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Mexikos Touristenhochburg: Patrouille in Cancún

Inzwischen tragen die Drogenkartelle ihren Krieg vor den Augen der Urlauber aus - 23.11.2019 07:37 Uhr

Nach einer Schießerei in einem Nachtclub sollen Polizisten am Strand Sicherheit vermitteln. © Foto: STR/afp


Wenn man von der Stadt Cancún in die Hotelzone fährt, fällt der Blick zur Linken auf die neu errichteten Hochhäuser von Puerto Cancún, einem Nobelviertel mit teuren Apartments und Villen, Yachthafen, Hotel, einem Golfplatz und einer großen Shopping-Mall direkt am Meer. Es sind die stolzen Symbole einer scheinbar ewig boomenden Stadt in der mexikanischen Karibik, die sich in knapp 50 Jahren quasi aus dem Nichts zu einer der meistbesuchten Städte der Welt entwickelt hat und mittlerweile gut eine Million Einwohner zählt. Mit mehr als 6,2 Millionen Urlaubern liegt sie noch vor touristischen Hotspots wie Berlin, Florenz, Athen oder Orlando.

Doch schon ein paar Kilometer weiter zeigt sich, dass die Urlauberhochburg ein ernstes Problem hat. Schwerbewaffnete Polizisten und Soldaten kontrollieren, wer in die Hotelzone fährt. Hellhäutige Europäer und Nordamerikaner werden durchgewunken, Mexikaner werden überprüft. Zu groß ist die Angst, dass es in der rund 25 Kilometer langen Hotelzone mit mehr als 35 000 Gästezimmern, Bars, Restaurants, Diskotheken und Einkaufszentren einen Angriff mit Todesopfern unter den Touristen gibt. Dazu ist der Tourismus ein viel zu wichtiger Devisenbringer und eine Jobmaschine.

Ausländische Touristen noch nicht betroffen

Brutale Überfälle mit Toten sind in der Urlauberhochburg mittlerweile alltäglich. Im vergangenen Jahr kamen dabei 547 Menschen ums Leben – Cancan steht in der Liste der gefährlichsten Städte der Welt auf dem 13. Platz. Ausländische Touristen sind 2018 bei den Attacken jedoch nicht ums Leben gekommen. Dabei ist die Sicherheit im internationalen Tourismus enorm wichtig.

Die mexikanische Regierung hat daher die Zahl der Sicherheitskräfte in Cancún stark erhöht. Es tobt ein immer härterer Drogenkrieg zwischen den zahllosen Kartellen. Im vergangenen Jahr starben mehr als 34 000 Menschen eines gewaltsamen Todes. Hinzu kommen die vielen Vermissten, die oft erst nach Jahren irgendwo verscharrt aufgefunden werden und erst dann in die Statistik einfließen. Und auch der neue mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador, der mit großen Hoffnungen der Bevölkerung in sein Amt eingeführt wurde, hat noch keine Lösung für die ausufernde Gewalt im Land gefunden.

Wie schnell der Abstieg von einem touristischen Superstar zu einer Stadt, die allenfalls noch für Einheimische attraktiv ist, gehen kann, können Cancúns Hotelmanager im eigenen Land sehr genau beobachten, indem sie einfach an die Pazifikküste nach Acapulco schauen. Der malerisch gelegene Ort war einst ein Treffpunkt der Reichen und Schönen, doch inzwischen verirren sich kaum noch ausländische Besucher nach Acapulco – denn die Pazifikmetropole ist mittlerweile die zweitkriminellste Stadt weltweit (nach Tijuana im Norden Mexikos). Die meisten Urlauber kommen mittlerweile aus der knapp 400 Kilometer entfernten Metropole Mexiko-Stadt und reisen mit dem Auto an, um ein paar Tage am Meer zu verbringen.

Ein Hubschrauber fliegt über Los Cabos. © Foto: Juan Carlos Buenrrostro/EFE/SSP/dpa


Von dieser Entwicklung ist Cancún noch immer ein ganzes Stück entfernt. Der Flughafen dort zählte im vergangenen Jahr rund 25 Millionen Passagiere. Doch auch hier zeigen sich erste Bremsspuren, denn das Wachstum 2018 war lange nicht mehr so stark wie in den Jahren zuvor.

In der eigentlichen Stadt Cancún, die rund 30 Autominuten von der Hotelzone entfernt liegt, zeichnen sich zudem deutliche Spuren des Niedergangs ab. In der Avenida Yaxchilán – einst eine sehr belebte Straße mit vielen Bars und Restaurants – haben nur noch wenige Gaststätten geöffnet. Vor einem der einst beliebtesten Taco-Restaurants steht inzwischen ein Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes mit einem Gewehr im Anschlag. "Das zeigt sehr deutlich, wie es jenseits aller offiziellen Propaganda um die Stadt steht", sagt María Flores Méndez (Name geändert), eine bekannte Journalistin, die seit über 20 Jahren in Cancún lebt und sich vor allem mit touristischen Fragen beschäftigt. "Niemand scheint eine Lösung zu haben, wie man das Problem wirklich in den Griff bekommen könnte", beklagt Flores Méndez.

Die Hotelzone blieb bislang verschont

Dass auch die Touristen selber zur Drogenproblematik beitragen, ist ein offenes Geheimnis. Viele junge Gäste aus den USA fühlen sich davon angezogen, dass sie in Mexiko bereits mit 18 Jahren Alkohol trinken und in Cancún relativ problemlos Drogen kaufen können. "Deswegen blieb die Hotelzone, in der fast alle ausländischen Touristen untergebracht sind, wohl bislang weitgehend von Angriffen verschont, denn die Kartelle wollen sich ja nicht den eigenen Markt kaputtmachen", mutmaßt die Journalistin. Aber das sei natürlich keine Garantie, dass dort auch künftig nichts Gravierendes passiere.

Zudem würden selbst viele langjährige Bewohner der Stadt darüber nachdenken, Cancún zu verlassen. "Zum einen gibt es nicht mehr so viele Jobangebote wie früher, zum anderen ist die Lebensqualität für die ganz normalen Bürger durch die inzwischen alltägliche Gewalt enorm gesunken", sagt Flores Méndez. Zahlreiche Cancúnenser seien daher bereits ins nahe Yucatán mit der Hauptstadt Mérida umgezogen – statistisch der sicherste Bundesstaat in ganz Mexiko.

Dies soll laut diversen Gerüchten nicht zuletzt daran liegen, dass in Mérida die Familien vieler Drogenkartellbosse in Frieden leben wollen – eben jener Kartelle, die den Menschen in Cancún das Leben so schwer machen. "Es ist wirklich allerhöchste Zeit, dass der Drogenkrieg unter Kontrolle gebracht wird. Wenn das nicht rasch gelingt, blicken die Stadt und alle, die hier leben, düsteren Zeiten entgegen", mahnt Flores Méndez.

Mehr Informationen:
Visitmexiko Berlin
www.visitmexico.com/de
Anreise:
Condor bietet in der Wintersaison 2019 / 2020 ab Frankfurt und München Nonstopverbindungen nach Cancún, Lufthansa fliegt nonstop ab Frankfurt. Die Flugzeit beträgt je circa zwölf Stunden.
Günstig wohnen:
Hotel Casa Maya, Cancún
www.casamaya.com
Luxuriös wohnen:
The Ritz-Carlton, Cancún
www.ritzcarlton.com/de/hotels/mexico/Cancun
Beste Reisezeit:
Zwischen November und März mit angenehmen Temperaturen zum Baden und für Besichtigungen.

Jörg-Michael Weiß

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