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Gambia: Flott in den Tropen

Kaum ein Badeziel unter Kokospalmen liegt näher - das Land ist im Aufbruch - 20.07.2019 08:00 Uhr

Wer einen alten Mercedes zu verkaufen hätte: in Gambia scheint ein Großteil davon zu landen. Fast alle Taxis sind Daimler. Den deutschen Tüv würden die meisten nicht mehr schaffen, aber das macht nichts. Das winzige afrikanische Gambia schlängelt sich wie ein Wurm am gleichnamigen Fluss entlang. Es gilt als das nächstgelegene tropische Urlaubsziel ab Deutschland. Der Diktator ist seit zwei Jahren weg, nun sollen endlich wieder mehr Touristen kommen. © Georg Escher


Viele Menschen in Gambia hatten nicht mehr recht daran glauben können, dass ihr Langzeitdiktator irgendwann verschwinden könnte. Präsident Yahya Jammeh war nicht nur ein brutaler Despot, der Kritiker einsperren, ins Exil treiben oder gar umbringen ließ, viele in dem winzigen westafrikanischen Land – dem kleinsten auf dem ganzen Kontinent – hielten ihn auch für verrückt.

So behauptete er, mithilfe einer selbst entwickelten Kräuterpaste und Bananen könne er Aids heilen. Asthmatiker wollte er sogar in fünf Minuten wieder gesund machen können. Doch nach zwei Jahrzehnten, in denen Jammeh sein Land ausplünderte und zugrunde richtete, musste der damals 51-Jährige Anfang 2017 doch endlich gehen. Nach seiner Wahlschlappe im Dezember davor hatte er sich noch störrisch geweigert, sein Amt aufzugeben und sich im Kairaba Beach Hotel verschanzt, das ihm selbstverständlich gehörte.

Jetzt aber soll es endlich aufwärtsgehen in dem Land, das sich wegen der Freundlichkeit seiner Menschen „die lächelnde Küste Afrikas“ nennt. Dafür aber müssen unbedingt mehr Urlauber kommen. Und das könnte gelingen, denn dieses winzige Land, das bis auf den Küstenstreifen vollständig vom Senegal umschlossen ist und sich wie ein Wurm am Gambia-Fluss entlangschlängelt, hat viel zu bieten.

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In Gambia sind die Tropen ganz nah

Gambia in Afrika kennen die wenigsten Deutschen. Das kleinste Land auf dem Kontinent ist vollständig vom Senegal umschlossen - bis auf den Küstenstreifen, der den westafrikanischen Staat auch für den Toruismus interessant macht. Seit Ostern bietet der Reiseveranstalter FTI auch Direktflüg in die Hauptstad Banjul an. Und Gambia hat viel anzubieten.


„Tourismus ist unser Gold“, verkündete der neue Präsident Adama Barrow. Und tatsächlich werden viele neue Unterkünfte gebaut, keine riesigen Bettenburgen, sondern kleinere Einheiten. Für jeden Geschmack und Geldbeutel findet sich ein Quartier. Zuletzt kam bereits ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts in Gambia aus dem Tourismus – „und wir wollen das ausbauen“, gibt Barrow die Richtung vor. Große Hoffnungen setzt Gambia nicht zuletzt auf die Deutschen.

Die Briten sind schon da, auch viele Niederländer. Doch für die Deutschen schien das kleine Gambia bisher eine Art blinder Fleck zu sein. Allerdings ändert sich das gerade, denn seit Ostern fliegt etwa der Reiseveranstalter FTI Touristik ab München, Düsseldorf, Frankfurt und Leipzig nonstop in die gambische Hauptstadt Banjul. Von München sind es so weniger als sieben Stunden bis an tropische Strände – ähnlich nah sind sie nur auf den Kapverden.

Natürlich kommen viele Pauschaltouristen, von denen etliche ihr Hotel nur für den Transfer verlassen. Sie verpassen, viel, etwa ein leckeres Essen für wenig Geld und in exotischer Atmosphäre in einem der vielen Restaurants der nur gut 30<ET>000 Einwohner zählenden Hauptstadt Banjul. Und auch sonst gibt es vor den Hotelmauern, wo zuallererst die prächtig-bunten Kleider der Frauen ins Auge fallen, viel zu sehen.

Affen und Warane in den Hotelparks

Entlang der 70 Kilometer langen Küste liegen zauberhafte, palmengesäumte Strände. Die meisten der Hotels haben direkten Zugang zum Meer, ohne aber die Landschaft so zu verschandeln. Es gibt sehr schlichte Unterkünfte genauso wie sehr gediegene Einrichtungen, auch wenn fünf Sterne in Gambia nicht gleichbedeutend sind mit derselben Kategorie in Deutschland – weswegen man auch nicht die allerbilligste Kategorie buchen sollte.

