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Mountainbiken an der Sellaronda: Eine runde Sache

Das Südtiroler Bergmassiv ist bei Radlern noch unbekannt - zu Unrecht - 31.05.2019 10:55 Uhr

Ein Teil des Trails führt über das Grödnerjoch. © Daniel Geiger/IDM Südtirol


Aus der Steinernen Stadt grüßen mollige Murmeltiere. Gelangweilt lassen sie sich in dem Labyrinth aus Felsblöcken unter der imposanten Südostwand des Langkofels in Südtirol die Sonne auf den Pelz scheinen. Aber sie haben unsere Geschwindigkeit unterschätzt und brechen in pfeifende Panik aus, als wir plötzlich ganz nahe sind. An flinke Radfahrer sind die Tiere nicht gewöhnt. Obwohl wir in einer der beliebtesten Ferienregionen im Herzen der Dolomiten unterwegs sind und eine Tour absolvieren, die den klangvollen Namen Sellaronda trägt, sind wir allein auf weiter Flur. Andere Mountainbiker? Fehlanzeige.

Dabei hält der Name Sellaronda (Runde ums Sellamassiv), was er verspricht. Vier Pässe auf zwei Rädern. Lange Downhills und Flowtrails. Sämtliche Bergbahnen nehmen die Mountainbikes huckepack, und so bleiben nur ein paar Mini-Anstiege. Wer es wissen will, pickt sich die schweißtreibenden Anstiege raus. Nur Hardcore-Biker wagen es, ohne Liftticket an den Start zu gehen, schließlich sind bis zu 58 Kilometer und 4000 Höhenmeter zu bewältigen.

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Der Biker ist gefordert, aber nicht überfordert, und das liegt am mehrgleisigen Konzept sowohl bergauf als auch bei der Abfahrt. Wer einen Trail zu heikel findet, kann fast immer eine Umfahrung nutzen. In vielen Fällen hat man die Wahl zwischen roten und blauen Abfahrten, wie man sie vom Skifahren kennt. Im schlechtesten Fall muss der Biker kurzzeitig auf Autostraße oder Wanderweg ausweichen. In Südtirol gibt es keine Regeln oder gar ein Gesetz, das das Biken einschränkt. Gemeinden wie Belluno und Trient können jedoch Strecken sperren, wenn Konflikte mit Wanderern drohen.

Trotzdem gilt auf der Sellaronda: Wer ein bisschen Übung hat, kann sich unbekümmert dem Fahren widmen. Richtig schwere Singletrails gibt es nur selten. In jüngster Zeit entstehen vermehrt Flowtrails. Wie der Name sagt, wird beim "fließenden Fahren" auf natürliche oder gar künstliche Hindernisse verzichtet, um eine genussvolle Abfahrt zu ermöglichen. Kurzum: Die Sellaronda zählt zweifelsfrei zu den schönsten Bike-Runden der Alpen.

Kaum Werbung für die Tour

Doch warum sind dann nur vereinzelt Biker auf den Trails zwischen Grödnerjoch, Sellajoch, Pordoijoch und dem Campolongo-Pass unterwegs? Die Antwort überrascht: Die Südtiroler, sonst Marketing-Genies, machten bisher kaum Werbung für die Tour. Erst seit 2016 können Besucher einen Tagespass kaufen, der an allen Bergbahnen gültig ist und mit dem die Strecke auch ohne Guide zurückgelegt werden kann.

Seither geben Bergbahnen und Kommunen Gas, um die Mountainbiker endlich auch in die Dolomiten zu locken. Leuchtendes Beispiel ist Alta Badia: Am Piz Sorega ist ein neuer Park mit Downhill-Trails entstanden ist. Im Tal östlich der Sellagruppe wurden zudem "Activity Parks" mit Pumptracks und Trails gebaut und E-Bike-Sharing eingeführt. Hardcore-Biker kämpfen seit Jahren dafür, die Dolomitenpässe im Sommer für motorisierte Fahrzeuge zu sperren.

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Der Burz-Trail zum Ende der Sellaronda ist der schwierigste Abschnitt und verlangt uns jetzt vollen Körpereinsatz ab. Auf der anspruchsvollen Route rollen wir über Blockgestein, dann warten enge Serpentinen bergauf.

Wir legen eine Pause ein, um die Marmolata samt Gletscher im Süden zu bestaunen. Im Norden thront der Sella-Gebirgsstock mit seinen steilen Flanken und dem kecken Spitz, der oben aus dem riesigen Plateau wächst. Mit 3152 Metern gehört der Piz Boè zu den mächtigsten Gipfeln der Südtiroler Bergwelt.

Auf jedem Abschnitt der Sellaronda begegnen dem Biker mindestens ein eindrucksvoller Dolomiten-Star wie Langkofel oder Lagazoi. Doch Vorsicht: Vor lauter Staunen verpasst man schnell mal die eine oder andere Abzweigung. Ohne Karte hat man keine Chance, die Sellaronda zu bewältigen. Nur selten taucht ein Pfeil auf, um den richtigen Weg zu weisen. Wer falsch abgezweigt ist, muss hoffen, dass andere Biker vorbeikommen, die wissen, wo es lang geht. Aber das kann länger dauern. Denn oft ist der Mountainbiker wirklich sehr sehr lange allein auf weiter Flur.

Mehr Informationen:
Alta Badia Brand
www.altabadia.org
das die Reise unterstützte.
www.sellaronda-mtb.com
Anreise:
Mit dem Auto von Nürnberg 460 Kilometer über München und Innsbruck nach Corvara/Kurfar.
Günstig wohnen:
Hotel Störes
www.hotelstores.it
Luxuriös wohnen:
Hotel La Perla
www.hotel-laperla.it
Beste Reisezeit:
Ab Mitte Juni öffnen die Bergbahnen, Sommerbetrieb bis Mitte Oktober. 

Christian Schreiber

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