Tiere, Freiheit, Fernblick beim Bauernhofurlaub

Kinder im Urlaub glücklich machen? Auf zum Bauern in Südtirol!

2.10.2021, 07:48 Uhr
Tierfütterung - der wichtigste Termin auf dem Bauernhof. Am liebsten mag es das Pony natürlich, wenn man ihm frisches Gras vor die Schnauze hält.

Tierfütterung - der wichtigste Termin auf dem Bauernhof. Am liebsten mag es das Pony natürlich, wenn man ihm frisches Gras vor die Schnauze hält. © Matthias Niese

Der Junge hat ganz rote Bäckchen, als er abends kurz vor elf zufrieden und müde seine Suppe löffelt. Die Eltern sind extra aufgeblieben und leisten ihm nun Gesellschaft, während die Geschwister nach dem anstrengenden Tag beim Wandern und auf dem Hof schon schlummern. Er aber wollte unbedingt noch raus zu den anderen Kindern und zu Bauer Peter, Kühe melken. Nun riecht er nach Kuhstall, aber so muss das sein, wenn man auf dem Bauernhof beim Roten Hahn in Südtirol Urlaub macht.

Peter geht schließlich immer morgens und abends um neun zu den 21 Milchkühen. Die Urlauberkinder dürfen mit, sie streifen sich ihre Stalloveralls über, gehen fleißig zur Hand und fragen Peter Löcher in den Bauch. Zur Belohnung winkt nach anderthalb Stunden ein Schluck warme Milch direkt aus der Melkmaschine, dass der Milchbart auf der Oberlippe nur so glänzt. So gute Milch haben sie noch nie getrunken!

Kaspressknödel selbst gemacht

Dafür lässt der Kleine gern das Abendessen warten. Kaspressknödelsuppe haben die Eltern heute gemacht, nach dem Rezeptbuch von Bäuerin Hildegard. Das hat sie ihren Gästen in die Ferienwohnung gelegt. Ganz einfach gehen die, mit viel kleingeschnippeltem Almkäse von der Sennerei des Lechnerhofs beim Örtchen Prags, mit frischem Schnittlauch und Kräutern aus dem Bauerngarten, mit Butter und Milch vom Hof und reichlich Knödelbrot, gekocht in einer Brühe ganz ohne Brühwürfel, dafür mit vielen Kräutern und Salz.

Typisch Tiroler Spezialität: Knödeltris serviert, mit Schlutzkrapfen, Spinat- und Käseknödel - hier im Reiterhof.

Typisch Tiroler Spezialität: Knödeltris serviert, mit Schlutzkrapfen, Spinat- und Käseknödel - hier im Reiterhof. © Matthias Niese

Hildegards Rezept kommt an, sie hat ein Händchen für Feines. Wer bei ihr ein Frühstück ordert, bekommt ein bäuerliches Feinschmeckerbuffet mit Zitronencreme an Erdbeermousse, dazu Trinkjoghurt mit selbst gemachtem Apfelmus, Basilikumdip an Olivenbrot, Fichtennadelsirup, Linzerschnitte, Rote-Beete-Apfel-Gurkensaft, einer Schmankerlplatte mit Tiroler Speck, Kaminwurz, Käse, Eiern von den eigenen Hühnern, dazu Brot und Brötchen... Und jeden Morgen stehen ein paar andere Leckereien auf dem Tisch.

Plötzlich steht das Kälbchen vor der Haustür

Da trifft es sich gut, dass die kleinen Urlauber nicht allzu früh aus den Federn müssen, um wieder im Stall zu helfen, denn Bauer Peter lässt es locker angehen und wirft recht spät seine Melkmaschine an. "Andere stehen schon um vier im Stall, ich hab meinen eigenen Rhythmus und bin gar kein Frühaufsteher", sagt er und streichelt seine Lieblingskuh. Den Rindviechern geht’s hier gut, sie dürfen aus dem Stall auf die Weide laufen – da kann es passieren, dass ein Kalb plötzlich vor der Haustür steht und dem erstaunten Gast die Hand schleckt.

Die Kinder dürfen den Kühen das Heu vors Maul schieben, manchmal werfen sie es auch vor Freude in die Luft.

Die Kinder dürfen den Kühen das Heu vors Maul schieben, manchmal werfen sie es auch vor Freude in die Luft. © Matthias Niese

Die anderen Tiere sind den Kindern Spielgefährten. Ziege Blacky etwa, das Pony Polly, der Esel Frieda, die Zwerghasen Schneeweißchen und Rosenrot, die Katzen. Und wenn sie keine Lust mehr auf Füttern oder Streicheln haben, springen die Kinder im Trampolin, fahren mit den Tret-Traktoren über den Hof und erkunden fast jeden Winkel – die Bauernfamilie sieht das ganz entspannt.

Unsere Wandertipps ganz einfach zum Nachmachen

Die Gegend oberhalb von Welsberg-Taisten im Pustertal ist schön, meistens müssen die Kinder für ein paar Stunden dem Drang der Eltern nachgeben und mit auf einen Ausflug. Eine entspannte kleine Runde führt ab Hof ein Stück den Taistener Sagenweg und den Lottersteig entlang (www.komoot.de/tour/375320612).

Auch unsere anderen Ausflüge haben wir mit der Outdoor-App Komoot aufgezeichnet, Sie können sie sich inklusive Fotos und Karte anschauen und leicht auch per GPX-Dateien und Navi nachlaufen.

