Fällt die Wintersaison wieder aus?

Endlich wieder Skifahren: So klappt das mit dem Winterurlaub - trotz Corona

27.9.2021, 08:07 Uhr
Die Vorfreude ist riesig: Hier am Rande der Piste in der Wildschönau, Tirol.

Die Vorfreude ist riesig: Hier am Rande der Piste in der Wildschönau, Tirol. © Matthias Niese, NNZ

Fakt ist: Wir können derzeit überall Skiurlaub buchen, ob in Deutschland, der Schweiz, Südtirol, dem Trentino, Österreich, Polen, Tschechien, Slowenien, Frankreich. Die Branche und die alpinen Wintersport-Reiseländer lechzen nach Urlaubern, um den Totalverlust des letzten Corona-Winters wett zu machen.

Sie tun alles, damit nicht auch noch die nächste Saison ins gefrorene Wasser fällt, sie hauen mächtig auf die Werbepauke und preisen ihre Hygienekonzepte. Man habe schließlich aus Fehlern gelernt. "Ein nochmaliger Ausfall der Wintersaison ist undenkbar", sagt denn auch Lisa Weddig, Geschäftsführerin der Österreich Werbung.

Ihre Hoffnung ist angesichts der Corona-Schutzimpfungen, die erst nach der vergangenen Skisaison für Jüngere Fahrt aufnahmen, gut begründet. Auch der doppelt geimpfte Autor dieser Zeilen setzt auf Beobachtungen und sein Bauchgefühl und plant voller Zuversicht für die Winter- und Faschingsferien ein paar Tage Familienurlaub auf der Piste.

Schließlich ist Urlaub im Schnee - bei aller Kritik daran - nach einem weiteren entbehrungsreichen Jahr für viele eine der wenigen Möglichkeiten, in der langen, kalten Jahreszeit für ein verlängertes Wochenende oder in den Ferien rauszukommen. Fernreisen in die Wärme sind noch teurer und viele Ziele in Übersee weiterhin schwer zu erreichen.

Die vierte Welle gilt noch nicht als gebrochen

Doch kann man sich wirklich darauf verlassen, dass es dann auch mit dem Urlaub in den Bergen klappt? Müssen wir bald doch wieder unsere Reisen stornieren, weil Delta oder eine neue Variante von Covid-19 in der kalten Jahreszeit ab Oktober grassiert?

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer glaubt nicht, dass die vierte Pandemie-Welle in Deutschland schon gebrochen ist: "Ich kann mir mit dem Blick auf die kommende kühlere Jahreszeit nicht vorstellen, dass das schon das Ende gewesen sein soll. Das steht und fällt, wie wir mit dem Impfen vorankommen."

Schlechte Erfahrungen im letzten Jahr

Wir erinnern uns mit Grausen: Schon im Sommer vorigen Jahres, als die Corona-Fallzahlen niedrig waren, vergaßen wir manchmal, dass wir in einer Pandemie leben. Viele glaubten noch im September an baldige Pistengaudi und buchten ihren Winterurlaub.

Endlich wieder auf der Skihütte bei Sonnenschein in den Schnee blinzeln - darauf freuen sich viele schon jetzt. Hier bei Sankt Johann-Alpendorf in Snow Space Salzburg / Ski amadé.

Endlich wieder auf der Skihütte bei Sonnenschein in den Schnee blinzeln - darauf freuen sich viele schon jetzt. Hier bei Sankt Johann-Alpendorf in Snow Space Salzburg / Ski amadé. © Matthias Niese, NNZ

Ab Oktober 2020 lagen dann wieder zu viele Coronakranke auf den Intensivstationen, die Politik zog die Notbremse und verhängte ab 1. November 2020 über den Winter den Voll-Lockdown. Die Skigebiete in den Alpen blieben trotz Traumwinter geschlossen, lediglich für Einheimische und Residenten ließ man mancherorts ein paar Lifte laufen. Wiederholt sich das nun?

