Ruhige Alternative zum großer Bruder

Geheimtipp im Trentino: Darum ist der Ledrosee ganz anders als der Gardasee

19.8.2021, 10:56 Uhr
Blick vom Südufer hinüber ins beschauliche Valle die Ledro.

Blick vom Südufer hinüber ins beschauliche Valle die Ledro. © Matthias Niese

Wir haben das Auto oben kurz vorm Tunnelschlund geparkt. Die Röhre führt vom Ledrotal kerzengerade und steil hinunter nach Riva an den Teil des Gardasees, der auch noch zum Trentino gehört. Wir wollen aber über die alte Straße nach Riva absteigen, die neben dem Schlund beginnt und einst kühn in den Fels gehauen wurde.

Die alte Ponalestraße führt hinunter vom Ledrotal zum Gardasee und ist nur für Fußgänger und Radler freigegeben.

Die alte Ponalestraße führt hinunter vom Ledrotal zum Gardasee und ist nur für Fußgänger und Radler freigegeben. © Matthias Niese

An dieser Stelle ist richtig viel los: Ein E-Mountainbiker nach dem anderen und dazu noch ein paar wackere Radler ohne Akku am Rahmen kommen die alte Ponalestraße vom Lago die Garda hinaufgeschnauft – sie war lange der einzige Weg ins versteckte Tal und ist nun eine der Hauptattraktionen der Region.

Viele Freizeitradler machen hier wieder kehrt und rollen die Route, die nur noch für Fahrradfahrer und Wanderer freigegeben ist, wieder hinab zum liebsten mediterranen See der Deutschen. Wir hingegen haben uns ein paar Tage im Val Molini hinter Bezzecca am Ledrosee einquartiert.

Nur zwölf Kilometer vom Lago di Garda entfernt

Der liegt nur zwölf Kilometer westlich der Nordspitze des Gardasees und ist so ganz anders als sein großer Bruder. Wir waren auf der Suche nach einer ruhigen Alternative zum Lago di Garda, der normalerweise in den Pfingst- und Sommerferien von Touristen überrannt wird.

Nun geht es sechs Kilometer in Serpentinen bis Riva del Garda hinab, und unten erleben wir, dass selbst im zweiten Corona-Jahr 2021 gilt – kaum, dass wir wieder über Grenzen durften: Viele Autos aus Deutschland und Österreich schieben sich durch die Orte der Küstenstraßen, unzählige Mountainbiker rollen über die Trails oberhalb der Küste.

Und außer, dass man beim Betreten eines Lokals oder Geschäfts eine Maske tragen, sich mit Grünem Pass als Geimpft oder Genesen oder getestet ausweisen und offiziell Abstand halten muss, ist Urlaub hier fast wieder wie früher.

Wir genießen die Distanz zum Rummel

Wie genießen wir da die Ruhe, die Distanz zum Rummel und das kühlere Klima, das nur ein Stückchen weiter oben auf gut 700 Höhenmetern in den netten Dörfern im Valle die Ledro herrschen. Wir besuchen zwar nicht jeden Ort, aber wir sehen keinen Souvenirshop voller Kitsch, dafür ein paar nette Kiesstrände, einen Tretbootverleih, drei Campingplätze am See, ein paar von Familien geführte Hotels, Pensionen und Bungalowanlagen, ein paar nette Pizzerien und Restaurants, die kleine Brauerei Leder in Pieve.

Wir finden vor allem Erholung und authentisches Leben in der italienischen Provinz mit überschaubarem, sanftem Tourismus und viel Natur drumherum – immerhin liegt das Tal inmitten der Alpen. Typisch Trentino, das viele kaum kennen, weil sie gleich in Südtirol hängenbleiben oder aber bis zum Gardasee und weiter durchfahren.

Dabei kann man locker eine Woche oder mehr nur in diesem Tal Urlaub ohne Langeweile machen, wie unsere Ausflugstipps zeigen. Sie können sie inklusive Fotos ganz einfach mit unseren in der Outdoor-App Komoot aufgezeichneten Touren anschauen und per GPX-Dateien nachmachen.

So lernen Sie den Ledrosee kennen

Wir lernen den Ledrosee am besten kennen, indem wir im Hauptort Pieve das Auto abstellen und die Promenade am Südufer durch Wald und an Ferienhäusern vorbei über einen Strand in ein Tal vorstoßen. Ledro Land Art können wir dort bestaunen, Kunstwerke, die mitten im Wald zum Nachdenken und Schmunzeln anregen.

Mit dem Tretboot geht's einmal quer übers Wasser.

