Donnerstag, 27.02.2020

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Irlands Galway ist die heimliche Partystadt

Europas Kulturmetropole 2020 feiert mit sich und Gästen aus aller Welt - 11.01.2020 07:38 Uhr

Der Strand im Stadtteil lädt auch bei bedecktem Himmel und kräftigem Wind, der übers Wasser peitscht, zu langen Spaziergängen ein. © Alexandra Stahl/dpa


"Also hier auf dem Feld werden wir ein großes Zirkuszelt aufstellen." Die künstlerische Leiterin des Blue Teapot Theatre führt Besucher von ihrem kleinen Theatergebäude in einer ehemaligen Markthalle zu einer freien Rasenfläche. Erstaunlich genug, dass es in Galways pulsierendem, angesagtem Westend noch solch einen Freiraum gibt. Ende Mai wird dort ein Theaterfestival stattfinden – und zwar eines für Kompanien mit lernbehinderten Künstlern aus ganz Europa. "Crossing the Line", so der Festival-Name, ist eine von 154 Kulturhauptstadt-Veranstaltungen.

Die Hafenstadt Galway liegt ganz nah am Atlantik, der sie häufig mit kräftigem Wind peitscht und dem Fluss Corrib ordentlich Tidenhub verpasst. Und den Bewohnern den freien Blick bietet, der für ihre offene, herzliche Art sorgt. Nordöstlich des Corrib liegen die wenigen Straßen der Altstadt, südwestlich davon das noch kleinere Westend. In beiden Vierteln reihen sich Pubs, Bars und Restaurants aneinander. Die Stadt mit ihren knapp 80 000 Einwohnern ist Irlands heimliche Partyhauptstadt.

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Zur Ruhe kommen auf den Aran-Inseln an Irlands Westküste

Die Aran-Inseln sind der stille Außenposten. An der Westküste in der Buch von Galway gelegen, kann man hier die Ruhe neu entdecken. Drei Tage Inselleben belohnen den Besucher mit viel Natur, Entspannung, traumhaften Fotomotiven und einer ganzen Ladung irischer Tradition.


Auf einer Insel am Rand der Altstadt ragt die riesige Kathedrale auf. In dem Gotteshaus finden im Kulturhauptstadtjahr viele Veranstaltungen von "Music for Galway" statt, dem großen Programmblock für klassische Musik, der den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens ebenso feiert wie die Werke des in Irland sehr beliebten Georg Friedrich Händel. Aber auch die Musik weniger bekannter europäischer Komponisten wird aufgeführt, denn es geht bei "Galway 2020" stets darum, Künstler aus vielen verschiedenen Ecken zusammenzubringen und auch die Mehrsprachigkeit zu feiern.

"Seit langem schon leben in Galway 24 Nationalitäten", berichtet Bridgette Brew, die für den Tourismus im Kulturhauptstadtjahr verantwortlich ist. Viele sind in den Boomjahren des sogenannten "Celtic Tiger" eingewandert, also Ende der 1990er Jahre, in einer Zeit des schnellen Wirtschaftswachstums. "Aber Galway war bereits im Mittelalter durch den bedeutenden Hafen ein Handelsknotenpunkt, und hier trafen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander." Heute ist es vor allem die große Universität, die für das Sprachengewirr in den Pubs und auf den Straßen sorgt – und für den geringen Altersdurchschnitt.

In der Region wird uraltes Gälisch gesprochen

Das County Galway ist auch Irlands größte Gaeltacht-Region – hier wird die uralte Sprache noch gesprochen und die gälische Kultur hat einen hohen Stellenwert. Das zeigt sich auch im Programm von "Galway 2020". So orientieren sich die Terminblöcke an den Jahreszeiten nach dem gälischen Kalender: Das Kulturhauptstadtjahr beginnt am 8. Februar mit "Imbolc", dem Frühling. Vor diesem Termin gibt es bereits eine Woche lang Veranstaltungen in den äußersten Ecken der großen Grafschaft, die sich von der bekannten Halbinsel Connemara bis nach Athlone am Shannon erstreckt und auch die windgepeitschten Aran-Inseln umfasst.

Auf dem kargen Boden dort und in Connemara leben sie zuhauf: die irischen Schafe. Und nicht nur dank der Wolle für die beliebten Aran-Pullover sind sie Teil der Kultur des Landes. Das wollen Programme rings um "All things sheep" — alles von Schafen – vermitteln "Wir haben ja fast vergessen, was man mit Schafen und Wolle alles machen kann", meint Chefplanerin Deborah Evers. So wird es nicht nur um die Pullover gehen, sondern auch um edle Teppiche, Textilkunst und auch um die kulinarische Seite.

Ohne Musik geht hier kaum ein Pub-Besuch zu Ende. © dpa


Während sie dies erzählt, steht Deborah im Bistrobereich des Feinkostgeschäfts "Sheridan’s" neben der St. Nicholas-Kirche, wo Wirt Gerry Flynn erstaunlich milden Schafskäse serviert. Am 31. Mai wird in und vor der Kirche all das zusammenkommen, was "All things sheep" ausmacht: "Wir haben ja in Irland die starke religiöse Tradition, also lag es nahe, auch den Gedanken vom Lamm Gottes einzubeziehen", so Deborah.

Wo mehr Lämmer als Menschen zuhause sind, auf Connemara, wird der deutsche Fotograf Tobias Hutzler die beeindruckende Landschaft mit Lichtinstallationen zur Geltung bringen; vermutlich entlang des tiefen Killary Fjords. Es ist eine der vielen Veranstaltungen unter freiem Himmel und ohne Eintritt.

"Galway 2020" will Kultur für alle bieten. Zwar gibt es große Namen wie die Schriftstellerin Margaret Atwood, die am 8. März liest, das ist jedoch eher die Ausnahme. Vielmehr wird es auch 2020 um das gehen, was den Westen Irlands ausmacht: sich treiben lassen, den Augenblick genießen, das Leben leben. Mit Schafen und Theaterstücken, mit Licht, Musik, Essen und Trinken.

Mehr Informationen:
www.galway2020.ie
Anreise:
Ab Nürnberg über München oder Frankfurt/Main Flug nach Dublin, ab dort "City-Link"-Bus, Fahrtzeit bis Galway gut zwei Stunden.
Günstig wohnen:
The Nest
www.thenestaccommodation.com
Luxuriös wohnen:
Glenlo Abbey Hotel
www.glenloabbeyhotel.ie
Beste Reisezeit:
Mai bis Oktober.

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Mit dem Hausboot über den Shannon in Irland

Die Hausbootroute zwischen Portumna und Athlone bietet eine wunderschöne Landschaft, interessante Sehenswürdigkeiten und sehr gute Einkehrmöglichkeiten.


Beate Baum

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