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Jetzt darf man wieder im Wohnwagen übernachten - trotz Corona

Längere Ausflüge sind wieder möglich, aber nicht überall - 23.02.2021 10:16 Uhr

Viele träumen davon, endlich im Frühling ihr Wohnmobil auszumotten und kleine Ausflüge zu machen - hier auf einem offiziellen Wohnmobilstellplatz.

18.02.2021 © imago images/Kickner


Campingplätze und Wohnmobil-Stellplätze sind zwar derzeit wie Hotels und Gasthäuser offiziell geschlossen. §12 der Straßenverkehrsordnung (StVO) gilt aber nach wie vor, er besagt: Das Parken und Übernachten im Wohnmobil oder Caravangespann ist in Deutschland dort erlaubt, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Das gilt auch über Nacht zur Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit, in der Regel also maximal zehn Stunden - auch auf Wanderparkplätzen.

Diese Regelung wurde im Herbst 2020 auf unsere Anfrage ausdrücklich vom Bayerischen Innenministerium bestätigt und war die letzte Option, trotz Lockdown und Reisebeschränkungen zumindest kleine Winterausflüge über Nacht zu machen. Man sollte dabei keine Stühle vors Wohnmobil stellen oder die Markise ausrollen, denn dann erregt man Aufsehen und betreibt offiziell Camping. Dann folgte ein ewiges Hin- und Her.

Mit der Ausgangssperre kam das Übernachtungs-Verbot

Bund und Länder appellieren seit Beginn des deutschlandweiten Lockdown im November, auch innerdeutsche touristische Reisen zu unterlassen. Bis zum Inkrafttreten der Zehnten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung am 9. Dezember galt: Verboten war ein Ausflug über Nacht mit dem Wohnmobil nur, wenn man in einem Hotspot-Landkreis übernachtete. Wo keine nächtliche Ausgangssperre galt, war die Übernachtung prinzipiell möglich.

Dann folgten in Bayern und andernorts flächendeckende nächtliche Ausgangssperren und sogar 15-Kilometer-Radien um die Gemeindegrenzen für Tagesausflüge.

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Polen weckt noch immer unschöne Assoziationen, die wir bitte alle über Bord werfen: Arm, schmutzig, unfreundliche Menschen, gefährlich, rückständig. Das Land hat in den letzten Jahren einen riesigen Sprung nach vorne gemacht und ist eine tolle Alternative zum Urlaub im Süden. Wir haben das Land mit dem Wohmobil erkundet, eine Rundreise, die auch mit dem Zelt oder in günstigen Quartieren ganz einfach mögich ist.


Auf unsere erneute Anfrage beim Bayerischen Innenministerium im Dezember begründete ein Sprecher das Nein mit der nächtlichen Ausgangssperre. Wortwörtlich hieß es: "Ein Aufenthalt in einem Wohnmobil mit Übernachtung in selbigem ist nicht gleichzusetzen mit einem Aufenthalt in einer Wohnung und somit nicht erlaubt." Reine Spazierfahrten würden keinen triftigen Grund darstellen, die das Verlassen der Wohnung rechtfertigen. Man hatte das Gefühl: Diese Regelung wurde erst nach bzw. überhaupt erst wegen unserer Anfrage so erlassen.

BGH-Urteil besagt: Campingfahrzeuge sind Wohnung

Ein Rechtsstreit müsste wohl klären, ob dies juristisch wasserdicht ist oder nicht. Denn ein BGH-Urteil (Bundesgerichtshof) vom 11. Oktober 2016 besagt, dass Campingfahrzeuge zumindest strafrechtlich als Wohnung gelten: "Wohnmobile und Wohnwagen sind somit jedenfalls dann, wenn sie Menschen zumindest vorübergehend zur Unterkunft dienen, Wohnung im Sinne des § 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB." Und weiter: "Für die vorübergehende Nutzung als Wohnung genügt die Übernachtung auf einem Autobahnparkplatz. (…) Nicht erforderlich ist, dass die bewegliche Unterkunft dauerhaft genutzt wird."

