Donnerstag, 21.11.2019

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Frühjahrsskifahren: Gaudi mit Tücken

Auch wenn der Schnee schmilzt - wer es einmal gemacht hat, wird es lieben - 23.02.2019 07:41 Uhr

Gnadenlos lässt die Aprilsonne den Schnee auf den Ski zerfließen. © Matthias Niese


Hat er kein Frühjahrswachs auf die Laufflächen der Ski aufgetragen, haut es ihn ab elf Uhr früh an manchem der Sonne zugeneigten Hang fast aus den Schuhen. Die Bretter bremsen auf angetauten Oberflächen nämlich ohne das Spezialwachs plötzlich ab.

Nach dem Einkehrschwung zur Mittagszeit fährt er unterhalb von 1200 Metern eher Wasserski, als dass er Schwünge im Pulver macht. Was aber auch seinen Reiz hat: Die Schneehaufen sind dann schon etwas schwammig, aber nicht so widerborstig wie angefrorene Haufen. Elegant dreht man in sie ein, der weiße Matsch schwappt in Fontänen unter den Brettern weg. Und es gibt jetzt keine Eisplatten mehr, auf denen man wegrutschen kann. Wer jedoch überdreht, zwirbelt in die nasse Masse und steht mit feuchtem Hosenboden wieder auf.

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Frühlingsskifahren in St. Johann-Alpendorf - Ski amadé

Wer spät im Winter bis rund um Ostern auf die Piste will, hat mit einigen Widrigkeiten zu rechnen. Doch die Vorteile überwiegen - wer es einmal gemacht hat, wird es lieben.


Die Hose war eventuell eh schon nass vor Schweiß, denn bei acht Grad im Schatten am Berg Anfang April ( in der Sonne ist es hier oben deutlich wärmer) reißt man sich nach rasanter Abfahrt unten am Lift schon mal den Helm zur Kühlung vom Kopf.

Manche tragen keine Handschuhe mehr, denn: Wer im Frühjahr fährt, friert und bibbert nicht. Die Experten haben eh einen Rucksack dabei, in den sie ihre Skijacken stopfen, die sie frühmorgens anhatten. Sie fahren nun lieber im Fleecepulli. Beim Frühjahrsskifahren zeigt die Sonne, dass sie wieder die Herrschaft übernommen hat.

Fährt um acht die erste Gondel, zwitschern aus den Bäumen die Vögel. Die Sonne steht schon flach über den frisch präparierten Pisten, während sie im Winter erst viel später über die Bergspitzen klettert — falls sie sich überhaupt zeigt. War die Nacht im Frühling klar und kalt, sind die Pisten frisch angefroren. Oberhalb von 1200 Metern kann man dann am Sonntags- oder Hirschkogel auf gut 1800 Höhenmetern auch noch am Nachmittag prima fahren.

Auf der Hochalmhütte über Wagrain reicht der Hüttenwirt das Essen noch direkt aus dem Küchenfenster. © Matthias Niese


Die Sonnenterrassen der Skihütten belegen Glückselige, die auf Bierbänken oder in Liegestühlen mit gut eingecremtem Gesicht das Panorama genießen, das ihnen im Pongau zwischen Flachau, Wagrain und Sankt Johann zu Füßen liegt. Da mag man gar nicht mehr aufstehen, verspürt nicht den Drang, auch am Nachmittag Ski fahren zu müssen. Man bestellt sich lieber noch ein Radler und die Kinder schlecken ihr erstes Eis.

Am Wochenende nach Ostern schließen die meisten Hotels für sechs Wochen, erst Pfingsten machen sie wieder auf. Bis dahin wird repariert und geputzt, das Personal, das häufig aus Osteuropa kommt, darf dann endlich wieder nach Hause. Alle sind gut gelaunt, und spätestens nach Ostermontag ist kaum noch etwas los. Selten kann man ein Skigebiet entspannter erleben.

Beim Schneeschuhwandern bricht die Sonne durch den dunstigen Himmel. © Matthias Niese


Wenn um viertel Fünf am Nachmittag die letzte Gondel hinauffährt, strahlt noch immer die Sonne. Der Tag ist einfach länger, man hat das Gefühl, viel mehr Zeit für alles zu haben. Nur die Könner und die, die ihren Skiurlaub bis zum Letzten ausreizen, nehmen jetzt noch die sulzige Talabfahrt, während sich andere mit der Alpendorfer Gondelbahn hinunter ins Salzachtal bringen lassen.

Dort sitzen sie dann schon wieder auf der Sonnenterrasse im T-Shirt vor einem Bier bei 22 Grad und stoßen auf einen gelungenen Ski- und Frühlingstag an. Über ihnen kurven derweil auf der weißen Pistenzunge zwischen grünbraunen Bäumen die letzten Skifahrer mit schmatzenden Geräuschen Kurve um Kurve hinab.

Mehr Informationen:
Tourismusverband Sankt Johann-Alpendorf,
www.sanktjohann.com sowie
Ski amadé, www.skiamade.com,
die diese Reise unterstützt haben.

 

Matthias Niese Magazin am Wochenende / Gute REISE E-Mail

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