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Im Schlitten nach Lappland

Der finnische Norden lockt mit viel Ruhe, uralten Traditionen und ungewöhnlichen Wintersportarten - 03.03.2011 13:53 Uhr

Eine Rentier-Schlittenfahrt ist hier die schönste Art zu reisen. © Detlef Dowidat


Wir haben zwar keine Fünf-Sterne-Hotels, dafür aber eine Sieben-Sterne-Landschaft.“ Hört sich an wie aus einem Hochglanzkatalog, der die Schönheiten des finnischen Nordens in Lappland anpreist. Die Menschen hier denken aber wirklich so über ihre Heimat. Wer neben Tanja steht und aus dem Fenster ihres Holzhauses in Pohjolan Pirttian blickt, sieht glitzernden Pulverschnee auf dem zugefrorenen See unterhalb des Hauses. Drei Rentiere laufen über das Eis in Richtung Wald, auf der Suche nach Baumflechte und -rinde, ihrer Lieblingsnahrung. Fichten, Kiefern und Birken stecken in einem surreal anmutenden Schneekleid. Schnee und Frost haben die kerzenähnlich gewachsenen Bäume in weiche Wattebäusche gehüllt.

Dieses Bild findet sich an den 188.000 Seen im Land am Polarkreis unzählige Male wieder. In Lappland liegt von Oktober bis Mitte Mai Schnee, rund 200 Tage im Jahr. Dazu herrscht viel Dunkelheit. Maximal fünf Stunden erhebt sich die Sonne im Winter über den Horizont und taucht das tief verschneite Lappland in ein unwirkliches Licht, das man im fränkischen Winter so nicht erlebt. Es ist ein Licht wie kurz vor Sonnenuntergang, nur hat man hier fünf Stunden Zeit, es zu bestaunen.

In klaren Nächten erhellen Polarlichter die Nacht. Wer will, kann das alles in völliger Einsamkeit genießen. Nur 16 Einwohner leben in Finnland auf einem Quadratkilometer, in Deutschland sind es 229.

In der Region rund um die Stadt Kuusamo stehen Gästen 6000 Ferienhäuser zur Auswahl. Eine Sauna, sei sie noch so klein, gehört zum Grundinventar jeder Hütte. Auch ein See ist fast immer in der Nähe. Marja und Tuomo bieten acht dieser Hütten auf der Halbinsel Ollilan, am fischreichen Välijärvi-See gelegen, an. Wer möchte, bekommt von Tuomo Einblicke in das Leben der Fischerfamilie. Besucher können sich beim Eisloch-Angeln probieren oder Netze aus dem See ziehen – nachdem die zehn Zentimeter dicke Eisschicht aufgebrochen wurde. Meistens gehen Tuomo Weißfische oder Barsche ins Netz, manchmal auch kleine Maränen — die lachsartigen Fische heißen wirklich so.

Viele Sami tragen noch die traditionelle Tracht. © Detlef Dowidat


Seine Frau Marjo bereitet aus dem Fang Aufläufe, Pasteten und Saucen, die ihresgleichen suchen. Sie verwendet für die Zubereitung nur Zutaten aus der Region: Gemüse zum Beispiel baut sie selbst an und konserviert es für den Winter. Pilze und Beeren, wie die säuerlich schmeckende Moltebeere, liefert der Wald. Urlauber, die dem Fisch lieber Fleisch vorziehen, werden mit Rentier und Elch in allen Variationen verwöhnt. Nur 40 Minuten von der Halbinsel entfernt liegt der Oulanka-Nationalpark. Dort können Winterurlauber in Schneeschuhen die Natur erkunden oder an einem der zugefrorenen Wasserfälle Eisklettern gehen.

Nicht weit entfernt von Marja und Tuomo wohnt auch Rentierhüter Ville. Mit lauten Rufen und Tütenrascheln lockt er seine Tiere an. Gemächlich traben sie auf die Waldlichtung zu. Ob wirklich alle Rentiere hierher gefunden haben, weiß nur Ville selbst. Denn einen Rentierhüter nach der Größe seiner Herde zu fragen, ist tabu. Schließlich fragt man in Deutschland ja auch nicht nach dem Kontostand.

Während Villes Rentiere recht scheue Artgenossen sind, werden andere Rentiere gezähmt und als Zugtiere vor Schlitten gespannt. In beinahe jedem Dorf in Lappland werden Rentierschlittenfahrten angeboten. Wenn Rentiere allerdings keine Lust auf Laufen haben, kann es mitunter mühsam sein, sie zu motivieren.

Flotter geht‘s dagegen mit Huskyschlitten vorwärts. Die Hunde wollen immer laufen – selbst, wenn sie eigentlich nicht mehr können. Jukka Nordmann bietet Besuchern auf seiner Farm in Rukatunturi halbstündige, aber auch fünftägige Touren an.

Im Isokenkäisten Klubi, der Hütte von Katja und Sirpa, können Urlauber den Tag in der Rauchsauna, beim Eislochbaden im See und den legendären russischen Abenden ausklingen lassen. Da kann es durchaus passieren, dass einem russische oder finnische Grenzbeamte am nächsten Morgen beim Frühstück Gesellschaft leisten. Auch sie erzählen gerne von der schönen Landschaft im Grenzgebiet.
 

Weitere Informationen:

Die lappländische Tourismusregion Kuusamo liegt am Polarkreis, etwa 800 Kilometer nördlich von Helsinki.

Anreise mit dem Flugzeug: Die reine Flugzeit nach Kuusamo beträgt etwa drei Stunden mit Zwischenstopp in Helsinki. Die finnische Hauptstadt wird von München, Stuttgart, Düsseldorf und Hamburg aus angeflogen.

Anreise mit dem Auto: Fähre von Travemünde und Rostock nach Helsinki.
Fahrtzeit
: 28 Stunden

Währung: Euro
Sprachen: Finnisch und Schwedisch. Viele Finnen sprechen gut Englisch, manche sogar Deutsch.
Zeitverschiebung: + 1 Stunde

Unterkünfte
: Kuusamo verfügt mit 6000 Ferienhäusern über die meisten in ganz Finnland. Jedes Haus verfügt über eine eigene Sauna, Seeblick inklusive. Kosten für die Übernachtung: Zwischen 20 und 40 Euro pro Person pro Nacht. Hotels und Appartements stehen als Übernachtungsmöglichkeit ebenso zur Verfügung.

Skigebiet Ruka: Für Anfänger oder Wiedereinsteiger ist das kleine Skigebiet mit seinen 29 Pisten und 17 Liften geradezu ideal, für geübte Skifahrer ist jedoch nur die Weltcup-Buckelpiste eine Herausforderung. Saison: Oktober bis Juni, täglich von 9.30 bis 21 Uhr geöffnet, ab 14 Uhr erhellen Flutlichter die Pisten. Langlauf-Fans kommen auf 500 Kilometer präparierter Piste auf ihre Kosten.

Weitere Infos:
www.fintouring.de, www.visitfinland.de

Aktivitäten in der Region: www.ruka.fi
Huskysafaris: www.erasusi.com
Übernachtung an der russischen Grenze: www.ikk.fi
Ferienhäuser auf der Halbinsel Ollilan: www.ollilanlomamajat.fi

Von Katrin Meistring

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