Etwa ins Gsieser Tal, einem kleinen Nebental ohne große Hotelbauten, dafür voller Tiroler Bauernhöfe auf Blumenwiesen neben hübschen Dörfern. In St. Magdalena steht der Schaubauernhof Reierhof mit noch viel mehr Tieren wie Yaks, Kamelen, Lamas und einem Streichelzoo. Ein Stück dahinter an der Talschlusshütte beginnen familiengerechte Wanderungen auf dem Eichhörnchen- oder Talblickweg, die man um eine nette Einkehr in die nahe Messnerhütte verlängert. (www.komoot.de/tour/376733576)

Der Pragser Wildsee ganz ohne Instagram-Massen

In einem anderen Tal um die Ecke liegt der Pragser Wildsee, türkis schillert er eingezwängt in die wilde Bergwelt. Ausflugsboote aus Holz schaukeln meist über seine Wellen. Den Instagramern dieser Welt ist er ein Begriff, gleichzeitig ist das sein Fluch. Bis zu achttausend Menschen schoben sich an normalen Sommertagen – immer ihr Handy vor der Nase – um den See, stets auf der Suche nach dem einen Bild zum Posten.

Am fast menschenleeren Pragser Wildsee haben wir die Instagram-Wut nachgestellt, die vor Corona hier herrschte.
 

Am fast menschenleeren Pragser Wildsee haben wir die Instagram-Wut nachgestellt, die vor Corona hier herrschte.   © Matthias Niese

Dabei übersehen sie seine Schönheit und zum Glück den Abzweig zur nahen Grünwaldalm – hier hat der Wanderer die Berge wieder für sich, inklusive leckerer Brotzeit. In Corona-Zeiten bleibt all der Trubel aus, und auch danach möchte die Gemeinde den Verkehr reglementieren. Nur wer sich vorher online registriert, darf bald an den See. Und wer erst am späten Nachmittag kommt, hat eh seine Ruhe. (www.komoot.de/tour/375760829)

Zum Toblacher See radeln und die Drei Zinnen bestaunen

Im Tal zwischen Innichen und Bruneck kann man auf ausgewiesenem Radweg prima radeln, ein Abstecher zum Toblacher See und weiter zum Drei-Zinnen-Blick lohnt sich unbedingt. Nur von hier sieht man die berühmtesten Gipfel der Dolomiten vom Tal aus in all ihrer Pracht. Ein anderer guter Ort ist die Plätzwiese, ein Hochplateau mit netten Hütten.

In Innichen beginnt eine E-Bike-Tour über den Toblacher See bis zu den drei Zinnen.

In Innichen beginnt eine E-Bike-Tour über den Toblacher See bis zu den drei Zinnen. © Matthias Niese

Wer noch auf den Strudelkopf steigt, sieht sich den Drei Zinnen gegenüber. Rund um den Hof – etwa am nahen Kronplatz, bei Sexten oder im Gitschberg-Jochtal – laufen auch im Sommer Seilbahnen und erweitern den Radius für Höhenwanderungen. (www.komoot.de/tour/376219040)

"Schon wieder wandern" hört man meist am Morgen, doch wenn die Ausflügler zurückkommen, sind sie alle glücklich. Die Eltern trinken dann ein Bier auf der Sonnenterrasse, während die Kleinen eins, zwei, drei in ihren Gummistiefeln stecken und schon wieder irgendwo auf dem Hof verschwunden sind.

Das ist der Rote Hahn

Bei diesem Verbund sollen Urlauber echtes Bauernhofleben erleben. Bald 2000 Betriebe gehören der Initiative des Südtiroler Bauernverbandes an. Die Landwirte wollen eine organisierte, traditionelle Alternative zu den typischen Alpenhotels bieten.

Erfrischende Pause in der Kneipp-Anlage mit Panorama auf die Plose über Brixen.
 

Erfrischende Pause in der Kneipp-Anlage mit Panorama auf die Plose über Brixen.   © Matthias Niese

Alle teilnehmenden Betriebe müssen dabei als lebendiger Bauernhof aktiv Landwirtschaft betreiben, die Gäste können mit anpacken. Um nicht den Charakter eines Bauernhofs zu verlieren, dürfen die Landwirte nicht mehr als fünf Ferienwohnungen oder acht Zimmer möglichst mit Frühstück, mindestens mit Brötchenservice vermieten. Die meisten Höfe verkaufen dabei ihre eigenen Produkte.

Mehr Informationen:
Roter Hahn, www.roterhahn.it, Tel. 00 39 / 04 71 / 99 93 25
Der Tiefentalhof ist ein Beispiel für die anderen Höfe der Dachmarke Roter Hahn.
IDM Südtirol Information, www.suedtirol.info/de, Tel. 00 39 / 04 71 / 999 999
Lifte im Sommer:
Dolomiti Supersummer ist das sommerliche Seilbahnprogramm mit 100 offenen Liftanlagen
www.dolomitisuperski.com/de/SuperSummer
Anreise:
Mit dem Auto ab Nürnberg über den Brenner oder die Felbertauernstraße knapp 450 Kilometer in gut fünf Stunden. Mit dem Zug Umstieg in München bis Bozen in fünfeinhalb Stunden.
Beste Reisezeit:
Frühjahr bis Herbst, danach Skiurlaub.

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