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Nerviger Alpen-Rummel? Hier finden Sie endlich Ruhe in den Bergen

Zwei Täler im Schwarzwald sind dank dieser Tricks eine echte Wander-Alternative - 01.08.2020 08:00 Uhr

Wie in den Alpen, nur völlig unberührt - zwei Kühe liegen auf einer Alm oberhalb von Elzach-Oberprechtal.

© Matthias Niese, NN


Jeden Samstag früh um sechs schiebt Hubertus Disch die Buchenscheite in den Holzofen und zündet sie an, hell lodern die Flammen und bringen ihn in ein paar Stunden auf Betriebstemperatur. Ob die Hitze fürs Bauernbrot stimmt, zeigt ihm ein Trick, den schon seine Ururururur-Großeltern am Backtag auf dem stolzen Schwarzwaldhof bei Yach angewendet haben: Sie warfen etwas Mehl in die Ofenluke. Verkohlt es zu schwarzem Staub, ist es zu heiß, bleibt es liegen und verfärbt sich leicht bräunlich, ist die Temperatur fürs Bauernbrot genau richtig.

Dann schiebt Lioba Disch gut 20 Brot-Teiglinge hinein und backt nach überliefertem Rezept rustikales Bauernbrot für ihre Familie und die Gäste, die den 11 Kilometer langen Brotweg entlangwandern und in ihrer Vesperstube in diesem Seitental des Elztales auf eine zünftige Brotzeit einkehren. Auf dem Brettchen liegen dann hausgemachte Würste, Schwarzwälder Schinken, Speck und Käse aus der Region, dazu serviert sie auf Wunsch einen Liter Apfelmost im Krug.

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In diesem Schwarzwald-Tal entfliehen Sie dem Rummel auf den Bergen

Einfach wanderbar und ohne Trubel ist diese alpin anmutende Region im Elztal rund um die Orte Waldkirch, Elzach und Simonswald.


Nur 15 Kilometer nordöstlich von Freiburg im Breisgau liegen im Zwei-Täler-Land um Waldkirch, Elzach und Simonswald auf diesem von Wanderbares Deutschland zertifizierten Qualitätsweg fünf Bauernhöfe, die die uralte Tradition des Brotbackens pflegen. In so einem Hof lebten und leben mehrere Generationen, auch die Familien der Tagelöhner und Knechte mussten versorgt werden.

Das regelmäßige Brotbacken war über Jahrhunderte Teil des Lebens und ein aufwändiger Prozess: Fünf Stunden dauerte es, bis die fertigen, duftenden Laiber herausgezogen werden konnten. In der verbliebenen Ofenhitze dörrten die Bauern dann noch Obst, um es haltbar zu machen.

All diese Geschichten erzählt Lioba Disch gerne den neugierigen Wanderern, die soeben in großem Bogen zwischen Vorder- und Hinterzinken durch dichten Urwald, Fichtenbestände und über Blumenwiesen voller Kühe gewandert sind und sich fast in den Alpen wähnen. Immerhin 1241 Meter ist der nahe Kandel hoch, der höchste Berg des mittleren Schwarzwaldes. Überall an den Hängen stehen hier Kühe, Ziegen und Schafe, und auch die alten Höfe haben mit ihrem dunklen Holz, den riesigen Balkonen und dem Blumenschmuck etwas alpenländisches an sich.

Statt Touri-Kinkerlitzchen tiefe, stille Natur

Die Alpen werden allerdings gerade von Touristen überrannt, denen die Ziele in anderen Ländern abhanden gekommen sind. Auch der Schwarzwald hat seine touristischen Hotspots in Hinterzarten, an den Triberger Wasserfällen, auf dem Feldberg oder am Titisee, wo sich die Urlauber auf ihrem Weg zu den Sehenswürdigkeiten an Souvenirshops voller Kuckucksuhren und bollerbehüteter Schwarzwaldmädelpuppen vorbeischieben müssen. All diese Kinkerlitzchen gibt es hier im Zwei-Täler-Land zum Glück nicht. Der Schwarzwald ist dort genauso schön, nur tiefer, stiller, echter.

Den berühmten Schinken zum Bauernbrot kauft man hier nicht im Souvenirshop, sondern bei einer der Landmetzgereien, von denen einige laut stolz hergezeigter Urkunde an der Kachelwand zu den besten Deutschlands gehören. Hauchzart geschnitten zerfließt er fast auf der Zunge und gibt seine feinen Aromen von Rauch und Gewürzen ab. So frisch und fein bekommt man ihn sonst nirgends.

Gerade in diesen Zeiten sind hier alle gut aufgehoben, die heuer einfach mal in Deutschland bleiben, aber auf zertifizierten Rundwanderwegen wandern und auch mal in einer urigen Hütte einkehren möchten. Der Tourismusverband hat eine Broschüre mit 29 Touren-Vorschläge von leicht bis schwer aufgelegt, die etwa in alpinen Lagen mit Fernsicht bis zu Vogesen und in die Alpen um den Gipfel des Kandel, aber auch ab Simonswald zu klappernden Mühlen oder bei Oberprechtal zu Felsenkanzeln führen.

Von Burg bis Zoo: Waldkirch ist voller Attraktionen

Zentral in der Region liegt das vitale Städtchen Waldkirch mit Stadtsee, einem hübschen Park und einer Burg, die über dem Talkessel thront. Wer Kinder im Gepäck hat, besucht hier den Schwarzwaldzoo, das nagelneue, schicke Schwimmbad oder den Baumwipfelpfad. Abends sollte man das Bier der Hirschenbrauerei probieren, das in der Brauereigaststätte im Zentrum, aber auch in einem hübschen Biergarten direkt neben dem Brauereigebäude ausgeschenkt wird.

Einige der Attraktionen im Zwei-Täler-Land sowie alle öffentlichen Verkehrsmittel im Schwarzwald sind mit der Konus-Karte kostenlos. Die erhält jeder, der hier ein Quartier bucht und selbt dann, wenn er nur sein Wohnmobil auf dem Stellplatz Elzwiesen in Oberprechtal gegen geringe Gebühr über Nacht parkt.

Blick von der Burg hinunter auf das vitale Städtchen Waldkirch. Hier können Familien gleich ein paar Tage verbringen, denn es gibt einen Zoo, ein neues Freibad, einen Baumwipfelpfad und für die Eltern eine Brauereigaststätte. 

© Matthias Niese, NN


Nicht enthalten in der Karte ist der Besuch des Freilandmuseums Vogtsbauernhof im benachbarten Gutach im Kinzigtal. Trotzdem sollte man es gerade bei schlechtem Wetter besuchen. In mehreren alten Schwarzwaldhöfen, die abgetragen und hier wieder aufgebaut wurden, sieht man, wie die Menschen in den letzten Jahrhunderten wohnten, lebten und arbeiteten. Wer dann all die Geschichten, die die Höfe erzählen, kennt, versteht auch, welche Bedeutung die Tradition des Brotbackens für die Menschen im ländlichen, unbeleckten Teil des Schwarzwaldes bis heute hat.


Mehr Informationen:
ZweiTälerLand Tourismus
Anreise:
360 Kilometer ab Nürnberg in knapp vier Stunden mit dem Auto über Karlsruhe, mit dem Zug wegen coronabedingten Einschränkungen sehr umständlich - ab sieben Stunden über Frankfurt/Main. Bitte immer aktuell auf der Seite der Bahn abfragen.
Wandertipps:
Die schönsten Touren versamelt die Wander-Seite des ZweiTälerLandes.

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