Diese Stadt füllt locker ein paar Tage aus

Leipzig: Hippe und mondäne Metropole voller Attraktionen für alle

Reiseredakteur Matthias Niese
Matthias Niese

Magazin am Wochenende / gute reise

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20.6.2022, 12:46 Uhr
Ein Platz im Herzen Leipzigs. Nur wenige deutsche Großstädte haben so viele prachtvoll erhaltene Jugendstilgebäude.

© Matthias Niese Ein Platz im Herzen Leipzigs. Nur wenige deutsche Großstädte haben so viele prachtvoll erhaltene Jugendstilgebäude.

Die Stadt: Wer Leipzig noch aus DDR-Zeiten kennt, erinnert sich an graue, zerbröselnde Fassaden. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg längst nicht so stark zerbombt wie Dresden, daher sah man ihr trotz des Zerfalls noch an, wie mondän sie einst gewesen sein muss: Neben Gotik und Renaissance im Zentrum findet sich Jugendstil allerorten, ganze Stadtviertel sind voller Gründerzeitvillen und Wohnblocks mit prächtigen klassizistischen Fassaden.

Denn hier, in den Handels- und Industriemetropolen Mitteldeutschlands, schlug bis zum Zweiten Weltkrieg das wirtschaftliche und wissenschaftliche Herz Deutschlands. Hätte die DDR noch viel länger weiterbestanden, wäre die Pracht wohl verloren gegangen.

Kohls blühende Landschaften wurden hier Realität

Mit dem Zerfall sank auch die Einwohnerzahl von über 600.000 vor dem Krieg auf rund 400.000 zum Ende der DDR - das wurde mit den Montagsgebeten in der Nikolaikirche und den anschließenden Demonstrationen in Leipzig friedlich eingeläutet - ein mutiger Geist, wie er den Bewohnern der Stadt schon immer zugeschrieben wird.

Leipzig und der Rest Neufünflands (die fünf neuen Bundesländer) bekamen eine neue Chance, aus der einige Städte und Regionen wie Phönix aus der Asche aufstiegen. Man mag viele Jahre über Helmut Kohls Prophezeiung blühender Landschaften gespottet haben - das Ergebnis kann man heute kaum anders nennen, wenn man viele Gegenden im Osten und vor allem Leipzig und sein Umland besucht. Die Einwohnerzahl belegt die Anziehungskraft: 2021 lebten wieder 605.000 Menschen in der achtgrößten Stadt Deutschlands, davon gut 45.000 Studenten.

Bunte Graffiti, Kneipenmeilen, Szeneviertel

Die sorgen vor allem in den zentrumsnahen Vorstädten für ein junges, pulsierendes Leben, das sich in bunten Graffitis an den Häuserwänden, hippen Straßencafés, Kneipenmeilen wie der Karl-Liebknecht-Straße ("KaLi"), Kulturzentren sowie Künstlerquartieren wie der Alten Spinnerei mit 200 Galerien im Westen zeigt. Südlich davon liegt der Stadthafen, von dem aus man auf dem Karl-Heine-Kanal und der Weißen Elster zu Paddel- oder Bootstouren aufbricht, über die einst die Waren der vielen Fabriken im Ortststeil Plagwitz in alle Welt gebracht wurden. Vom Wasser aus bestaunt man die alte Industriearchitektur, in die Agenturen, Start-ups und Kreative eingezogen sind, die praktischerweise gleich nebenan in Lofts wohnen können.

Modernste Architektur: Am Rande des Zentrums das Uni-Hochhaus mit der Uni-Kirche, in der sich u.a. die Bibliothek befindet.

