Das planen die Länder: 3G oder 2G im Schnee?

Endlich wieder Skifahren - so klappt das trotz steigender Coronazahlen

5.11.2021, 09:48 Uhr
Gute Aussichten für Geimpfte in dieser Skisaison.

Gute Aussichten für Geimpfte in dieser Skisaison. © Matthias Niese

Pisten, Pulver, Skivergnügen: Viele standen im Februar oder gerade noch so im März 2020 das letzte Mal auf Ski, denn der vergangene Winter war wegen Corona für die allermeisten ein Totalausfall. Die bevorstehende Saison wird nicht wieder so mager ausfallen, denn fast alle Bergbahnen und Tourismusverbände haben inzwischen ihre Pläne für den Winter 2021/22 vorgestellt. Wir geben auf die wichtigsten Fragen die Antworten.

Skiurlaub 2021: Wie sehen die Vorschriften in den Alpen aus?

Die gute Nachricht: Nach aktuellem Stand wird man trotz überall ansteigender Inzidenzzahlen wohl alpenweit Skifahren können. Für Ungeimpfte wird es allerdings vielerorts ungemütlich bis unmöglich. Und wenn die Pandemie ausufert, könnte der Skispaß doch nur sehr eingeschränkt (2G) bis gar nicht mehr möglich sein. Eine Aussage dazu gleicht aber einem Blick in die Kristallkugel.

So wird in Deutschland, Österreich und Italien das 3G-Prinzip (geimpft, genesen, getestet) in Seilbahnen sowie Maskenpflicht gelten. In der Schweiz reicht bislang eine Maske aus, Tests sind bisher nicht nötig.

Die Details variieren: Bei weniger als 20 Prozent Intensivbettenbelegung darf man sich in Österreich sogar selbst testen ("Wohnzimmertests"). Die Kontrolle erfolgt dann am Ticketschalter. Für die Seilbahnen entfallen Kapazitätsbeschränkungen und Abstandsregeln. Ob es Gratis-Tests für ungeimpfte Touristen geben wird, ist noch unklar.

In Italien inklusive Südtirol herrscht Green-Pass-Pflicht (3G) für die Benutzung von geschlossenen Liften (Seilbahnen, Kabinenbahnen und Sesselliften mit Schutzkuppel). Touristen bekamen nur in Südtirol Gratistests, voraussichtlich auch im Winter. Frankreich fordert für alle ab zwölf Jahren den "Pass Sanitaire” (3G) an "bestimmten Orten und Einrichtungen", darunter Seilbahnen. Ein Antigentest kostet 25 Euro, ein PCR-Test 44 Euro.

In Deutschland gelten die Regeln der Bundesländer. In Bayern, dem wichtigsten Skiurlaubsland, wird 3G gelten und ab einer 35er-Inzidenz medizinische Maskenpflicht. Im Schwarzwald plant man sogar eine 2G-Plus-Regel: Erwachsene, die etwa auf die Feldberg-Pisten wollen, müssen geimpft oder genesen sein. Für Kinder reicht der Schülerausweis. Dieser komme "einem negativen Test gleich", sagt eine Sprecherin der Liftbetreiber.

Seilbahnen Schweiz hat für den Winter ein Schutzkonzept erarbeitet, das noch mit dem Bundesamt für Gesundheit in Bern abgestimmt wird. Es soll sich möglichst wenig ändern gegenüber dem Sommerschutzkonzept der Schweizer Seilbahnen: Da gilt ein Mund-Nasen-Schutz als ausreichend, von 3G ist nicht die Rede.

Welche Hygienekonzepte gibt es?

Der höchste Punkt am Stubaier Gletscher. Hier können Sie schon seit 8. Oktober wieder Skifahren.
 

Der höchste Punkt am Stubaier Gletscher. Hier können Sie schon seit 8. Oktober wieder Skifahren.   © Matthias Niese

In Bayern sind etwa bei der Zugspitzbahn Abstand, Desinfektion, Besucherlenkung die Basis. Maskenpflicht und offene Fenster sind selbstverständlich. Buffs und Schals sind nicht erlaubt, es müssen medizinische Masken sein. Dafür ist der Mindestabstand nicht mehr so wichtig.

Sehr unglücklich sind viele Bergbahnen mit der strengen Kontrollpflicht. Die liege bei den Betreibern, stöhnt Bernhard Hain vom Skizentrum Mitterdorf im Bayerischen Wald. Das bedeutet: Stress mit Maskenverweigerern. Dafür haben die Bahnen in Tirol ein Onlinetraining, das die Mitarbeiter im richtigen Kundenumgang schult.

Besonders aktiv war Ischgl, der viel gescholtene Corona-Hotspot vom Frühjahr 2020: Dort hat man 700.000 Euro in Hygienemaßnahmen investiert. Alle Seilbahnen werden mit Kaltvernebelungsgeräten desinfiziert, ebenso Skibusse, Sportshops und WC-Anlagen.

Gibt es Obergrenzen für Seilbahnen und Restaurants?

In den meisten Alpenländern dürfen die Kabinen wieder bis auf den letzten Platz gefüllt werden. Nur Italien sieht eine Begrenzung geschlossener Lifte auf 80 Prozent vor. Die Fenster müssen offen bleiben und Gäste die Schutzmaske tragen, falls sie familienfremd sind.

In Deutschland gibt es keine Kapazitätsbeschränkung, so der Verband Deutscher Seilbahnen VDS. Einige Unternehmen lassen in Großkabinen aber freiwillig nur noch 80 Prozent der Gäste. Auf der Zugspitze geht es noch strenger zu: Wenn die Warteschlangen zu groß und die Restaurants zu voll sind, werden keine neuen Karten verkauft.

