Mittwoch, 19.02.2020

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Mit Bier baden: Sächsische Schweiz ist ein beliebtes Winterziel

Im Winter haben Besucher die Gegend um das Elbsandsteingebirge fast für sich - 28.12.2019 08:00 Uhr

Selten ist die Basteibrücke so menschenleer wie jetzt im Winter. © BSKT


Es ist ein magischer Moment, wenn die Sonne durch den Hochnebel bricht und den Falkenstein mit Licht besprenkelt. Rot leuchten plötzlich die Jacken der Kletterer auf, die die steile Wand nach oben keuchen. Rot und gelb und grün.

Der Falkenstein ist ein beliebtes Ziel, auch im Dezember. Und, wenn es das Wetter zulässt, bestimmt auch im Januar. Hier, behaupten die Einheimischen aus dem nahegelegenen Bad Schandau, sei die Wiege des Freikletterns. Zumindest aber haben es die Sachsen in ein Regelwerk gefasst. Mindestens zehn Meter hoch muss der Fels reichen, frei muss er stehen, ein Gipfelbuch auf seinem erhabenen Haupt tragen und in den Führern eine Route verzeichnet sein, die hinaufführt auf den Stein.

Mit Bio-Hopfenkaltschale im dampfenden Wasserkessel in Schmilka im Elbtal. © Roland Englisch


Es lässt sich freilich auch unten sehr gut aushalten. Jetzt, in der ruhigen Zeit, entfaltet die Sächsische Schweiz gleich hinter Dresden ihren ganz eigenen Charme. Der stetige Wind und die kalten Nächte haben das Laub aus den Bäumen gefegt – die bizarren Formationen des Elbsandsteingebirges können sich nicht mehr verstecken. Das sei einen Besuch im Winter allemal wert, sagt unsere Führerin. Und fügt dann etwas kryptisch hinzu: "Wenn Sie allerdings zum Baden gekommen sind, sind sie hundert Millionen Jahre zu spät dran."

Baden hätte nicht wirklich auf der Tagesordnung gestanden bei einstelligen Temperaturen und Wind. Außer vielleicht drüben in Schmilka, jenem kleinen Fachwerkdorf, das zu DDR-Zeiten untergegangen ist als Grenzort zu Tschechien. Und das Sven-Erik Hitzer nach der Wende zu neuem Leben erweckt hat.

Hitzer, 55, ist ein umtriebiger Mensch, einer, der mitreißen kann mit der Wucht seiner Ideen. Oder verstören, weil sein Schwung so groß ist, dass er durch das Elbtal fegt wie ein Sturm. Der in den 1990er Jahren die alte Mühle aus ihren armseligen Trümmern wieder auferstehen ließ. Um sie herum hat er ein Feriendorf gebaut, aus den alten Elbvillen, den Fachwerkhäusern, alles auf Bio und regional getrimmt, elektrosmogfrei, mit eigener Bäckerei und Brauerei und Hotel und Restaurant.

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Winterzauber in der Sächsischen Schweiz

Die meisten kennen, wenn überhaupt, das Elbsandsteingebirge und die Sächsische Schweiz nur im Sommer. Dabei entwickelt die Gegend hinter Dresden auch im Winter ihren ganz eigenen Charme. Und für die, die etwas Ruhe in der Natur zum Entspannen suchen, ist der Nationalpark ideal.


Eine Bio-Dusche von innen

Hier baden wir tatsächlich draußen in den Zubern auf der Veranda, befeuert mit Holz, erhitzt auf kuschelige 40 Grad, innerlich beduscht mit Bio-Bier, was angeblich auch äußerlich angewendet sehr gesund ist. Die Sauna bietet einen Blick über die Mühle hinunter ins Elbtal, ein Ort zum Innehalten. Hitzer freilich rastet nicht, sondern dehnt sein Reich immer weiter aus, die mäandernde Elbe hinunter Richtung Dresden, stets das Große im Blick wie die Festung Königstein, auf der er das Restaurant nun bewirtet. Oder jene Residenz, in der er mit seinem Sohn eine edle Schokoladenfabrik aufziehen will.

Baden ließe sich auch in der Elbe, die hier zwar nicht tief gründet, aber schon eine enorme Zugkraft gen Dresden entwickelt. Doch das hat die Führerin eingangs nicht gemeint. Sie hatte vielmehr die Kreidezeit im Blick, als die Winter warm waren und in Sachsen ein Meer war.

Historischer Fingerzeig in der Landschaft: Von Bad Schandau führt ein Aufzug hinauf aufs Elbe-Hochufer. © BSKT


Lange her. Heute leidet die Gegend unter Wassermangel, jedenfalls im Sommer. Und unter einem ziemlichen Druck der Touristen, auch im Sommer. Dann kommen sie aus Dresden und der ganzen Welt und drängen sich durch die Ortschaften oder über die Brücken der Bastei, jener atemberaubenden Felsformation hoch über der Elbe, die einst Raubrittern als Rückzugsort diente und dem Maler Kaspar David Friedrich als Vorlage.

Jetzt im Winter ist die Bastei zwar nicht verwaist, aber doch entschieden entspannter. Der Blick, sie erwähnen es auch hier, sei gerade jetzt sensationell, weil kein Laub die Sicht versperrt auf die Felsen und Tafelberge, erst grob vom Meer geformt, danach über Jahrmillionen von Regen, Sonne, Frost und Wind vollendet. Der bläst konsequent auch in die Boofen, natürliche Unterstände aus Fels, von denen es ein paar hundert gibt in den Tiefen des Nationalparks.

Sich an der puren Natur erfreuen

In denen wollen tatsächlich viele übernachten, sommers wie winters. So viele, dass die Nationalparkverwaltung darum bittet, die Leute mögen der Natur zuliebe auf dieses Outdoor-Vergnügen verzichten. Zur Sicherheit haben sie die meisten Boofen gesperrt und nur noch 58 zum Übernachten freigegeben – so viele wie gerade noch vertretbar.

Hierher kommen die, die die Einsamkeit des Nationalparks suchen. Die stundenlang über die zahllosen Wanderwege streifen, die Tafelberge umrunden, die schroffen Täler durchschreiten, ohne dass ihnen alle paar Meter Menschengruppen entgegenkommen. Die sich an der puren Natur erfreuen, keine 40 Kilometer hinter Dresden. Die die Nebelstille mögen, diese leise rauschende Ruhe, wie sie nur der Winter kennt. Und die es erst abends in die Hotels zieht, an die Kamine, in die Badezuber und Saunen.

Mehr Informationen:
Tourismusverband Sächsische Schweiz
www.saechsische-schweiz.de
der die Reise unterstützte.
Anreise:
Mit dem Auto ab Nürnberg bis Schmilka rund 360 Kilometer in vier Stunden, mit der Bahn ab Nürnberg bis Schmilka über Dresden, mindestens fünf Stunden.
Günstig wohnen:
Pension Grenzeck
www.pension-grenzeck.de
Luxuriös wohnen:
Bio-Hotel Helvetia
www.hotelhelvetia.eu/hotel-helvetia
Beste Reisezeit:
ganzjährig

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