Zwischen angenervt und angefixt

Herbsturlaub im Miet-Wohnmobil: Vermeiden Sie diese Anfängerfehler!

Johannes Alles
Johannes Alles

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30.10.2021, 14:17 Uhr
Wohnmobil-Idylle bei Sonnenuntergang.

Wohnmobil-Idylle bei Sonnenuntergang.

Gandalf heißt ein mächtiger Zauberer im Epos "Herr der Ringe". Mein Gandalf hat 130 PS, Dusche und WC sowie Schlafplätze für vier müde Menschen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mir ein Wohnmobil geliehen – dass es auf den Namen Gandalf hört, ist nicht auf meinem Mist gewachsen.

Die Idee zum Urlaub auf vier Rädern kam uns – wie so vielen anderen – im Frühsommer, als nicht klar war, welche Art von Reisen die Corona-Pandemie in diesem Sommer zulassen würde. Im Wohnmobil bist du für dich und einigermaßen fern vom Virus, so der Gedanke.

Den richtigen Vermieter finden

Firmen, die Wohnmobile vermieten, gibt es etliche - und inzwischen noch einige mehr. Corona hat den Run auf die fahrenden Unterkünfte befeuert. Wir fanden Gandalf auf der Plattform Paul Camper, eine Art Airbnb für Wohnmobile. Wer etwa selbst eines hat, es aber nicht allzu oft nutzt, kann es hier anbieten. Dadurch steht das kostspielige Stück nicht so viel herum und fährt dem Eigentümer einen Zusatzverdienst ein. Auf dieses Geschäft haben sich inzwischen mehrere Unternehmen spezialisiert.

Die Suchfunktionen der Plattformen bieten alle Möglichkeiten: vom Fahrzeugtyp – Bulli oder Kastenwagen? –, über Standorte und Preisklassen bis zum Zeitraum. Wir landeten relativ schnell bei Gandalf. Dass er noch nicht mal ein Jahr alt ist, war uns sympathisch. Der Standort Heidelberg sagte uns zu, weil wir an Ferien in Südfrankreich dachten.

Also legten wir einen Account bei Paul Camper an und traten über die Chatfunktion mit Henry Brauer in Kontakt – Gandalfs Herrchen. Seine erste Frage: Habt ihr Erfahrung mit Wohnmobilen? Unser "Nein" schreckte ihn nicht ab. Die Mietzahlung wurde ebenfalls über die Seite abgewickelt. Später kam noch eine Kaution dazu, die wir per Paypal überwiesen.

Im letzten Moment doch in die Toskana

Als im Lauf des Sommers überall in Europa die Inzidenzen stiegen, blieben wir relativ entspannt. Der Reiz des Wohnmobils ist ja unter anderem der, dass man sich das Ziel noch auf den letzten Drücker aussuchen kann. Auch wir schwenkten im letzten Moment um. Südfrankreich war inzwischen Hochinzidenzgebiet, für die Bretagne war uns – nach einem durchwachsenen Sommer in Deutschland – die Wettervorhersage zu mau. Dann eben Sonne und Rotwein in der Toskana.

Wenige Tage vor Urlaubsbeginn erinnerte uns eine Mail daran, dass wir eine Übergabe-Uhrzeit mit dem Vermieter vereinbaren sollten. Als wir dann an einem Nachmittag im August bei Henry in Heidelberg aufschlugen, war Gandalf gerade von einer Tour nach Kroatien zurück, man sah es ihm nicht an.

Eine ausgiebige Einführung ist dringend nötig

Henry, 38, buntes Shirt, Turnschuhe, nahm sich eine gute Dreiviertelstunde, um uns mit seinem Wohnmobil vertraut zu machen. Wie funktioniert das mit dem Hub-Bett hinter den Fahrersitzen? Wie stellt man den Kühlschrank um von Batteriebetrieb auf Gas? Wie leert man die Kassettentoilette?