In Österreich sind keine Kapazitätsbeschränkungen vorgesehen. Diese lösten das Gegenteil von dem aus, was man erreichen wolle: Durch die Beschränkungen kam es im Vorwinter zu langen Warteschlangen voller dicht stehender Menschen.

Skipasskauf online oder an der Kasse?

Der Online-Kartenkauf wird mancherorts abgeschaltet, damit die Leute an der Kasse Test oder Impfung vorweisen. Häufig kann man die Liftkarten aber nach wie vor online buchen und mit der Buchung zumindest die 2G-Nachweise online erbringen.

Die Zugspitze beispielsweise erlaubt momentan nur drei Tage vorab Onlinetickets. Und um zu stornieren, reicht aktuell ein Hinweis aufs schlechte Wetter. In Südtirol hat der Skiverbund Dolomiti Superski viel Geld und Aufwand in den Online-Verkauf gesteckt. Sprecher Diego Clara kündigt an: "Es können alle Skipasstypen online gekauft werden.” Alters- und Familienrabatt werden ebenfalls online geprüft. Damit werde es möglich, "ohne Menschenkontakt Skifahren zu gehen".

Wurde weniger investiert?

Vermutlich ja. Der Branchenverband Bergbahnen Graubünden geht davon aus, dass "die eine oder andere Modernisierung verschoben oder zurückgestellt" wurde. Ähnlich sieht es die Tirol Werbung. Die Bergbahnen Hochfügen etwa haben "alle geplanten Investitionen in Lift- und Schneeanlagen zurückgestellt".

Umgekehrt, so der Verband Deutscher Seilbahnen, haben Bahnen wie die Nebelhorn- und Söllereckbahn im Allgäu im Lockdown Umbauten vorgezogen. Der eigentliche Einbruch bei den Modernisierungen könnte erst die Saison danach kommen, falls die 2021/2022 nicht super läuft oder die Ausgleichszahlungen der Staaten an die Liftgesellschaften ausbleiben”.

Was wird aus dem Après-Ski?

Davon leben viele Täler, also soll das Feiern auch wieder möglich sein: "Für Geimpfte und Genesene wird es kaum noch Einschränkungen geben", sagt die zuständige österreichische Ministerin Elisabeth Köstinger. Ungeimpfte brauchen einen negativen PCR-Test. Orte können frühere Sperrstunden, etwa 18 Uhr, vorschreiben – und danach nur noch normale Restaurants öffnen.

Die Gemeinden werden viel selbst regeln. In Ischgl wird es ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen geben. Einen anderen Weg geht Zell am See: Dort ist jetzt "Après Chill" angesagt, ein gemütliches Beisammensein nach dem Skifahren auf Wollfell-Sitzplätzen mit ruhiger Musik.

Auch im Schwarzwald soll Après-Ski möglich sein, aber die Angebote waren auch in der Vergangenheit nicht mit den Alpen-Hotspots zu vergleichen. Momentan werden auch verstärkt Angebote im Freien vorbereitet.

Was ist mit Großevents?

Manche Events finden nicht mehr statt. Am Feldberg wird es keine Weltcups geben, in Ischgl nur noch einen "sanften" Saisonauftakt am 29. November. Und in St. Anton am Arlberg dürfen Besucher vom 3. bis 5. Dezember kostenlos neue Ski- und Board-Modelle auf der Piste testen, statt Party zu machen.

Wie haben sich die Skipasspreise in den Alpen entwickelt?

Die Tageskarte in Oberstdorf verteuert sich von 51 auf 52,50 Euro, in Garmisch von 50 auf 51 Euro, am Arlberg von 59 auf 61 Euro. Das bewegt sich im Rahmen der Vorjahre. Dolomiti Superski hat die übliche Preisanpassung von 2 bis 3 Prozent pro Winter vorgenommen.

Die Skiregion Schladming will "die Balance halten zwischen wirtschaftlichen Zwängen und den Erwartungen der Skigäste". Es wird die Option geprüft, "dass es zu bestimmten Saisonzeiten rund um Schladming flexible Tageskartenpreise geben wird". Floatende Skipasspreise gibt es in der Schweiz längst. "Dynamic Pricing" in Skigebieten wie Davos oder Laax bedeutet täglich wechselnde Preise, die Nachfrage und Wetter berücksichtigen.

Kitzliger ist die Sache bei Saisonkarten. Was passiert, wenn irgendwann 2G vorgeschrieben wird? Daher hat die Zugpsitzbahn schon mal vorgewarnt: "2G ist kein Rücktrittsgrund."

Wie sind die Stornobedingungen?

Wenn nun ein Skigebiet tatsächlich geschlossen werden muss? Graubünden kündigt für solche Fälle an, dass gekaufte Skipässe nicht rückvergütet werden, es nur eine Gutschrift gibt. In Südtirol gibt es von Dolomiti Superski Geld zurück – allerdings nur, wenn kein einziger Lift im Gültigkeitsbereich fahren darf.

Mit was planen die Hotels?

Unter der Aktion "Sorgenfrei buchen" bietet etwa Zell am See kostenfreie Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeiten bis 48 Stunden vor Anreise. Und wer auf der Seite www.schwarzwald-tourismus.info eine Unterkunft sucht, kann sich nur Angebote mit "kostenfreier Stornierung" zeigen lassen. Da die Gäste aber immer kurzfristiger buchen – oft nur ein bis zwei Tage im Voraus – stellt sich die Frage nach Stornofristen oft gar nicht. Durch die Unsicherheit warten viele jedoch ab. Momentan steigen die Preise bei kurzfristigen Buchungen. Wer aber jetzt den Februarurlaub fix bucht, wird ein besseres Angebot bekommen als erst im Januar 2022.

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