Modernste Architektur: Am Rande des Zentrums das Uni-Hochhaus mit der Uni-Kirche, in der sich u.a. die Bibliothek befindet. © Matthias Niese

Im Zentrum ist jedes Haus saniert, viele der alten Messehöfe oft jüdischer Händler sind Einkaufspassagen oder bergen Restaurants, Cafés, schicke Läden oder Delikatessengeschäfte. Unbedingt besuchen sollten Sie die beiden wichtigsten Kirchen - die Nikolaikirche mit ihren wunderschönen Palmensäulen und die Thomaskirche, in der einst Johann-Sebastian Bach fast 30 Jahre als Kantor den Chor leitete - wer mag, und das tun viele, kann sich in der Kirche vor seinem Grab verneigen.

Ein Tag reicht nicht

Ein Tag in der Stadt reicht nicht, viele haken daher am Vormittag des ersten Tages das Zentrum ab, entspannen sich nach einem Mittagessen bei sächsischer Küche etwa im Barthels Hof und machen danach bei einer Bootstour auf den Kanälen. Mindestens einen weiteren Tag sollten Sie für einen (auch abendlichen) Streifzug durch die Szeneviertel Plagwitz, Lindenau, Connewitz, das Waldstraßenviertel und den Bürgerbahnhof Zeit nehmen. Soll noch eines der vielen Museen oder ein Konzert etwa im Gewandhaus dazukommen, sind sie locker drei Tage unterwegs.

Der Freizeitpark:

Die schärfste Achterbahn im Freizeitpark Belantis: Fünf Überschläge nach einer 90-Grad-Auffahrt und einem 90-Grad-Absturz.

Die schärfste Achterbahn im Freizeitpark Belantis: Fünf Überschläge nach einer 90-Grad-Auffahrt und einem 90-Grad-Absturz. © Matthias Niese

Haben Sie Kinder dabei? Dann ab in den Süden der Stadt an den Zwenkauer See. Hier liegt das 2003 eröffnete Belantis, eine bunte Welt voller Achterbahnen, Karussells, Themenparks und Spielplätzen. Auch hier verbringen Sie problemlos einen ganzen Tag bei Rittern, Pharaonen oder Cowboys - ein Rundweg führt bequem zu allen Attraktionen. Den größten Adrenalinkick holen Sie sich im Reich der Sonnentempel auf der Achterbahn des Maya-Gottes Huracan - nach einem 90-Grad-Aufstieg geht´s genauso steil im Sturz herab, um danach durch fünf Überschläge zu sausen. Kleinere Kinder finden zum Glück auch Achterbahnen, die nicht so wild sind - und selten steht man lange an.

Das Neuseenland:

Der Kletterpark am Markkleeberger See mit Blick ins Neuseenland.

Der Kletterpark am Markkleeberger See mit Blick ins Neuseenland. © Matthias Niese

Wer in der kalten Jahreszeit in die DDR reiste, hatte schon kurz nach der Grenze den typischen Kohlebrandgeruch aus Haushalten und Industrie in der Nase - mangels Devisen war die wichtigste Energiequelle heimische Braunkohle. Die buddelte der Staat unter anderem südlich von Leipzig mit riesigen Schaufelradbaggern im Tagebau aus dem Boden. Schon 1990 war das nicht mehr lukrativ, die tiefen Löcher liefen mit Wasser voll und wurden zum Naherholungsgebiet aufgewertet: dem Leipziger Neuseenland.

Die Leipziger haben zum Teil noch innerhalb ihrer Stadtgrenze eine Seenlandschaft mit Stränden, Seepromenaden und Häfen, die sie teils mit dem Fahrrad oder der Straßenbahn erreichen, etwa den nahen Markkleeberger See, den Cospudener und den Störmthaler See. Nahe des Auenhain steht noch einer der riesigen Bagger, sie können ihn im BergbauTechnikPark bestaunen und sich nur ein Stückchen weiter im Kletterpark am Markkleeberger See durch mehrere Parcours hangeln - selbst Kinder über 110cm dürfen in die Seile und unter Aufsicht an einer speziellen bremsenden Spule von einem zwölf Meter hohen Turm springen - etwas Mut gehört dazu.

