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Ist Osterurlaub möglich? Die Reisebranche ist sehr skeptisch

Touristiker nennen zur Messe ITB Gründe dafür, doch selbst Verbandschefs glauben nicht mehr daran - 10.03.2021 11:22 Uhr

Tulpen blühen bei Überlingen am Bodensee - mit etwas Glück könnte ein Osterurlaub möglich sein.

09.03.2021 © bodenseebilder.de via www.imago-images.de, NNZ


Denn ob wir Ostern schon reisen dürfen, hängt vor allem von den Inzidenzwerten in Regionen und Ländern ab, anhand ihrer entscheidet die Politik nach Stufenplänen pro oder contra. Jedes Land und jede Partei haben ihre Präferenzen, und jeden Tag kann sich die Lage wieder ändern - die Corona-Mutationen sind ein gefährlicher, unberechenbarer Faktor. Eine ständig aktualisierte Liste der Länder, in die Deutsche reisen können oder nicht, finden Sie auf der Seite des Fachportals fvw - sie zeigt, wie volatil die Lage weiterhin ist.

Seit November gilt noch immer ein touristisches Beherbergungsverbot, am 22. März wird auch darüber in einer Ministerpräsidentenkonferenz beraten. Reisen ins Ausland sind zwar nicht verboten, sollten aber unterlassen werden - es gelten zudem für Einreisende und Rückkehrer oft strenge Quarantäneregeln.

Bayrische Tourismus-Chefs sind skeptisch

Auf der ITB-Pressekonferenz der Bayern Tourismus Marketing (BayTM) zeigten sich die Chefs der einzelnen Regionalverbände auf unsere Frage sehr skeptisch, dass Ostern schon Reisen in Bayern möglich sind: "Das entscheidet der Ministerpräsident, aber Ostern geht´s noch nicht los", sagte etwa Michael Braun von Ostbayern Tourismus.

"Rechnet lieber mit Pfingsten. Die Betriebe brauchen ja eine Vorlaufzeit von drei, vier Wochen, wir wollen keinen Schnellschluss. Die vier bis fünf Wochen bis Pfingsten müssen wir wohl noch ausharren", fügte er an. BayTM-Chefin Barbara Radomski rechnet ebenfalls nicht mit Ostern, "und wenn die Betriebe schon aufmachen, dann sollten sie auch offen bleiben dürfen, sonst wird´s für sie richtig eng. Pfingsten werden wir wieder reisen dürfen", glaubt sie.

Der Chef des TVB Allgäu/Bayerisch Schwaben, Bernhard Joachim, mag sich "schon gerne vorstellen, dass wir Ostern öffnen dürfen." Es wäre halt nicht schön, wenn jenseits der Grenze in Baden-Württemberg wie im ersten Lockdown Betriebe vermieten dürften und in Bayern nicht. Die Runde war sich einig, dass es ein gutes Signal wäre, wenn wenigstens die Außenbereiche der Gastronomie zu Ostern öffnen dürften - als Zeichen, dass man die Gastronomen "nicht vergessen" habe. Wichtig sei, dass die Bundesländer einheitlich handelten.

TUI-Chef hofft auf Lockerungen

Gerade weil das Warten auf eine Entscheidung für viele so unerträglich ist, schlug TUI Deutschlandchef Marek Andryszak einen Tag vor Beginn der virtuellen Tourismusmesse ITB gehörig auf die Pauke. In einer eigenen Pressekonferenz stellte er noch im März Flüge nach Mallorca oder auf griechische Inseln in Aussicht, das hieße also noch zu Ostern.

Begründung: Der Inzidenzwert auf den Balearen liege um die 30, da müsse in den nächsten zwei bis drei Wochen die Reisewarnung fallen, eigentlich sogar früher. Denn "die Hotellerie hat sich intensiv vorbereitet, sicheren und verantwortungsvollen Urlaub anzubieten". Im April könnten dann die Kanaren folgen, je nach Inzidenz ab Mai Zypern und die Türkei, die gerade für Familien ein extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis böte. Überhaupt sei gerade ganz allgemein ein guter Zeitpunkt, zu buchen, denn noch sei die Nachfrage gering, die Preise noch niedrig, die Stornobedingungen kulant.

