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Kroatiens Insel Krk: Die herbe Schönheit

Der erste Eindruck ist karg, doch dann zeigen sich ungeahnt sanfte Seiten - 04.05.2019 07:59 Uhr

Boote warten vor dem Städtchen Krk auf Touristen. © Matthias Niese


Was für ein herrliches Glucksen im Ohr. Die Sonne wärmt Gesicht und Bauch, klares Wasser kühlt den Rücken. Wir lassen uns mit abgestreckten Armen und Beinen treiben, blicken in den blauen Himmel, heben leicht den Kopf über den Meeresspiegel. Wir sehen den felsigen, piniengesäumten Strand eines verschlafenen Örtchens auf der Insel Pag. Grillen zirpen, es duftet nach Harz, ein kleines Boot tuckert vorbei.

Wir blinzeln hinaus auf die offene See. Am Horizont liegen die Inseln der kroatischen Kvarner Bucht, dieses mediterranen Archipels zwischen Istrien und der nördlichen kroatischen Adria. Linkerhand mit dem höchsten Berg Mali Losinj, dann ein Stückchen weiter rechts das langgezogene Cres, rechts hebt sich Rab aus dem Meer. Dazwischen die karstigen ockerfarbenen Buckel ungezählter unbewohnter Inselchen. Und ganz hinten, gerade noch so zu sehen, das größte Eiland: Krk.

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Unaussprechlich unwiderstehlich: Ein Sommer auf Krk

Ob als Camper oder im Hotel: Die größte der Inseln in der Kvarner Bucht ist der ideale Stützpunkt für eine abenteuerliche Entdeckungsreise durch diesen schönen kroatischen Archipel.


Von dort sind wir gekommen mit der Tajana, einem der zahlreichen Ausflugsboote, die in der Sommersaison Tag für Tag morgens um halb zehn voller Touristen im Bauch und auf Deck in die Inselwelt aufbrechen. Erster Stopp: Das hübsche Örtchen Rab mit den vielen Kirchtürmen in der venezianisch geprägten Altstadt, die besonders stolz ist auf ihre Armbrustschützen – mehrmals im Jahr richten sie Turniere aus, und jedes Mal veranstalten sie dabei ein Mordsspektakel.

Mit dem Kescher auf Entdeckungstour

Im Inselnorden, bei Lopar, liegen die einzigen Sandstrände Nordkroatiens, sonst klettern die Badenden über Fels, Steinterrassen oder Kiesel ins Meer – die Küste ist dadurch aber ungemein abwechslungsreich und das Wasser glasklar. Vor allem Schnorchler lieben die spannende Unterwasserwelt, während es an der italienischen Adria unter Wasser langweilig weil sandig und daher auch etwas trüb ist. Kleine Kinder mögen an Sandstränden nach Herzenslust buddeln, doch in Kroatien gehen sie oft stundenlang mit dem Kescher zwischen den Felsen auf Entdeckungstour.

Auf dem Campingplatz Jezevac bei Krk stehen die Wohnmobile zum Teil direkt am Kieselstrand. © Matthias Niese


Im Hafen von Rab serviert die Crew an Bord der Tajana gegrillte Makrelen mit Bergen von Krautsalat, Brot und Wein. Dann, ein Stückchen weiter vor Pag, das schon nicht mehr zu den Kvarner Inseln gehört, hüpfen die meisten vom Heck des Schiffs ins Wasser, während wir von Bord gegangen sind, um einen weiteren Strand kennenzulernen.

Zurück auf Krk: Die meisten Urlauber auf dieser nördlichsten großen Mittelmeerinsel lassen ihren Wagen vor dem Quartier stehen und wollen nur Baden. Wir sind mit dem Wohnmobil auf den Campingplatz Jezevac gleich neben dem mittelalterlichen Städtchen Krk gefahren. Es ist einer dieser vielen Campingplätze, die nichts mehr gemein haben mit den Camps des seligen Jugoslawiens, wo man noch Stehklos vorfand mit Toilettentüren, die nicht schlossen und mit einer schlampig zusammengeschusterten Infrastruktur.

