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Lignano Sabbiadoro: Trotz Sand aus Gold sind viele verzweifelt

Der Badeort an der italienischen Adria schlägt sich einigermaßen wacker durch die Corona-Krise - 07.09.2020 11:53 Uhr

Normalerweise stehen am Strand von Lignano Sabbiadoro im Sommer noch mehr Sonnenschirme. Aufgrund der Coronamaßnahmen wurde ihre Anzahl um 30 Prozent verringert.

20.08.2020 © Andrea Beck


Wenn Stefano Baldo hinter dem Steuer seines schaukelnden Bootes steht und auf das jadegrüne Wasser der Laguna di Marano hinausblickt, zieht er seine Mundwinkel leicht nach oben. Ein stiller Ausdruck von Zufriedenheit, denn Baldo ist jeden Tag glücklich, dass er im vergangenen Jahr die Türen seines Schuhladens ein letztes Mal hinter sich schloss, um im italienischen Badeort Lignano Sabbiadoro ein neues Leben zu beginnen.

Statt mit den Online-Händlern um Kunden zu kämpfen, bietet der 53-Jährige nun Touren durch die Lagune und Stand-Up-Paddling-Kurse an. „Somewhere tours“ hat er sein Unternehmen genannt, ganz nach dem Motto: Wohin ist eigentlich egal, Hauptsache weit hinaus aufs Meer. Von März bis Oktober, sieben Tage die Woche, bringt er Reisende mitsamt ihren Fahrrädern und Surfbrettern auf seinem Pontonboot zur Isola delle conchiglie – der Muschelinsel – am Rand der Lagune oder ins Fischerdorf Marano Lagunare. Der frische Meereswind, der nach Salz schmeckt, verschafft einen Moment der Abkühlung in der schwülen Hitze Lignanos. Selbst vom Wasser aus sind die Singzikaden zu hören, die in den Pinienbäumen sitzen und ihre Melodie summen.

Bilderstrecke zum Thema

Strand, Tagestouren und Wassersport - Sommerferien in Lignano Sabbiadoro

Mit dem Rad entlang der Lagune di Marano, ein Ausflug zur Muschelinsel mit dem Stand-Up-Paddling-Brett und abends zur Belohnung Pasta mit Meeresfrüchten in einem der zahlreichen Restaurants entlang der Via Tolmezzo: das ist Lignano Sabbiadoro


Wir fahren durch die Lagune entlang des acht Kilometer langen Sandstrands des Städtchens in Friaul-Julisch Venetien an der oberen Adria. Der Strand ist Namensgeber und gleichzeitig Grund der Entstehung Lignanos. Sabbia d’Oro – Sand aus Gold – heißt der Namenszusatz der Gemeinde, den die dortigen Bewohner in den 1930er Jahren schufen, um noch mehr Touristen anzuziehen. Die grüne Halbinsel aus Sumpf- und Baumland, die ursprünglich nur vom Wasser aus erreichbar war, wurde wegen der schönen Natur zu einem der beliebtesten Badeorte Italiens. Vor allem die Deutschen und Österreicher füllen hier während der Saison die rund 200 Hotels.

Nur eine Zufahrtsstraße, wenig Infizierte

Vom März bis Ende Oktober floriert die Stadt mit mediterraner Kulinarik und Freizeitangeboten. Von den rund 7000 Einwohnern leben 90 Prozent vom Tourismus. Auch 2020 sollte ein gutes Jahr werden. Und dann kam Corona. Kurz nach Beginn der Saison, am 16. März, verhängte Italien die zweimonatige Ausgangssperre. Durch die strikte Kontrolle der einzigen Zufahrtsstraße kam Lignano glimpflich davon. Sechs Corona-Infizierte zählte die Gemeinde bis August, gestorben ist niemand. Und obwohl die Restaurantbesitzer und Hotelbetreiber ihre Felle ins seichte Meer davon schwimmen sahen, protestierten sie nicht. „Die Gesundheit der Menschen geht vor“, sagten sie.

Dass diese Saison anders ist, sieht jeder vor Ort. Am Strand bleiben viele Liegen leer, obwohl die Zahl der Sonnenschirme bereits um 30 Prozent reduziert wurde, um die Abstandsregeln einzuhalten. Und auch durch die kilometerlange Fußgängerzone Sabbiadoros flanieren nur an den Abenden des Wochenendes hunderte – vor allem italienische - Besucher. Der örtliche Tourismusverband rechnet statt der üblichen 3,5 Millionen nur mit 1,5 Millionen Übernachtungen.