Mitunter tummeln sich in den Gartenanlagen der Hotels, wie etwa im Kairaba Beach Hotel, allerlei Tiere, darunter Pfaue, Affen oder Warane. Zugegeben, am Strand kann man gelegentlich sehen, wie westliche Frauen mittleren Alters sich von jungen einheimischen Männern bespaßen lassen. Die einheimische Tourismusbranche ist einigermaßen ratlos, wie sie damit umgehen soll. Doch das muss die Freude der übrigen Besucher nicht beeinträchtigen.

Der Strand vor dem Hotel ist feinkörnig, und vor allem ist er nicht so überlaufen. Die Liegestühle sind durch einen Wall aus Steinen vor dem Wellen geschützt. Baden macht hier durchaus Spaß. © Georg Escher


Eine der größten Attraktionen sind Kayak- oder Kanutouren durch die Mangrovenwälder entlang des Gambia River, am besten frühmorgens bei Sonnenaufgang oder am Abend bei Sonnenuntergang. Mehr als 500 teils prächtige Vogelarten sind hier heimisch, was viele Ornithologen aus aller Welt anzieht. Auf ganz andere Weise bewegend ist ein Besuch von Kunta Kinteh Island, einer winzigen Binneninsel im Mündungsdelta des Gambia River.

Die Insel, die bis 2011 James Island hieß, wurde wegen ihrer historischen Bedeutung ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen. Kunta Kinteh ist die Hauptfigur des 1976 erschienenen Buches „Roots“ von Alex Haley. Der junge Mann wurde 1767 von hier aus auf einem Sklavenschiff in die damalige britische Kolonie Maryland verschleppt – wie so viele. Haleys Buch und mehr noch die spätere Verfilmung machten auch die kleine Insel weltberühmt. Wer sie noch sehen will, sollte sich beeilen. Die Insel ist von Erosion bedroht und schrumpft bedenklich.

Kochkurs mit Kostümierungseinlage

Ein besonderes Vergnügen erwartet diejenigen, die sich auf einen traditionellen Kochkurs mit Ida Cham einlassen. Ida, eine Powerfrau, die mit ihrem Lächeln alle sofort für sich einnimmt, hat in der Tourismusbranche schon so ziemlich alles gemacht. Vor ein paar Jahren beschloss sie, ihr eigenes Ding zu starten: Ida‘s Home Cooking. Ihre Gäste nimmt sie zuerst mit auf den wuseligen Tanji-Markt direkt an der Küste, wo frischer Fisch und Gemüse eingekauft werden.

Zuhause werden die Besucher dann als erstes in wunderbar bunte Hemden und Kleider gewandet, die Idas Schwester, eine Modedesignerin, entworfen hat. Dann wird gemeinsam geschnippelt, Gewürze werden zerstoßen. Am Ende wird das Ergebnis der Mühe unter einem schattenspendenden Mangobaum gemeinsam gegessen.

Besucher des Krokodilbeckens von Kachikally dürfen die Tiere auch streicheln - selbstverständlich nur unter der strengen Aufsicht der Wärter. Allerdings, die Tiere sind gut gefüttert und wollen eigentlich nur ihre Ruhe. © privat


Vielleicht noch ein kleiner Nachschlag: Die typischen Reisemonate für Gambia sind November bis Mai. Allerdings versuchen die Tourismusmanager, auch für die Regenmonate von Juli bis September Besucher anzulocken. Sie nennen das auch nicht mehr Regensaison, sondern „Mango Season“, weil dann viele Früchte wachsen und das Land saftig grün ist. Anders als in vielen anderen Ländern in diesen Breitengraden fallen in der Regenzeit auch selten anhaltend Tropfen vom Himmel, und wenn, dann eher nachts. Dafür sind die Preise in der „Mango Season“ so günstig, dass sie skeptische Urlauber überzeugen könnten.

Mehr Informationen:
FTI Touristik
www.fti.de, die die Reise unterstützte.
Anreise:
Nur mit FTI gibt es Direktflüge nach Banjul z.B. von München oder Frankfurt mit Corendon Airlines, der Rest der Flüge mit Umstieg. Anreisedauer ca. 8 Stunden.
Günstig wohnen:
Sunprime Tamala Beach Hotel
www.tamalaresort.com
Luxuriös wohnen:
Kairaba Beach Hotel
www.kairabahotel.com
Beste Reisezeit:
November bis Mai 

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