Sonntag, 08.12.2019

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Long Island vor New York: Eine filmreife Ferienkulisse

Ist man eh schon in Big Apple, sollte man sein Naherholungsgebiet besuchen - 08.11.2019 15:45 Uhr

Der Bootshafen in Huntington. © Edith Kern-Miereisz


Weg vom hektischen Flughafen JFK New York, dahin, wohin es viele Einwohner der Megacity seit über hundert Jahren an den Wochenenden zieht. Wo Präsidenten, Industrielle, Banker, Filmschauspieler und Musiker luxuriöse Sommervillen besitzen: auf Long Island, der Urlaubsinsel. Von Manhattan über Brooklyn und Queens ist sie in zwei, drei Stunden zu erreichen.

Der Sehnsuchtsort (von Autoren wie F. Scott Fitzgerald, E.L. Doctorow und Max Frisch beschrieben, von Künstlern wie Jackson Pollock oder Andy Warhol als Ort der Inspiration und des Austausches genutzt, von Drehbuchautoren des "East Hollywood" auch in der Gegenwart in Storys einbezogen) zeigt sich mondän, aber auch unaufgeregt entspannt. Den Besucher erwartet eine ungeahnte Vielfalt an möglichen Aktivitäten – in sportlicher, kultureller oder kulinarischer Hinsicht.

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Long Island vor New York: Naherholung an der Gold Coast

Die Ferieninsel der New Yorker, vielfältig und kontrastreich mit Stränden, Weingärten oder als Filmkulisse ist, auch in der Nachsaison anziehend.


Wie Europäer von Schlössern und Burgen fasziniert sind, so sind es die Amerikaner von den Great Mansions, den riesigen, von Parks umgebenen Anwesen der Superreichen. Oftmals versteckt und unzugänglich (etwa auf Shelter Island) liegen die Sommerhäuser der Milliardäre, aber auch Prominenter wie Calvin Klein, Billy Joel, Robert de Niro, Jennifer Lopez und Jon Bon Jovi – die Liste ist noch viel länger. "Zu Gesicht bekommt man die Promis nicht", versichert Martin, dier hier häufig Reisende herumfährt.

Einige der Great Mansions entstanden im Geist der "Roaring Twenties", der wilden 1920er Jahre. Viele wurden renoviert und dabei in Hotels mit Sightseeing und Hochzeitsarrangements oder in Drehorte für Filme und TV-Produktionen verwandelt.

Deutscher hatte größtes Haus

Besonders spektakulär: Oheka, benannt nach den Initialen von Otto Hermann Kahn, der im 19. Jahrhundert als Repräsentant der Deutschen Bank nach New York kam und dort unermesslichen Reichtum anhäufte. Das Gebäude von 1919, in dem Berühmtheiten wie Enrico Caruso oder Charlie Chaplin die grandiose Treppe hochliefen und in dem Citizen Kane gedreht wurde, gilt auch als literarischer Hintergrund für F. Scott Fitzgeralds "The Great Gatsby" von 1925. In den 1990er Jahren vor dem Verfall gerettet, dient Oheka Castle teils auch als Hotel.

Als "Robber Baron", einen Geschäftsmann ohne Skrupel, bezeichnet Gästeführerin Mary Ellen Fetkowitz den Geschäftsmann William R. Coe, dessen Sommerhaus mit Gartenanlage und Gewächshaus mit seltenen Orchideen im Originalzustand von 1922 in Oyster Bay zu besichtigen ist. Coe war im Versicherungs- und Eisenbahnbusiness. Als Erster erfuhr er, dass die Titanic gesunken ist. Auch Mark Twain zählte zu seinen Freunden.

Endlos könnten amerikanische Tourguides solche Geschichten erzählen, auch im spanischen Sommerhaus von William Kissam Vanderbilt II. Es gilt als das Adlernest an der North Port Bay, wo der Erbe eines gewaltigen Vermögens aus dem Eisenbahnbau eine Sammlung seltenster und teuerster Souvenirs aus der ganzen Welt zusammentrug: Sei es ein ausgestopfter Walhai, ein Bischofsgewand oder der Nachbau der Glocke von James Cook, seien es Elefantenstoßzähne oder chinesische Torwächter.

