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Johann Sebastian Bach: Der Lümmel von Arnstadt

In dem hübschen Thüringer Ort verbrachte der Organist seine Jugend. - 06.07.2019 07:26 Uhr

Auf dem Marktplatz steht das Denkmal, das den berühmten Organisten zu Beginn seiner Karriere zeigt. © Astrid Diepes


Bereits als 18-Jähriger überzeugte Bach am 13. Juli 1703 in Arnstadt mit seinem Orgelvorspiel. Man bot ihm daraufhin seine erste Organistenstelle mit ungewöhnlich hohem Gehalt an. Dabei blieb ihm viel Freizeit, in der er anfing, zu komponieren.

Arnstadt mit seinen 27 000 Einwohnern, mit Kopfsteinpflaster und Fachwerkhäusern ist ein unbekanntes Juwel. Zusammen mit dem Naumburger Dom ist die Liebfrauenkirche der wichtigste Kirchenbau Mitteldeutschlands aus der romanisch gotischen Übergangszeit. Viele Mitglieder der Familie Bach waren Musiker in Arnstadt und protegierten sich gegenseitig. Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist die Johann-Sebastian-Bach-Kirche, zu der man vom Marktplatz aus weniger als 100 Schritte geht. Als der junge Bach dort seine erste Stelle antrat, hieß das Gotteshaus noch "Neue Kirche". 1935 wurde sie zum 250. Geburtstag des Komponisten umbenannt.

Von innen mutet sie auf heutige Besucher mit ihrer weißen Holzverkleidung skandinavisch an. Doch was vor allem auffällt, ist die riesige goldene Orgel, auf der der junge Johann Sebastian jahrelang übte.

Der Platz war voller Hunde und Hühner

Zurück zum Marktplatz. Die Glocke im Türmchen des roten Rathauses läutet den Nachmittag ein. Besucher fühlen sich ins Mittelalter zurückversetzt, wenn sie von Hotelchefin Judith Rüber durch die Stadt geführt werden: "Zu der Zeit war hier ein Heidenlärm", erzählt Rüber. "Der Marktplatz war voller Hunde und Ziegen und Hühner, die vor sich hin gebellt, gemeckert und gegackert haben. Dazu kamen das Hufgetrappel der vielen Pferde und laute Musik. Es herrschte eine Atmosphäre wie heute in Marrakesch oder Palermo."

Rüber berichtet lebendig über Bachs Jahre in Arnstadt. Johann Sebastian sah die musikalische Arbeit mit seinen Chorschülern als unliebsame Pflicht an. Dadurch entwickelte sich ein Konflikt, für den er sich zu verantworten hatte. Er beantragte vier Wochen Urlaub, um nach Lübeck zu reisen und blieb ganze vier Monate fort.

Außerdem wurde ihm vorgeworfen, die Gottesdienstbesucher mit seiner unkonventionellen Musik zu verwirren. Und er führte eine unbekannte Jungfer auf die Empore der Kirche, in der er spielte – damals ein Skandal.

Johann Sebastian verliebte sich in Arnstadt in seine erste Ehefrau Maria Barbara. Am 17. Oktober 1707 heirateten sie ganz in der Nähe in Dornheim in der kleinen Traukirche Sankt Bartholomäus. Die ganze Hochzeitsgesellschaft wanderte damals zu Fuß von Arnstadt nach Dornheim, wo im Kirchhof ein Gedenkstein an das berühmte Hochzeitspaar erinnert.

Mehr Informationen:
Thüringen Tourismus
www.thueringen-entdecken.de,
die die Reise unterstützten.
Anreise:
Auto ab Nürnberg 210 Kilometer, Zug knapp zwei Stunden.
Günstig wohnen:
Pension Rudisleben
www.pension-rudisleben.de
Luxuriös wohnen:
Stadthaus Arnstadt
www.stadthaus-arnstadt.de/Hotel 

Astrid Diepes

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