Draußen wird es nachts noch eisig kalt, im Wohnmobil ist es gemütlich warm. So kann man Abstand von anderen halten und trotzdem kleine Trips in die Natur unternehmen.

25.01.2021 © Matthias Niese


Die Wohnungseigenschaft verliert ein Wohnmobil also nicht aufgrund des Umstandes lediglich zeitweiliger Nutzung. "Dementsprechend bewertet der Bundesgerichtshof ein Wohnmobil sogar dann als zur Wohnung von Menschen dienende Räumlichkeit i.S.v. § 306a Abs. 1 Nr. 1 StGB, wenn dieses zur Tatzeit nicht konkret zum Wohnen genutzt wird", heißt es etwa auch auf juracademy.de. Sich unbefugt Zugang etwa in ein bewohntes Wohnmobil zu verschaffen ist demnach wohl wie Hausfriedensbruch zu bewerten - ein weiteres Kriterium, das Zweifel an der Begründung zulässt. Eventuell ermöglichte der Pandemienotfall ja, diese Regeln vorübergehend auszusetzen.

Die Coronaschutz-Maßnahmen waren und sind sicher sinnvoll, sie zeigen die erhoffte Wirkung: Die Ansteckungszahlen fielen und mit ihnen innerdeutsche und innerbayrische Beschränkungen der Bewegungsfreiheit. Und obwohl die Virusmutationen die Inzidenzwerte nun stagnieren oder teils sogar wieder steigen lassen, gilt nach wie vor: Wer innerhalb Deutschlands an seinen Heimatort zurückkehrt, muss keine Quarantänepflicht befürchten.

Darf man also wieder im eigenen Fahrzeug übernachten, wenn man etwa im kleinsten Kreis autark unter sich bleibt und tagsüber höchstens Spaziergänge, Wanderungen oder (ausdrücklich erlaubten) Sport an der frischen Luft mit viel Abstand zu anderen Menschen betreibt?

Hier gilt die nächtliche Ausgangssperre weiterhin

Seit Montag (15. Februar) gilt die nächtliche Ausgangssperre nur noch in Landkreisen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz höher als 100 liegt. In diesen "Corona-Hotspots" beginnt die Sperrstunde um 22 Uhr und endet 5 Uhr. Liegt die Inzidenz sieben Tage unter dem kritischen Grenzwert, gibt es keine Ausgangssperre mehr.

In Landkreisen ohne Ausgangssperre im Wohnmobil zu übernachten dürfte also möglich sein, da der Hauptgrund für ein Verbot einer Nacht im Campingfahrzeug weggefallen ist. So kann man unter strenger Einhaltung der Corona-Sicherheitsregeln wieder kleinere Ausflüge unternehmen. Sie sollten sich dabei aber so rücksichtsvoll verhalten, dass Anwohner keinen Grund haben, sich über die Wohnmobilisten und ihre Hinterlassenschaften zu beschweren.


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Beachten Sie auch: Die Kreisverwaltungsbehörden von Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200 Fällen pro 100000 Einwohnern können weiterhin anordnen, dass touristische Tagesreisen in den Landkreis oder die kreisfreie Stadt untersagt sind.

Mit dem Familienwohnmobil auf einem Stellplatz in den Bergen übernachten: Das ist wieder möglich.

25.01.2021 © Matthias Niese


Das bayerische Staatsministerium des Inneren, für Sport und Integration veröffentlicht eine Liste, in dem alle Städte und Landkreise aufgeführt werden, in denen eine Ausgangssperre oder ein Verbot touristischer Tagesreisen besteht. Was in anderen deutschen Bundesländern gilt, erfragen Sie bitte bei den örtlichen Behörden oder auf den Internetseiten der jeweiligen Ministerien. Auslandsreisen dürften im Lauf des Jahres peu à peu wieder möglich werden.


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Der Artikel wurde mehrfach aktualisiert.

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