Von fast jeder Parzelle ein fantastischer Meerblick

Die meisten Plätze haben heute drei, vier, manche sogar fünf Sterne. Ab vier ist ein Pool dabei, zweimal am Tag werden die Sanitäranlagen blitzblank geputzt, ab fünf Sternen – wie etwa jenseits des Städtchens auf dem gleichnamigen Platz Krk – haben die Waschräume sogar die Anmutung offener Bäder mit Fahrstuhlmusik, freistehenden Spiegeln und Marmor-Applikationen. Kinder gehen auf den gehobeneren Plätzen in die Kinderanimation oder in die Kinder-Wasserwelt, es gibt ein sanftes, unaufdringliches Unterhaltungsprogramm, und wer sich zurückziehen möchte, hat wegen der Hanglage von seiner Parzelle aus meistens einen fantastischen Meerblick.

Vielleicht aber auch von der Terrasse seines Mobile Homes. Mit diesen Ferienhäuschen ist mehr Geld verdient als mit leeren Parzellen. Und weil trotz Preisen von teils deutlich jenseits der 1000 Euro pro Woche in der Hauptsaison auch die Nachfrage hoch ist, hat inzwischen jeder Platz ein gutes Drittel für einfache bis luxuriöse Wohnboxen reserviert für alle, die nicht campen wollen. Eine Woche mit dem eigenen Camperdach oder der eigenen Plane überm Kopf auf einem nackten Stellplatz kostet im August für eine Familie allerdings auch schon knapp 500 Euro.

Im Örtchen Vrbnik kommt natürlich nur Žlahtina ins Weinglas. © Matthias Niese


Wir haben die ersten Tage mit Schnorcheln, Planschen und Faulenzen verbracht, auf Dauer ist das zu fad. Die Bootstour hat willkommene Abwechslung gebracht. Doch wir sind auf einer Insel voller Kultur und Geschichte, geprägt von Griechen, Römern, Byzantinern, Venezianern, Österreichern (immerhin weit über 200 Jahre bis 1918), Italienern, Jugoslawen, Kroaten. Also besuchen wir das Dörfchen Vrh und probieren bei Krcki Prsut preisgekrönten luftgetrockneten Schinken, wie sie ihn auch in Andalusien von der Keule geschnitten hätten.

Den passenden Wein dazu verkosten wir bei Nada in Vrbnik im ältesten Weinkeller der Insel. Vor dem Dorf, das auf einer Klippe 40 Meter über dem Meer mit Blick hinüber zum Festland thront, wächst der sommerleichte Weißwein Zlahtina, den es nur hier auf Krk gibt. Mehrere Winzerfamilien bauen die Rebsorte an und schenken den Wein vor allem Touristen bei Verkostungen in gemütlichen Stuben oder auf Terrassen in die Gläser.

Im Herbst von Bustouristen überschwemmt

Wenn die Nachsaison beginnt – ab Anfang September – kommen an manchen Tagen bis zu 40 Busse hierher – dann beginnt die Zeit der Bustouristen auf Krk. Ein Besuch des Örtchens lohnt sich aber auch ohne Schwips wegen der hübschen Altstadtgässchen, in denen ein steiniger Mittelstreifen verrät, dass dieser oder jener Weg nicht in einer Sackgasse endet.

Gleich neben der Stadt Krk liegt Punat mit der größten Marina Kroatiens. Viel interessanter ist jedoch das Inselchen Kosljun direkt davor, nur einen Kilometer im Umfang groß. Mittendrin: Ein Franziskanerkloster, in dem noch vier oder fünf Mönche leben. Viel zu wenige für die große Anlage mit ihrem Kreuzgang, ihrer großen Kirche und dem Museum, das sakrale, aber auch Alltagsgegenstände der Insel zeigt. Also holen sie sich Gesellschaft in die Mauern.

Denn hier kann man den Touristenströmen ausweichen, die in der Hauptsaison die 19 000 Einwohner der Insel vervielfachen. Manche gehen auf Kosljun eine Woche ins Kloster, beten mit den Franziskanern und teilen mit ihnen den Tisch.

Die Wasserwelt auf dem Campingplatz Jezevac. © Matthias Niese


Mehr Informationen:
Tourismusverband der Region Kvarner
www.kvarner.hr/deu/tourismus, der diese Reise unterstützt hat.
Anreise:
Mit dem Auto ab Nürnberg über die Tauernautobahn etwa 740 Kilometer in acht Stunden.
Wohnen:
Camping Jezevac Krk
www.camping-adriatic.com/de/jezevac-camp-krk
Beste Reisezeit:
Ganzjährig, Badesaison ist von Mai bis Oktober.

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