Der Zoo:

Leipzig hat einen Dschungel: Das absolute Glanzlicht des Zoos von Weltrang ist Gondwanaland in einer riesigen Halle, in der sich die Tiere frei bewegen können. Durch den Dschungel kann man auch mit dem Boot fahren. 

Leipzig hat einen Dschungel: Das absolute Glanzlicht des Zoos von Weltrang ist Gondwanaland in einer riesigen Halle, in der sich die Tiere frei bewegen können. Durch den Dschungel kann man auch mit dem Boot fahren.  © Matthias Niese

Langsam stehen Schweißperlen auf der Stirn, es ist schwülwarm und plötzlich saust ein kleiner Flughund zwischen den Besuchern hindurch, die sich gerade über eine Hängebrücke hangeln. Tropische Vögel zwitschern, ein Wasserfall plätschert in der Nähe, unten fahren Expeditionsboote auf einem dicht bewachsenen Kanal. Kaum zu glauben, dass man mitten in der Innenstadt durch einen Dschungel läuft, so groß wie zwei Fußballfelder. In Gondwanaland dürfen sich die meisten Tiere frei bewegen, es ist das Glanzlicht des Leipziger Zoos, eines der modernsten und rennomiertesten Zoos der Welt.

Er ist eher ein Freizeitpark, der die Themen Artenschutz, Bildung und Entdeckertouren geschickt nach Kontinenten sortiert vereint. 850 Tierarten sind hier zuhause - und mit Pongoland hat die Anlage die einzige reine Menschenaffenanlage der Welt, durch die man wie in der afrikanischen Savanne spaziert und den Orang-Utan-Babys bei ihren Späßchen zuschaut.

Mehr Informationen:
Leipzig Tourismus Marketing (LTM), www.leipzig.travel bzw. www.leipzig.region.travel
Sonderheft Leipzig mit Kindern (als pdf)
Freizeitpark Belantis: www.belantis.de
Zoo Leipzig: www.zoo-leipzig.de
Kletterpark am Markkleeberger See neben Ferienpark Auenhain: www.kletterpark-markkleeberg.de/service

Anreise:
Ab Nürnberg über die A9 rund 280 Kilometer in drei Stunden, mit dem Zug ab 2:11 Stunden, außerdem fährt u.a. der Flixbus in knapp vier Stunden.

Unterkunft:
Ruhig im Neuseenland an Strand und Stadtgrenze gelegen und ideal für Familien:
Seepark Auenhain: www.seepark-auenhain.de

Der Seepark Auenhain ist mit Wohnmobilstellplatz, Ferienhäusern, Schwimmbad und Kinderbetreuung ein prima Quartier für Familien mitten im Seenland.

Der Seepark Auenhain ist mit Wohnmobilstellplatz, Ferienhäusern, Schwimmbad und Kinderbetreuung ein prima Quartier für Familien mitten im Seenland. © Matthias Niese

  • direkt am Markkleeberger See gelegen, 10 Minuten zu Fuß bis zum Strand
  • 32 komfortabel eingerichtete Ferienhäuser und 12 Apartments
  • 6 Caravanstellplätze (gepflastert, keine Grünfläche)
  • 365 Tage im Jahr für Sie geöffnet
  • Kinderbetreuung (ab 3 Jahre) an 7 Tagen der Woche inklusive
  • Frühstück oder Halbpension zubuchbar
  • Brötchenservice für Selbstverpfleger
  • Indoorpool
  • Sauna (nicht nur für Ferienhausgäste / Parkplätze vorhanden)
  • Restaurant mit Terrasse und Panoramablick
  • exklusive Räumlichkeiten für Ihre Veranstaltungen
  • Clubraum mit Billard und Tischkicker
  • Friseur
  • Fahrradverleih
  • Grillverleih
  • Kinderspielplatz
  • nur wenige Minuten vom Kanupark Markkleeberg entfernt
  • 30 Minuten bis in die Leipziger City


Unzählige Quartiere und Hotels mitten in der Stadt vermittelt das Lokale Tourismusbüro LTM.

Beste Reisezeit:
Ganzjährig

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