Die Politik muss sich bald entscheiden

Die Entscheidungen treffen aber nicht die Manager, sondern Bund und Länder nach Beratung durch Experten. Einer wagte sich schon vor: Am selben Tag wie der TUI-Chef sah Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) in einem Interview Chancen, dass Hotels in Schleswig-Holstein schon über Ostern wieder geöffnet haben - eine Entscheidung, die jedes Bundesland für sich treffen kann. "Wenn sich die Situation nicht dramatisch verändert, gehe ich davon aus, dass wir Hotels in Schleswig-Holstein über Ostern öffnen", sagte Günther. Voraussetzung sei allerdings ein aktueller negativer Test und die Nachverfolgung über Corona-Warn-Apps.

Mediterrane Frühlings-Sonne mit Abstand auf Mallorca - hier am karibisch anmutenden Traumstrand Es Trenc im Süden der Baleareninsel. Abschnittsweise ist hier auch FKK erlaubt.

09.03.2021 © Matthias Niese, NN


Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hingegen warnte vor einem Öffnungsrausch und stellte eine Entscheidung zwischen "Oster-Urlaub und Oster-Lockdown" in Aussicht. Die bezog sich zwar auf die Lage in Ostbayern, das an der Grenze zu den Hochrisikogebieten Tschechiens liegt, lässt sich aber auch auf mögliche bayernweite Lockerungen für Gastronomie und Hotellerie zu Ostern übertragen. Dieser dürfte er nur zustimmen, wenn es die Inzidenzwerte insgesamt zulassen.

Ob Reisen möglich sind, "entscheidet sich in den nächsten drei Wochen", sagte er am 19. Februar - die Zeit ist bald um, die Entscheidung müsste also demnächst fallen. Bei einem "vernünftigen Kurs und weiter sinkenden Infektionszahlen" sei ein Osterurlaub aber durchaus denkbar, sagte der Ministerpräsident zur Freude bayerischer Gastronomen und als Antwort auf seinen sächsischen Kollegen, der Osterurlaub damals kategorisch ausschloss.

Vielleicht dürften Reisen zumindest innerhalb Deutschlands möglich sein. Denn in der EU gibt es viele entscheidende Stimmen, die das Reisen angesichts der Mutationen eher stärker regulieren wollen.

ITB-Experten halten Tests für Schlüssel zum Osterurlaub

Wir stellten auch bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der ITB Berlin den virtuell anwesenden Experten die Frage, ob wir nun zu Ostern reisen können und wen ja, warum und wohin. Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands DRV und oberster Lobbyist von Reisebüros und Reiseveranstaltern, kam bei seiner Antwort in Rage: "Ich habe für Ostern ein Ferienhaus auf Sylt gebucht, denn zu Ostern wird das Reisen national und international möglich sein, wenn wir nur aktiv genug werden", verriet er und mahnte an, Quarantänepflicht endlich durch eine ausgeklügelte Teststrategie und mehr Impfungen zu ersetzen.

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Urlaub vor 25 Jahren: So sind wir damals verreist

Wir halten inne und können nicht reisen, auch hier steht ein großer Umbruch an. Dabei müssen wir nur 25 Jahre zurückblicken, um zu erkennen, wie radikal sich das Reisen alleine in den letzten 25 Jahren verändert hat. Jüngere können sich das kaum noch vorstellen.


Und weiter: "Wenn die Balearen einen Inzidenzwert von 32 haben und Deutschland von 60, wo ist dann das Risiko, nach Mallorca zu fliegen? Ich glaube, es gibt viele sichere Ziele, wo wir sicher hinreisen können, mit Tests ist das sicherer als eine Fahrt in der S-Bahn in Berlin", zog er einen Vergleich. Zumal gerade die Pauschalreise wegen ihrer schon im Interesse der Veranstalter durchdachten und überwachten Hygienemaßnahmen als die sicherste Reiseform gilt.