Impfungen machen den entscheidenden Unterschied

Denn auch diesen Sommer sanken die Inzidenzzahlen in den Keller, wieder vergaßen viele, dass wir in einer Pandemie leben. Doch inzwischen sind knapp zwei Drittel der Deutschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft, hinzu kommen die Genesenen. Die Ständige Impfkommission (StiKo) empfiehlt den Piks ab zwölf Jahren, immer mehr Jugendliche erhöhen die Impfrate. Auch in den meisten Ländern Europas ist der größte Teil der Bevölkerung geimpft, der Kontinent entspannt sich.

Außerdem achtet man auch in Deutschland bei der Einteilung der Länder und Regionen in Hochrisikogebiete nicht mehr nur auf die Inzidenzzahlen, sondern berücksichtigt die Belastung der Intensivstationen sowie weitere Faktoren - das erlaubt mehr Flexibilität.

Die Politik schließt einen erneuten harten Lockdown aus

Die deutsche Politik hat bereits weitestgehend ausgeschlossen, dass es erneut zu einem Lockdown wie im letzten Winter kommen wird - Geimpfte, Genesene und teils auch Getestete bekommen ihre Grundrechte zurück, sie dürfen schon länger wieder zumindest innerhalb Europas reisen.

Der Tourismus-Beauftragte der derzeitigen Bundesregierung, Thomas Bareiß, zeigte sich daher offen für einen Vorstoß der Österreicher (siehe unten), Skiurlaub mit Einschränkungen zu ermöglichen und Après-Ski-Lokale nur für Geimpfte zu öffnen.

Tourismusbeauftragter Bareiß will unbeschwert Skiurlaub machen

Bareiß sagte auf Anfrage: "Mir geht es da wie wahrscheinlich den meisten Leuten: Wir wollen wieder unbeschwert Skiurlaub machen. Daher ist es grundsätzlich richtig, bestimmte Veranstaltungen nur für Personengruppen zu öffnen, bei denen die Ansteckungsgefahr gering ist. Wir haben dafür in Deutschland mit der 3G-Regelung eine angemessene Lösung."

Selbst bei einem Anstieg des Infektionsgeschehens dürfe es keine Schließungen mehr geben, gleichzeitig müssten aber Gäste und Gastgeber geschützt werden. "In dem Fall bleibt zu prüfen, ob ein Antigen-Schnelltest noch ausreichend ist. Die Impfung bleibt das A und O", sagte Bareiß. Der SPD-Gesundheitsexperte, Impfarzt und Virologe Karl Lauterbach sieht das jedoch kritisch.

Ein Winterurlaub für Geimpfte und Genesene

Optimistisch zeigt sich auch die Reisebranche: "Ich glaube, dass der Winter- und Skiurlaub einer für Geimpfte und Genesene sein wird, mancherorts auch für Getestete", sagt Torsten Schäfer, Pressesprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV), unserem Verlag Nürnberger Presse. Die einzelnen Länder legen ihre Corona-Regeln zwar selbst fest, doch sie würden Winterurlaub eher ermöglichen denn verhindern.

"Deshalb appellieren wir auch an alle Reisewilligen, sich impfen zu lassen und sich streng an die Hygieneregeln in ihrem Urlaubsland zu halten", so Schäfer weiter. Und er rät als Vertreter der Reisebranche allen, die auf Nummer Sicher gehen wollen, auch für den Winterurlaub eine Pauschalreise zu buchen. "Da sind Sie finanziell und organisatorisch abgesichert, sollte die Reise doch nicht stattfinden können."

Die Kleinen hatten gerade ihren ersten Skikurs gemacht, nun mussten sie zwei Jahre warten. Ob sie noch was können? Hier in den Sextner Dolomiten in Südtirol bei Dolomiti Superski. 