Mit dem Tretboot geht's einmal quer übers Wasser. © Matthias Niese

Pause machen wir danach im Bio-Bauernhof Bosc del Meneghi bei eigenem Bio-Sekt und leckerem Kuchen, bevor es über einen Waldsaumpfad zum Tretbootverleih geht. Zurück zum Auto strampeln wir quer übers Wasser – eine runde Sache mit maximaler Abwechslung. Hier geht's zur Tour.

Die spektakuläre Ponalestraße zum Gardasee wandern

Die Ponalestraße nach Riva steigen wir Serpentine um Serpentine hinab und genießen rechterhand einen fantastischen Blick auf den nördlichen Gardasee über Riva, Torbole und hinüber bis nach Malcesine und zum mächtigen, schneebedeckten Monte Baldo. Unten sausen Surfer und Segler übers dunkelblaue Wasser, und je weiter wir absteigen, umso mehr Pinien, Feigen- und Olivenbäume wachsen am Wegesrand, umso wärmer und mediterraner wird es.

Das beste Eis in Riva gibt´s in der Eisdiele Eta Beta.

Das beste Eis in Riva gibt´s in der Eisdiele Eta Beta. © Matthias Niese

In Riva schlendern wir durch enge Gassen und holen uns das beste Eis der Stadt bei Eta Beta. Bevor wir den Bus zurück ins Ledrotal nehmen – mit Gästecard ist er kostenlos – entspannen wir eine Stunde am schönen Kiesstrand. Hier geht's zur Tour.

Entspannte Bergtour am Cima Parí

Eine schöne Hütte am Cima Pari, in der man gut essen kann.

Eine schöne Hütte am Cima Pari, in der man gut essen kann. © Matthias Niese

Hoch hinaus geht es bei unserer entspannten Bergtour am nahen Cima Parí. Nach der Fahrt über ein schmales Serpeninensträßchen parken wir vor der Trat-Alm (Malga Trat) das Auto und laufen knapp neun Kilometer auf schmalen Pfaden vorbei an Stellungen aus dem 1. Weltkrieg (die hier allerorten zu finden sind) durch hochalpines Gelände – Panorama inklusive. Im Rifugio Pernici kann man prima einkehren. Hier geht's zur Tour.

Radtour durchs Ledrotal

In Pieve leihen wir uns E-Bikes, um so nah wie möglich an Land und Leuten das Valle di Ledro kennenzulernen und in die Seitentäler vorzustoßen. Gemütliche 32 Kilometer genügen, um erst durch Dörfer und über blühende Wiesen bis zum Ampolasee zu fahren und dann den Wasserfall Cascata Gorg d‘Abiss zu bestaunen.

Über Bezzecca, wo einst mit 2,60 Metern der größte Mensch der Welt zuhause war und im italienischen Einigungskrieg entscheidende Schlachten gegen die hier lange herrschenden Habsburger geschlagen wurden, geht es hinauf zum Talschluss und über einen Schluchtenpfad zurück nach Pieve. Hier geht's zur Tour.

Vom wilderen Molveno-See aufs Paganellaplateau mit Brenta-Blick

Wer nach Deutschland zurückfährt, sollte einen halben Tag Zwischenstopp am nur 60 Kilometer nördlich entfernten Molveno-See einlegen. Er ist noch etwas wilder, von noch höheren Bergen umgeben – die wild gezackte Brenta-Gruppe überragt 3150 Meter hoch den See und das Paganellaplateau, das im Winter auch ein Familienskigebiet mit 16 Kilometern Pisten ist.

Blick vom Paganella-Plateau oberhalb des Molveno-Sees auf die gewaltige Brenta-Gruppe.

Blick vom Paganella-Plateau oberhalb des Molveno-Sees auf die gewaltige Brenta-Gruppe. © Matthias Niese

Im Sommer fahren hier Mountainbiker mit der Bahn hinauf zur Bergstation und sausen die Trails hinab, Familien entdecken auf dem Sciury-Kinderweg die Welt der Eichhörnchen, essen am Pradel im Ristorante del Brenta super Pizza und blicken am Rifugio la Montanara hinauf zum 2340 Meter hohen Croz dell'Altissimo. Den Aussichtspunkt erreichen geübte Wanderer in rund drei Stunden. Hier geht's zur Tour.

Mehr Informationen:
Trentino Marketing, www.visittrentino.info/de, Tel.: 0039 / 0461 / 219300
Ledrotal Tourismus, www.vallediledro.com, Tel.: 0039 / 340 / 2598170
Molveno Holiday, www.molveno.it/de, Tel.: 0039 / 345 / 1354217
Anreise:
Ab Nürnberg 570 Kilometer bis Pieve in sechs Stunden via Brenner, ab 9 Stunden per Zug via Bozen bis Rovereto und weiter mit dem Bus.
Beste Reisezeit:
Mai bis Oktober, im Sommer nicht so heiß wie am Gardasee, da höher.

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