Chaos an den Flughäfen

Lange Wartezeiten und verweigerte Boardings: Das sind Ihre Rechte

5.8.2021, 11:54 Uhr
Urlauber stehen in einer langen Schlange.

Urlauber stehen in einer langen Schlange. © Rupert Oberhäuser via www.imago-images.de, imago images/Rupert Oberhäuser

"Unsere Zahlen zeigen: Die Anzahl der verweigerten Einstiege im Jahr 2021 hat sich im Vergleich zu 2019 verdoppelt”, sagt Oskar de Felice, Fluggastrechtsexperte beim kommerziellen Verbraucherportal Flightright.

Um diesen schlimmsten aller Fälle zu vermeiden, sollten Sie sich vor Ihrem Abflug in den Urlaub oder Familien- und Dienstreise genau mit den Einreise- und Corona-Bestimmungen Ihres Ziellandes befassen. Dazu gehört auch, dass Sie eventuelle Formulare vorab - oft schon online ein paar Tage vorher, etwa auf den Portalen einiger Länder für Einreisemeldungen - ausfüllen.

Schnelltests vor allem am Flughafen können sehr teuer werden

Zudem sollten Sie sich darauf einstellen, dass Sie für die Tests im Ausland zahlen müssen. Gerade an den Flughäfen nutzt man die Not der Urlauber aus und verlangt teils horrende Preise - wer sich aber umschaut, findet oft davor oder in der Nähe günstigere Möglichkeiten. Welche Kosten auf Urlauber zukommen, hat das Europäische Verbraucherzentrum EVZ gelistet. Dort finden Sie tagesaktuelle Preise zu Ihrem Reiseland – auch wenn einige Länder und Regionen derzeit noch Hochrisikogebiete sind.

Denn anders als in Deutschland bieten viele beliebte Reiseländer keine kostenlosen Tests an, Ausnahmen sind etwa Österreich, Dänemark, die Niederlande oder Südtirol. Andernorts können sie weit über 100 Euro kosten. Selbstgekaufte Antigen-Schnelltests aus der heimischen Apotheke werden leider häufig nicht anerkannt - es gibt aber die Möglichkeit einer kostengünstigen Testung per Videochat.


Reiserückkehrer aufgepasst: So umgehen Sie Coronatest-Abzocker im Ausland


Passagiere sollten unbedingt auch die Informationen der Fluggesellschaft kennen und genau prüfen, ob und welche Corona-Tests (PCR- oder simpler Antigentest) sie vorab machen müssen. Auch am Reiseziel sollten Sie die aktuellen Entwicklungen verfolgen und sich rechtzeitig vor der Rückkehr mit den Einreisebestimmungen für Deutschland befassen.

Die sind seit 1. August zwar geregelt - alle Rückkehrer aus dem Ausland (mit Ausnahme des kleinen Grenzverkehrs, etwa für Berufspendler) müssen sich vorher (!) testen lassen, ein negativer Test muss auf dem Einreiseportal der Bundesrepublik gemeldet werden.

Deutsche Staatsbürger dürfen immer ins Heimatland zurückreisen

Und auch wenn sichergestellt ist, dass deutsche Staatsbürger immer zurück in ihr Heimatland reisen dürfen, müssen sie je nach Status des Reiselands als Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet nach der Rückkehr in Quarantäne - auch bei negativem Testergebnis. Erst fünf Tage nach Rückkehr aus einem Hochrisikiogebiet können sie sich freitesten, bei Rückkehr aus einem Virusvariantengebiet müssen sogar bereits Geimpfte oder Genesene 14 Tage in Quarantäne.


Werden vor dem Rückflug Passagiere abgewiesen, weil die Fluggesellschaft zusätzliche Anforderungen für den Abflug stellt und die Passagiere aber nicht über diese informierte, "haben Passagiere Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich", so Reiserechtler de Felice. Sie sollten alle relevanten Details aber genau schriftlich und eventuell auch fotografisch dokumentieren, um diesen möglichen Anspruch auf eine Entschädigung geltend machen zu können

Der beste Beweis für eine gerichtliche Auseinandersetzung ist dabei eine schriftliche Bestätigung der Fluggesellschaft. De Felice empfiehlt allen Betroffen zudem, sich an Fachanwälte zu wenden, die sie umfassend unterstützen. "Denn für die Durchsetzung von Passagierrechten gegen die Airlines braucht es harte Bandagen”, so der Jurist.

Nach wie vor Anspruch auf Schadenersatz bei zu langer Wartezeit

Fällt die Wartezeit am Flughafen aufgrund der intensiven Kontrollen extrem lange aus, können sich Ansprüche für Passagiere ergeben. So sind die Airlines zum Beispiel nach wie vor verpflichtet, ab einer Wartezeit von mehr als zwei Stunden kostenlose Getränke und Mahlzeiten bereitzustellen. Ab drei Stunden Wartezeit steht Passagieren eventuell sogar ein Entschädigungsanspruch gegenüber der Airline zu.

Hier können Sie sich noch kurz vor Abflug testen lassen, sollten Sie das noch nicht getan haben - was unbedingt ratsam ist.

Hier können Sie sich noch kurz vor Abflug testen lassen, sollten Sie das noch nicht getan haben - was unbedingt ratsam ist. © Sebastian Willnow, dpa

Vor allem, wenn die Fluggesellschaft auch die Überprüfung der Tests übernimmt und dadurch die Wartezeit verlängert wird, kann dieser gegenüber ein Entschädigungsanspruch entstehen. Das muss laut de Felice jedoch immer im Einzelfall geprüft werden. Um diese Prüfung kümmern sich dann Anbieter wie Flightright, Flugrecht.de, Passengersfriend.com, Airhelp, EUflight, EUclaim, Fairplane, Ersatz-Pilot oder Wir kaufen deinen Flug.

Quelle u.a. Flightright, ein kommerzielles Verbraucherportal für Fluggastrechte

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