßen. Als Gegenpol zur anbrechenden kapitalistischen Ära kam in der Neustadt die Idee der bunten Republik Neustadt (BRN) auf.

Im Garten des Restaurants "Altes Wettbüro" zeigt sich das Szeneviertel von seiner besten Seite - auch kulinarisch. © Angela Giese


Genau eine Woche vor der Währungsunion 1990 wurde eine eigene Republik ausgerufen – mit eigenem Pass, eigener Verfassung und Währung. Die anarchistisch-lustige Truppe benannte obendrein Minister für Wehrkraftzersetzung, Unkultur und Unterseeboote. Ein Schild am Kulturzentrum Scheune erinnert heute daran: "Sie betreten den demokratischen Sektor der bunten Republik Neustadt".

Tor zum Stadtteil ist die Alaunstraße mit ihren vielen kleinen Läden wie dem "Geldschneider" (er macht etwa aus Lieblingsmünzen Anhänger), der Kunsthofpassage mit allerlei Handwerkspretiosen und dem Lichthof mit einem beeindruckenden Regenwasserspiel. Außerdem ist die Neustadt voller Szenekneipen und Restaurants und Imbissbuden mit meist sogar sehr günstigem Essen aus aller Welt.

Prunkvoll wird die Fürstenhochzeit nachinszeniert

Ein paar Kilometer südlich wird seit dem Frühjahr gefeiert: Die Altstadt lässt es krachen, denn zum 300. Mal jährt sich die glanzvolle Hochzeit von Friedrich August, Sohn Augusts des Starken, mit der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha. Nettes Detail: Per Ehevertrag ließ sich Josepha versichern, dass sie das Recht auf einen finanziell abgesicherten Kavalier, also Hausfreund, hat.

Die Altstadt erstrahlt in neuem Glanz und ist der Touristenmagnet schlechthin. Hier die Brühlschen Terrassen mit Schloss, die weiße Elbflotte und rechts hinten die Semperoper. © Sebastian Kahnert/dpa


Höhepunkte sind im August eine Wasserparade sowie die Nachempfindung der Fahrt des Brautpaares in glanzvollen Gondeln auf der Elbe von Pirna nach Dresden. Obendrein werden die Staatlichen Kunstsammlungen im Residenzschloss neu eröffnet und im Paradeappartement die Gewänder aus Gold und Seide des sächsischen Kurfürsten aus dem Depot geholt. Mit edlen Stoffen aus aller Welt wurden sie eigens geschneidert für die Hochzeit des einzigen ehelichen Sohnes des glanzvollen und mächtigen Fürsten.

Mehr Informationen:
Dresden Marketing
www.marketing.dresden.de
die die Reise unterstützten.
Anreise:
Ab Nürnberg mit dem Auto 330 Kilometer, mit der Bahn in rund vier Stunden.
Günstig wohnen:
Hostel Mondpalast
www.mondpalast.de
Luxuriös wohnen:
Villa Sorgenfrei, Radebeul
www.hotel-villa-sorgenfrei.de
Beste Reisezeit:
April bis Oktober und zum Advent. 

Angela Giese

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