Donnerstag, 17.10.2019

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MS Astor im Kattegat: Klassiker auf See

Diese Schiffsreise rund um Dänemark verläuft ohne irre Superlative. - 06.07.2019 08:00 Uhr

Auf dem Oberdeck sonnen sich die Passagiere vor dem Hafen Göteborgs. © Andreas Dalberg


Es sind nicht einmal 550 Passagiere, die sich am Hafen in Wismar einfinden, der Check-in ist rasch erledigt. Das Schiff legt ab, lässt das Nebelhorn dröhnen, geht auf einwöchige "Kattegat"-Kreuzfahrt um Dänemark und nach Schweden und Norwegen. Auf dem Promenadendeck blicken Gäste beim Willkommenscocktail zum Festland zurück.

Andere richten sich in ihren Kabinen ein oder erkunden das Schiff, das noch den Charakter des Baujahrs 1987 ausstrahlt: Decken, Böden, Mobiliar — das Innere ist in dunklen Tönen gehalten. An den Wänden: Ölgemälde. Ein ernster Tolstoi, ein nachdenklicher Puschkin. Die Atmosphäre auf den sieben Decks: beschaulich. Nirgends Gedränge, kein Lärm. Das wird sich während der Reise nicht ändern – auch, weil die Passagiere meist Senioren sind.

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Kattegat-Kreuzfahrt mit der Astor

Eine Woche lang im Kattegat unterwegs, nach Schweden und Norwegen, dann zurück nach Hamburg. Das Schiff: die "Astor", die noch noch das klassische Kreuzfahrterlebenis bietet.


Nachts wird gefahren, morgens erwacht man im Hafen von Malmö, geht auf Landausflug und entdeckt die Architektur der drittgrößten Stadt Schwedens. Zeitdruck herrscht nicht; erst um 19 Uhr heißt es wieder "Leinen los".

Die Astor stammt aus einer Kreuzfahrtzeit, in der Wert auf ein gediegenes Reiseerlebnis gelegt wurde. So kommen viele elegant zum Abendessen und lassen sich beim Menü bedienen. Freunde des Legeren speisen im Buffet-Restaurant ein Deck höher. Es gibt Rote-Beete-Carpaccio, pochierten Steinköhler und erfrischendes Sorbet. Anspruchsvolle Kulinarik.

Wenig Tiefgang, viele Möglichkeiten

Weil die Astor mit ihren 176 Metern Länge vergleichsweise klein ist und wenig Tiefgang hat, kann sie Routen fahren und Häfen ansteuern, die Kreuzfahrtriesen verwehrt bleiben. Sie schlüpft durch den Nord-Ostsee-Kanal und legt mitten in Göteborg an. Hier geht man von Bord, überquert eine Fußgängerbrücke und ist bald im Altstadtviertel Haga oder an der Prachtstraße Kungsportsavenyn.

Schließlich Ankunft im Hamburger Hafen, beim Hafenfest. Die Kreuzfahrt-Beschaulichkeit ist vorüber. Jetzt wird erstmal gefeiert... © Transocean


Zeit für Entspannung auf einer Sonnenliege an Deck. Am Pool gibt es keine Menschenmassen, man wird nicht laufend durch Unterhaltungsprogramm gestört. Andere Passagiere vertreiben sich den Nachmittag im Spielezimmer, schmökern in der Bibliothek oder vertiefen ihre Kenntnisse über Land und Leute beim Vortrag eines Lektors. Auch Bildung spielt bei einer traditionellen Kreuzfahrt eine Rolle, und so erfahren die Passagiere auch auf anderen Reisen etwa um die Welt, nach Grönland, St. Petersburg oder ans Nordkap viel über diese Ziele.

Galaabend. Der Kapitän fehlt. Er ist auf der Brücke, muss das Schiff zurück ins Kattegat steuern, ins Meer vor Schwedens Westküste, das schwierig zu befahren ist. Auch auf Eisbombe und Wunderkerzen wird verzichtet. Aber solche Abende, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, gibt es durchaus noch auf der Astor, zumal bei längeren Reisen.

Dem Meer noch nah

Nach dem Essen inszeniert die Crew die "große Abba-Show" und kompensiert auf der Bühne mit Routine das Meeresschaukeln. Die kleinere Schiffsgröße geht nämlich einher mit dem Charme, dass man hin und wieder den Seegang spürt. Hier ist man dem Meer noch nah.

Das größte Plus? "Die familiäre Atmosphäre", sagt Petra Holzer (58) aus Bruchsal, Stammgast seit Jahren. Weil das Bordleben überschaubar ist, lernen sich Passagiere schnell kennen. Mehr noch: Bei einem Anteil von über 60 Prozent an Stammgästen sind viele längst per Du. Von der Anonymität einer Massen-Kreuzfahrt ist nichts zu spüren. Diesen Charakter, den gerade die ältere Klientel schätzt, haben sich auch andere Schiffe bewahrt. Die "Hamburg", die "Albatros", die "Ocean Majesty" oder auch die "Deutschland", das TV-"Traumschiff".

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Mit der MS Astor auf Tour zwischen Dänemark und Helgoland

Die Deutschen lieben die kleine, gemütliche MS Astor. Hier spürt man noch echte Traumschiff-Atmosphäre. Kleine Destinationen stehen auf dem Programm: Esbjerg in Dänemark, Sylt und Helgoland.


Aber natürlich gibt es auch Schattenseiten bei einem älteren Schiff: Die Kabinen sind hellhörig; und die Ausstattung der Astor, die zwar tadellos gepflegt ist, ist nicht immer auf dem neuesten Stand. Das WLAN etwa lehrt Geduld.

Die Senioren warten oft auf den nächsten Hafen, um ihre Smartphone-Fotos an die Enkel zu senden. "Macht aber nichts", sagt ein 81-jähriger Passagier. "Ich habe ja Zeit."

Die Passagiere bekommen auf der Reise ein entspanntes Verhältnis dazu, völlig entschleunigt kommen sie am Ende in Hamburg an.

Mehr Informationen:
TransOcean
www.transocean.de,
die die Reise unterstützten.
Anreise:
Auto ab Nürnberg nach
Bremerhaven 640 Kilometer. Zug ab Nürnberg über Hannover 6,5 Stunden.
Kabinen:
Drei Kabinen-Decks mit zehn verschiedenen Kabinenkategorien (ab 13 Quadratmeter).
Beste Reisezeit:
Wärmere Monate ab Mai
 

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