Man kommt ins Plaudern und erfährt: Eigentlich leitet Henry eine Schwimmschule. Das Vermieten von Wohnmobilen beschert ihm ein Zusatzeinkommen. Henry gehört zu den kommerziellen Anbietern, die Paul Camper auf der Plattform duldet. Vor einigen Jahren hatte er gute Erfahrungen damit gemacht, seinen eigenen Kastenwagen einzustellen. Mit Beginn der Corona-Pandemie ploppte dann die Idee auf, das Angebot auszubauen: Gandalf ist nun eines von drei Wohnmobilen, die Henry offeriert.

Schnappatmung im Bergdorf

Vor uns war Gandalf bereits viermal im Einsatz, Autobahn-Vignetten von Österreich, Slowenien und der Schweiz zeugen davon. Unsere Schweizer Vignette hätten wir uns also sparen können. Anfängerfehler. Wir hätten ja mal fragen können, wie Gandalf schon beklebt ist.

Daran, ein 7,40 Meter langes Gefährt zu steuern, gewöhnten wir uns schnell. Gelegentliche Schnappatmung bei Engstellen in italienischen Bergdörfern blieb trotzdem nicht aus. Henry war auf WhatsApp für uns erreichbar. Zum Beispiel als der Kühlschrank nicht gleich so kühlte, wie er sollte (braucht einfach etwas Zeit) oder als das Wasser in der Dusche nicht warm wurde, obwohl wir den Gashahn aufgedreht hatten (wir hätten noch die Temperatur einstellen müssen).

Nur aufs Wohnmobil-Klo, wenn's nicht anders geht

Apropos: Geduscht haben wir im Wohnmobil nur einmal, auch die Toilette nutzten wir nur in Notfällen, wir gingen lieber am Campingplatz aufs Klo. Der Grund ist banal: Man spart sich das Entleeren von Schmutzwassertank und Kassette.

Die Nächte verbrachten wir auf speziellen Stellplätzen für Wohnmobile (etwa an der etruskischen Riviera) oder auf Campingplätzen wie bei Volterra. Praktische Hilfe bei der Stellplatz-Suche leisten spezielle Reiseführer für Wohnmobilurlaub und Apps wie die von Promobil oder park4night.

Abschminken – zumindest in Urlaubsregionen wie der Toskana – sollte man sich die romantische Vorstellung, mit dem Wohnmobil direkt am Strand hinter der Düne zu campen. Das war vielleicht vor 40 Jahren möglich, inzwischen ist alles reglementiert.

Wer nicht bucht, bekommt viele Absagen

Öfter den Standort wechseln zu können, hat unseren Urlaub bereichert, es kann aber auch zu einem Stressfaktor werden. Wir hatten wegen der Kurzfristigkeit vorab nichts gebucht und holten uns dann vor Ort am Handy die eine oder andere Absage von Campingplätzen ein. August in der Toskana ist eben nicht Castrop-Rauxel im April.

Zurück in Deutschland nahm Henry Gandalf unter die Lupe. Alles okay, die Kaution fließt zurück an uns. Zuvor hatten wir das Wohnmobil noch vorschriftsmäßig geputzt. So stand es im Vertrag, aber den Urlaubsausklang stellt man sich definitiv anders vor als mit einem Wischmop in der Hand.

Hat sich das Abenteuer Wohnmobil gelohnt? Nicht in jedem einzelnen Moment, jedoch in den allermeisten. Ein Herz fürs Camping sollte natürlich jeder haben, der sich darauf einlässt.

Klar ist: Tagestouristen müssen ein Städtchen wie Volterra am Abend wieder verlassen, um zurück in ihre Hotels und Ferienwohnungen an der Küste zu strömen. Das Wohnmobil am Ortsrand macht es hingegen möglich, in Ruhe den Sonnenuntergang über den Hügeln der Toskana zu genießen, auf einem malerischen Platz Pasta zu essen, im Schein der Straßenlaternen durch eine urplötzlich verwaiste Stadt zu schlendern, um dann beseelt und voller Eindrücke ins gemachte Bett zu sinken. Und das, Gandalf, war einfach zauberhaft.

Diese Reise wurde unterstützt von Paul Camper, die ein Testfahrzeug zur Recherche gestellt haben.

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