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Kärntens Hohe Tauern: Mit allen Wassern gewaschen

Im Nationalpark sprudelt und plätschert es überall - 13.10.2018 08:00 Uhr

Der Badeteich des Landguts Moserhof an der Möll in Kärnten. Hier kann man sich wunderbar entspannen. © Matthias Niese


Zwischen dem Millstätter See und dem Gletscher des Großglockner, mit 3800 Metern der höchste Berg Österreichs, ist die Natur ungezähmt und streng geschützt. Hier reckt sich der Nationalpark Hohe Tauern Kärnten weit in die Höhe, an Orten wie den folgenden sprudelt und gluckert das Wasser, es ist das bestimmende Element der Bergwelt rund um die Flüsse Drau und Möll.

Wer in der Raggaschlucht bei Flattach nach oben blickt, sieht den Himmel vor lauter Fels nicht mehr. Zu beiden Seiten neigt sich der silbern schimmernde Sandstein über die Klamm, weit unten tost ein wilder Gebirgsbach so laut im Zickzack um die Kurven, dass man sich anschreien muss, um sich zu verstehen. Seit Tausenden von Jahren wäscht sich der Bach immer tiefer in den Fels. Selbst höhenerprobte, trittsichere Bergfexe halten hier den Atem an.

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Es sprudelt und plätschert in Kärnten

Zwischen dem Millstätter See und dem Gletscher des Großglockner ist die Natur ungezähmt und streng geschützt. Hier reckt sich der Nationalpark Hohe Tauern Kärnten weit in die Höhe, allerorten sprudelt und gluckert das Wasser. Es ist das bestimmende Element der Bergwelt rund um die Flüsse Drau und Möll. Hier zeigen wir einige der schönsten und nassesten Orte.


Einen knappen Kilometer steigen sie über in die Wand getriebene Stege hinauf und müssen sich immer wieder weit zur Seite neigen, um am Fels vorbeizukommen. An landschaftlicher Dramatik ist dieses geschützte Naturwunder kaum zu überbieten. Nach gut 200 Höhenmetern folgt das grandiose Finale, wenn sich der Bach über eine weiß schimmernde Kaskade tief in ein Becken ergießt.

Anlauf, ein Hechtsprung und "platsch". Das Wasser gurgelt um die Ohren, auftauchen, ein paar Züge machen und über die Leiter hinauf auf den gegenüberliegenden Steg. Dann wieder mit Anlauf hinein in den warmen Badeteich am Landgut Moserhof bei Reißeck. Ewig könnten wir so weitertoben. Wer mag, läuft nur ein paar Meter den Wiesenhang hinunter und setzt sich an einem Seitenarm in den frischen Strom der Möll, die über den Grund dieses typischen Kärntner Bauernhofs rauscht.

Hier ist das Wasser erholsames Beiwerk, denn weil Stall und Scheune den Gästen immer offenstehen, erleben Stadtkinder echtes Bauernhofleben. Und sind oft stundenlang weit und breit nicht zu sehen, weil sie die Kätzchen, Häschen, Ziegen, Hühner oder Pferde besuchen. Wenn um fünf Uhr Bauer Heinz zur Kleintierfütterung ruft, hängen die Kleinen wie Trauben an ihm und holen die Wachteleier aus den Nestern. Schmeißt er dann den Radlader an, um noch frisches Heu mit der Sense zu schneiden und von der Wiese zu holen, dürfen sie vorne in der Schaufel mitfahren, um mit aufzuladen.

Links geht’s steil den Hang hinauf, rechts gluckst das türkisfarbene Wasser des Weißensees zwischen Schilfhalmen. Draußen auf dem See sitzen Angler in Ruderbooten und hoffen auf die eine oder andere Forelle, die gelegentlich dicht unter der Wasseroberfläche auftaucht. Ab Neusach führt ein hübscher Wanderweg aus dem Ort hinaus gen Osten an den Privatstränden kleiner Familienhotels und an gemähten Wiesen vorbei. Dann geht er in den Wald hinein und wird zum steilen Kletterpfad über die Klippen dieses auf 930 Metern höchsten Badesees der Alpen. Der liegt mitten in den Gailtalter Alpen und ist elf Kilometer lang, bis zu einen Kilometer breit und exakt 99 Meter tief.

Obwohl immerhin der viertgrößte Kärntner See, ist er relativ unbekannt und weit entfernt vom Rummel, der an seinen Schwestergewässern herrscht. Der Weißensee wurde 2007 zum Naturpark erklärt, zwei Drittel seines Ufers sind und bleiben unbebaut, Motorboote sind verboten. Nur die weißen Ausflugsdampfer der Weißenseeschifffahrt dürfen wie Taxis mehrere Haltestellen rund um den See im Wechsel ansteuern. Wer nicht weiterwandern möchte, nimmt sich einfach eines der Boote und fährt gemächlich zurück.