Der Präsident ist hier nur Nachbar und Freund

Mehr Normalität strahlt das Sommerhaus des ehemaligen US-Präsidenten Theodore Roosevelt in Sagamore Hill an der Oyster Bay aus. Er sagte 1903: "Wenn ich hierher komme, bin ich nicht der Präsident. Ich bin euer alter Nachbar und Freund."

Understatement mit Strandleben am Long Island Sound oder an den Stränden der Atlantikküste suchen viele. Robert Moses, allmächtiger Stadtplaner im New York des 20. Jahrhunderts, konzipierte Jones Beach für die Urlaubermassen, noch immer ist es eine populäre Adresse.

Erst fischen, schwimmen, dann surfen: Zur Entspannung nach dem Sport am Meer tragen die kreativen kulinarischen Angebote auf Long Island bei. Das Klischee der amerikanischen Küche etwa mit Burgern ist auch dort vorzufinden – verändert aber durch Seafood und regionales Gemüse. Dazu Wein von der Insel. An die 60 Winemaker produzieren hier, der größte ist Pindar in Peconic.

Die berühmte große Treppe in OHEKA Castle, heute teils ein exklusives Hotel. Über sie gingen auch Charlie Chaplin, Enrico Caruso und viele weitere Berühmtheiten der Roaring Twenties. © Edith Kern-Miereisz


Der griechisch-deutsche Winzer Pindar Damianos führt durch seinen Betrieb, wo jährlich bis zu 70 000 Kisten befüllt werden mit Merlot, Riesling, Syrah, Desertweinen in 20 Variationen. "Selbst New Yorker wissen oft nicht, dass Long Island Weinland ist", hat er festgestellt. Wer es kennt, tut dies gern: Ein Picknick mitbringen und im Wein-Pavillon den Tag verbringen.

Die legendären Hamptons – Southhampton, Bridgehampton, Northhampton – bestehen nicht nur feinen Stränden und Restaurants. Wer gern einkauft, entdeckt dort sehr exklusive, aber auch schmucke kleine Souvenirgeschäfte.

Regen, Schauer, Sturm: Beim diesem Wetter ist ein Besuch des Parrish Art Museums in Watermill eine passende Idee. Seit den 1950er Jahren hat sich das Museum – neu erbaut im Stil eines langgestreckten Farmhauses – zu einem Ausstellungsort für permanente und temporäre Schauen entwickelt. Dan Flavin, Roy Lichtenstein, Lee Krasner, Willem de Kooning zählen zur Sammlung.

An der Nordspitze von Long Island: Das üppige Grün mächtiger Bäume weicht Seegras, hier thront der oft von Sturm umtoste Leuchtturm von Montauk. Mit außergewöhnlichem Hotel-Design, Spitzengastronomie und Strandspaziergängen bei rauer See ist Gurney’s Star Island ein besonderer Ort zum Verweilen, an dem man ziemlich tief in die Tasche greifen muss.

Craftbeer in der kleinen Kneipe

Wie ein lebendiges Gemälde mutet das wilde Spiel der Wellen vor dem Hotelfenster an, wenn der Sturm braust. Dann kann man einen Abstecher in Gosman’s Restaurant zur Fischsuppe "Manhattan Clam Chowder" oder in die kleine Montauk Brewing Kneipe machen, um ein Craftbeer zu trinken.

Dort kommt man gleich ins Gespräch mit New Yorkern über die aktuelle politische Situation. Mit grimmiger Entschlossenheit sagen Samatha, Dino und Matthew einen Satz, der viel über den Geist verrät, der hier weht: "Wir wollen diesen Präsidenten loswerden."

Mehr Informationen:
Long Island Tourism
www.discoverlongisland.com
Anreise:
Ab New York mit dem Airtrain von JFK und den Vorortzügen der Long Island Railroad (LIRR). Bus und Fähre ab Manhattan.
Günstig wohnen:
Southampton Inn
www.southamptoninn.com
Luxuriös wohnen:
The Menhaden, Greenport
www.themenhaden.com
Beste Reisezeit:
Herbst, Frühjahr, Sommer

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