Die Kleinen hatten gerade ihren ersten Skikurs gemacht, nun mussten sie zwei Jahre warten. Ob sie noch was können? Hier in den Sextner Dolomiten in Südtirol bei Dolomiti Superski.  © Matthias Niese, NNZ

3G in Seilbahnen: Österreich geht beim Skiurlaub voran

Österreich ist unser wichtigstes Wintersportland, seine Regelungen für Seilbahnen und Pistenspaß dürften in der kommenden Wintersaison auch für andere Länder beispielhaft sein. Es gilt 3G: Geimpfte, Genesene UND frisch Getestete bekommen Zutritt. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger: "Kontrolliert werden soll das bereits am Ticketschalter". In den Gondeln müssen Skifahrer eine FFP2-Maske tragen, dafür wird es - wie im letzten Winter - keine Kapazitätsbeschränkungen und Abstandsregelungen geben.

Bei den Hotels und Restaurants greift ein Stufenplan: Auf Stufe 1 gilt 3G: Geimpfte, Genesene UND frisch Getestete erhalten Zutritt. Auf Stufe 2, bei einer höheren Intensivstationen-Belastung, werden keine Selbsttest mehr akzeptiert, auf Stufe 3 braucht es einen PCR-Test.

Besonders heikel ist nach dem Gau von Ischgl das Thema Après-Ski. Sind 300 Intensivbetten belegt, dürfen Ungeimpfte keine Après-Ski-Lokale mehr besuchen, auch nicht mit PCR-Test. Köstinger überträgt den Urlaubern viel Verantwortung und rät: "Wer einen sicheren, unbeschwerten Winterurlaub in Österreich genießen will, soll sich auf jeden Fall impfen lassen." Die Planungen der österreichischen Regierung inklusive Drei-Stufen-Modell tragen den Namen "Winterregeln für eine sichere und erfolgreiche Saison".

Das gilt für Kinder im Winterurlaub bei Hin- und Rückreise

Wer seine Kinder mitnimmt, muss nach derzeitigem Stand die selben Regeln beachten, die schon in den Sommerferien galten: Kinder unter zwölf Jahren benötigen bei Ein- und Rückreise etwa nach und aus Österreich sowie in viele andere Länder keinen Test. Hier finden sie tagesaktuell, welche Regeln bei Reisen in EU-Länder gelten.

Touristen und ihre über 12 Jahre alten Kinder können sich unter anderem in Österreich sogar in den Tourismusinformationen ganz einfach und kostenlos auf Corona testen lassen. Hier in der Wintersportstadt Innsbruck.

Touristen und ihre über 12 Jahre alten Kinder können sich unter anderem in Österreich sogar in den Tourismusinformationen ganz einfach und kostenlos auf Corona testen lassen. Hier in der Wintersportstadt Innsbruck. © Matthias niese

Über zwölf Jahren ist vor der Einreise ein Impfnachweis oder ein aktuelles negatives Testergebnis nötig. Vor Ort muss man etwa in Österreich den Test alle 48 Stunden erneuern, was inzwischen kostenlos in unzähligen Teststationen teils sogar in den Tourismusbüros möglich ist. Vor der Rückreise müssen Sie das Kind auf dem Einreiseportal der Bundesrepublik melden und einen aktuellen negativen Test aus dem Reiseland nachweisen können. Bei Skiurlaub in Deutschland entfallen diese Maßnahmen.

Und wie geht es weiter?

Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestags, Erwin Rüddel (CDU), erwartet ein Ende der Corona-Beschränkungen ab dem kommenden Frühjahr, also erst nach der kommenden Winterurlaubs-Saison. "Ich rechne mit vollständiger Normalität ab März 2022", sagte Rüddel. Behält er recht, dürften wir 2022/23 wieder sorglos über Pisten wedeln - wenn das dann angesichts des Klimawandels überhaupt noch opportun ist.

Dieser Artikel vom 21. September wurde am 23. September aktualisiert.

1 Kommentar