Bartgeier Felix dreht seine Runden überm Seebachtal. © Matthias Niese


"Jetzt ist er genau über Euch", ruft Nationalpark-Ranger Walter Pucher. So einen großen Vogel haben die Wanderer noch nie gesehen, 2,50 Meter Flügelspannweite hat Felix, als er von einer Steilwand herabgleitet und nun über ihnen eine Runde dreht. Der Bartgeier wurde im Frühjahr 2018 im Seebachtal ausgewildert und lebt seitdem äußerst bequem: Jeden Tag legen ihm die Ranger Futter auf einen Felsvorsprung, damit diesem größten Vogel Mitteleuropas die Eingewöhnung leicht fällt. Ein Peilsender verriet, dass er kürzlich mal in der Schweiz war, doch im Seebachtal hat es ihm offensichtlich so gefallen, dass er nach wenigen Tagen wiederkam.

Dieses Hochalpental über Mallnitz wird in den Hohen Tauern gern mit dem Yosemite-Nationalpark in Kalifornien verglichen. Vom dunkelgrünen Stappitzer See führt immer am Seebach entlang ein naturkundlich interessanter, acht Kilometer langer Rundweg durch das wildromantische Tal bis zu den drei Trombachfällen. Auf 1338 Metern kommt die Jausenstation Schwussnerhütte gerade recht. Mit Kaiserschmarrn oder Kaspressknödelsuppe gestärkt ist man nun bereit fürs Eisloch. Aus dem weht tief aus dem Inneren des Berges ein eiskalter Lufthauch.

Heiligenblut, diese alpine Klischeekulisse mit spitzem Kirchturm und dem weißen Großglockner im Hintergrund, ist auf unzähligen Österreich-Reiseführern auf dem Umschlag abgebildet. Gleich hinter dem Örtchen, am Reschitzparkplatz, beginnt der Naturlehrpfad Natura Mystica, an dessen Ende wieder eine atemberaubende Überraschung wartet. Auf dem gut sechs Kilometer langen, leicht zu gehenden Rundweg verraten an mehreren Stationen geheimnisvolle Hollaleitisch-Wesen spielerisch die Geheimnisse ihrer wilden Natur voller glattgeschliffener Felsen, Grauerlenwälder voller Findlingen und Moore, einer Feuerinsel und einer alten Radmühle.

Der Gößnitzwasserfall bildet das große Finale des Lehrpfads Natura Mystica. © Matthias Niese


Dann geht es steil hinauf, dass der Schweiß nur so läuft. Unvermittelt öffnet sich auf einer Aussichtskanzel der Blick auf den Gößnitzwasserfall, der hier Gischt spritzend 70 Meter in die Tiefe fällt. Wer noch nicht genug vom Wasser hat, wäscht auf dem Weg zur Großglockner-Hochalpenstraße im Goldgräberdorf noch Gold und kehrt anschließend auf der benachbarten Fleißalm ein.

Die Großglockner Hochalpenstraße, die gleich hinter Heiligenblut beginnt, lohnt sich auch als Tagesausflug. Früher, vor der Felbertauernstraße und den Autobahnen über Brenner und Tauern, war sie eine der Hauptverbindungen, über die unsere Eltern und Großeltern mit Käfer oder Roller gen Süden fuhren. Heute ist sie vor allem ein touristisches Erlebnis mit vielen Facetten.

Ein Abstecher führt etwa zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2369 Höhenmetern. Hier hat der Massentourismus Einzug ins Hochgebirge gehalten — mit riesigen Parkplätzen und Parkhäusern, mit einem Besucherzentrum oder der Swarowski-Beobachtungswarte, wo Ranger ein paar Fernrohre auf Steinböcke in den Bergen ausgerichtet haben.

Trotz des Rummels, den Clevere ab 17 Uhr umgehen können, lohnt sich ein Besuch schon wegen der seltenen Gelegenheit, mit dem Auto fast bis vor einen Gletscher fahren zu können. Rechterhand liegt der imposante, aber jedes Jahr schrumpfende Gletscherdes Großglockners, darunter der Gletschersee, in dem kleine Eisberge treiben. Linkerhand öffnet sich das Hochalpental, in dem sich Tierfreunde über zutrauliche Murmeltiere freuen. Früher konnte man noch zu ihnen hinabsteigen und sie sogar füttern, heute sieht man die meisten nur beim Blick über ein Geländer.

Mehr Informationen:
Hohe Tauern Nationalpark in Kärnten,
www.nationalpark-hohetauern.at
und Landgut Moserhof: www.landgut-moserhof.at/de
die diese Reise unterstützt haben.

 

  

Matthias Niese Magazin am Wochenende / Gute REISE E-Mail

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