Als Angebot für seine Touristen baut Lignano unter anderem auf den Aktiv-Urlaub. Zahlreiche Veranstalter bieten Kurse in Wassersportarten wie Segeln, Surfen, Tauchen, Windsurfen, Stand-Up-Paddling und Kite-Surfen. Es gibt Fitness-Kurse am Strand, Ausritte an der Küste und geführte Radtouren durch die Lagune. Auch in der Corona-Saison 2020 werden die sportlichen Angebote gerne genutzt.

20.08.2020 © Andrea Beck


Stefano Baldo könnte im zweiten Jahr seiner „Somewhere tours“ einen soliden Umsatz gut gebrauchen. Doch genau wie die Restaurantbesitzer oder die Segellehrer wirkt der 53-Jährige nicht frustriert oder schimpft auf die italienische Regierung. Er hat erlebt, wie stark das Virus in einigen italienischen Regionen gewütet hat.

Für Touristen hat die Saison auch etwas Gutes: Es ist viel Platz, gerade jetzt im Spätsommer. Wer keine Liegen in der teuren VIP-Zone des Strands buchen will, hat trotzdem die Chance auf einen Sonnenschirm nah am Wasser. Und als wir am Vormittag einmal das hier so beliebte Parasailing ausprobieren wollen, geht auch alles ganz flott. Die Fahrer Andrea und Michelangelo nehmen uns am Landesteg in ihrem Motorboot mit aufs Meer und hängen uns ein Netz aus Riemen um. Dann zieht uns ein riesiger Fallschirm mit einem Ruck nach oben. 150 Meter über dem Meer ist die Aussicht ist Atem beraubend, von hier erkennt man das schneckenförmige Straßennetz des Viertels Pineta zwischen Pinienbäumenaus den 1950er Jahren.

Die selben Freizeitangebote wie immer

Ob Parasailing, Windsurfen, Ausritte am Strand oder Familienausflüge in die Freizeitparks – Lignano kommt vielen Urlauber-Wünschen nach und betont die Sauberkeit des Wassers und die Abschaffung der Einweg-Plastik-Artikel am Strand - Lignano wird als Ort der gesunden, sauberen Erholung vermarktet. Trotzdem haben sogar einige wenige Clubs ihre Türen geöffnet.

Der Winzer Fausto Ghenda besitzt ein Weingut wenige Meter entfernt vom Zentrum Maranos. Besuchern erklärt er auf Rundgängen die Bedeutung des Umweltschutzes für den Erhalt der Lagune und lässt sie danach seine Weine kosten, serviert mit den italienischen Teigkringeln, Taralli, Fisch auf Zitrone und anderen Snacks. Verboten gut! Ein Ausflug zum Weingut ist für Lignano-Reisende wärmstens zu empfehlen.

20.08.2020 © Andrea Beck


Statt auf eine Party nehmen uns Stefano Baldo und seine Frau Lily Comisso in der prallen Nachmittagssonne mit auf eine 30-minütige Fahrt durch die Lagune nach Marano Lagunare. Vom dortigen Hafen geht es mit dem Fahrrad entlang grüner Wiesen und bunter Häuser zum Weingut von Fausto Ghenda. Hier trifft uns die naturbelassene Schönheit der Lagunenlandschaft mit voller Wucht. Der Winzer führt uns über sein Land, wo sich die Reben zwischen den langen Kanälen aus Meerwasser aneinanderreihen und die grünen Trauben prächtig gedeihen. Es riecht nach frischem Gras und statt den Rufen von hunderten italienischen Urlaubern hört man nur das Gackern der Enten. Er habe das Land nicht von seinen Eltern geerbt, sondern von seinen Kindern geliehen, sagt Ghenda, um uns die Einstellung der Lagunenbewohner zur Natur zur erklären.

Mehr Informationen:
PromoTurismo Lignano Sabbiadoro
lignanosabbiadoro.it/de
Tel.: 0039 / 04 31 / 42 21 69

Anreise:
In München starten wieder regelmäßig Flüge nach Venedig. Von dort ist es mit dem Auto noch eine Stunde bis nach Lignano. Mit dem Auto ab Nürnberg rund sieben Stunden. Der Badeort ist mit dem Zug nur schwer zu erreichen.

Beste Reisezeit:
Die Saison in Lignano Sabbiadoro geht von Anfang März bis Ende Oktober. Wer kein Freund von schwüler Hitze ist, sollte den Ort im Frühling oder ab Mitte September besuchen.

Redaktioneller Hinweis:
Die Recherche für manche Artikel auf diesen Seiten wurde von Reiseveranstaltern, Hotels, Fluglinien oder Tourismusverbänden unterstützt. ​Informationen des Umweltbundesamts über die Möglichkeit, den CO₂-Ausstoß Ihrer Reise zu kompensieren:
www.umweltbundesamt.de/themen/freiwillige-co2-kompensation

Andrea Beck

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