Experte rät: Sie können für Ostern und Sommer getrost eine Pauschalreise buchen


Auch, was die Möglichkeit eines Rücktritts anbelangt, kann man selbst für Ostern und auch für den Sommer ohne Risiko eine Pauschalreise buchen. Die Reiseveranstalter überbieten sich geradezu mit Flexibilitätstarifen und großzügigen Stornobedingungen, um in diesen für den Sommerurlaub so wichtigen Buchungsmonaten des Frühjahrs so viele Hotelbetten und Flugsitze wie derzeit möglich zu verkaufen.

Wird es dann doch nichts mit der Reise, bekommen die Kunden meist gegen einen geringen bis keinen Aufpreis ihr Geld zurück oder können kostenlos umbuchen. Wird eine Destination offiziell vom RKI zum Risikogebiet erklärt und/oder vom Auswärtigen Amt eine Reisewarnung ausgesprochen, bekommt man so oder so die Kosten erstattet.

EU-Impfpass spielt erst ab Herbst eine Rolle

Die Branche setzt jedenfalls schon für Ostern auf Corona-Tests: "Im nächsten halben Jahr werden Corona-Tests fürs Reisen wichtiger sein als das Impfen, ab 2022 sind Tests dann von geringerer Bedeutung", sagt TUI-Deutschlandchef Andryszak voraus. Welchen Einfluss die Schnelltests für den Urlaub in Deutschland haben könnten, wird sich wohl ebenfalls erst beim nächsten Corona-Gipfel am 22. März herausstellen. Manche Länder akzeptieren schon ein negatives Antigen-Testergebnis für die Einreise, etwa Italien und Schweden.


Osterurlaub ade? Bühnenreife Selbstaufgabe der Reisebranche


Da nur ein Bruchteil der Deutschen und Europäer bislang geimpft ist und es nicht klar ist, wie lange eine Immunisierung anhält, wird Geimpften ein Einreisevorteil auf keinen Fall schon an Ostern gewährt. Auch für den Sommer ist dieser Vorteil eher unwahrscheinlich, Experten rechnen frühestens für den Herbst damit.

Tagesausflüge bleiben möglich

Wenn es schon keine längeren Ferien werden, dürften viele Deutsche wenigstens einen Tagestrip machen, das ist trotz des Appells der Bundesregierung, auf alle touristischen Ausflüge zu verzichten, nicht verboten. In Landkreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 200 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner sind Tagesausflüge aber zum Teil doch untersagt. Einige Landkreise in Bayern sowie in Thüringen überschreiten diesen Wert. Auch hier starrt die Politik auf die Lage der Pandemie bis kurz vor Ostern.

Wohnmobil-Trips sind rechtliche Grauzone

Eine Reiseform wird vermutlich so oder so möglich bleiben: Der Trip mit Wohnmobil, Campingbus oder Caravan und somit die Übernachtung im eigenen Fahrzeug, das streng genommen als Wohnung gilt. Da zur Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit in Deutschland nach wie vor eine Nacht darin auch etwa auf Park- oder Wanderparkplätzen bis maximal zehn Stunden möglich ist (außer, es ist dort ausdrücklich per Schild verboten), können Besitzer von Campern trotz geschlossener Camping- und Wohnmobilstellplätze einen Trip planen.

Denn es konkurrieren dazu die Rechtsauffassungen - selbst das bayerische Innenministerium hat unterschiedliche Einschätzungen dazu abgebeben, ob nun eine Nacht im Wohnmobil erlaubt ist oder nicht.

Viele dürfte es auch in die Berge ziehen, sobald sie dürfen.

09.03.2021 © Daniel Ingold via www.imago-images.de, NNZ


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