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Neuseeland: Mit dem Camper ans Ende der Welt

Die Südinsel ist das ideale Ziel für individuellen Urlaub - 06.04.2019 07:06 Uhr

Ein Stopp mit dem knallbunten Camper an der East Coast. © Brigitte Bonder


Schon am frühen Morgen zieht eine Schafherde mit lautem Blöken am Campingplatz vorbei und übertönt für ein paar Minuten das Rauschen der Wellen, die an den breiten Strand rollen. Sonnenstrahlen blitzen am Rande der Rollos vorbei. Neugierig öffnet Susanne Maier die Tür ihres gemieteten Wohnmobils. Draußen taucht warmes Licht die Hügel in sanftes Grün und die frische Meeresluft lockt die Urlauberin sofort ins Freie. Flink spaziert sie die wenigen Meter hinab zur Cable Bay und blickt über das glitzernde Wasser.

Wo Neuseelands Südinsel im späten 19. Jahrhundert erstmals mit einem Überseekabel an die Welt angebunden wurde, zupfen heute einige Schafe an den Grashalmen. Eine vorwitzige Kuh hat sogar einen der umliegenden Gipfel erklommen. Plötzlich wird die Ruhe von einem Klappern unterbrochen, denn Thorsten Maier serviert seiner Frau Kaffee und Toast direkt am Strand.

Viele Campingplätze liegen direkt am Meer und alle, die Küche und Bad an Bord haben, können dank des Konzept "Okay2Stay" bei ausgewählten Winzern, Brauereien oder Farmen kostenlos über Nacht parken. "Im Gegenzug probieren und kaufen die Gäste bei den über 130 Erzeugern im ganzen Land feine Weine, Olivenöle oder frische saisonale Produkte", erläutert die Unternehmerin Coleen Hammond ihre Idee. "Das ist ein Gewinn für beide Seiten."

Über 51 Kilometer von Strandbucht zu Strandbucht

Auch Susanne und Thorsten Maier haben auf ihrer Reise von der Gartenstadt Christchurch hinauf zur Golden Bay das Angebot des Weinguts Framingham in Neuseelands Weinregion Marlborough genutzt und sich für den Urlaub mit dem typischen Sauvignon Blanc versorgt. Ab sofort steht nur noch Natur auf dem Programm. Von der Cable Bay geht es im Linksverkehr zum Kaiteriteri Beach Campingplatz, der nur durch eine wenig befahrene Straße vom breiten Sandstrand getrennt ist.

Hier beginnt der berühmte Abel Tasman National Park mit seinen felsigen Hügeln, feinen Sandstränden und kristallklarem Wasser. Höhepunkt ist der 51 Kilometer lange Küstenweg, der die zahllosen Buchten verbindet und die Touristen zu tagelangen Wanderungen einlädt.

Wer nicht so viel Zeit hat, bucht eine Tagestour bei "Kaiteriteri Kayaks" und gleitet zunächst mit dem Katamaran entlang der Buchten und Inseln des Nationalparks – Fotostopp am sehenswerten Fels "Split Apple Rock" inklusive. Nach einer gut zweistündigen Wanderung auf dem Küstenweg geht es dann mit Seekajaks zurück.

Nicht fehlen sollte ein Abstecher ganz in den Norden der Südinsel Neuseelands zur Golden Bay. Hier ragt die über 25 Kilometer lange Sandnadel Farewell Spit weit ins Meer hinein. Jeden Winter führt sie einige Wale in die Irre. Die ersten vier Kilometer sind frei zugänglich, weiter fährt nur der rote Allrad-Bus der Farewell Spit Eco Tours. "Haltet euch gut fest", ruft die engagierte Fahrerin Eileen und durchquert mit Vollgas die Dünen, während sich die 30 Fahrgäste krampfhaft am Vordersitz festklammern.

Dünen-Jogging für Ausflügler

Dann wird es entspannter, und der Bus rollt bei Ebbe den Strand entlang bis zum Leuchtturm. "Früher hatten wir hier noch einen Wärter, heute funktioniert alles vollautomatisch", erklärt die Neuseeländerin und serviert frische Muffins in dem ehemaligen Wohnsitz, der heute ein kleines Museum beherbergt. Auf dem Rückweg stoppt der Bus bei den Seehunden und Watvögeln. Auch Dünen-Jogging steht für die Ausflügler auf dem Programm.

Den besten Ausblick auf die beeindruckende Landzunge bietet jedoch ein Ausflug mit dem Pferd über den Dünen-Höhenpfad. Diese Tour gilt zu Recht als Neuseelands schönster Ausritt. Charlotte nimmt neben erfahrenen Reitern auch Einsteiger mit, denn die Pferde kennen die Strecke in- und auswendig und erklimmen vorsichtig die steilen Hügel.

Die Reiter müssen sich lediglich gut am Sattel festhalten und durch leichtes Vorbeugen den Pferderücken entlasten. Oben angekommen reicht der Blick weit über die eindrucksvollen Klippen bis zum Ende der weißen Sandnadel der Farewell Spit. Ein strammer Wind weht über die Hügel. Charlotte zeigt auf einige Schauplätze der "Herr der Ringe"-Filme in der Ferne, bevor die kleine Herde wieder bergab klettert.

Müde und mit schmerzenden Beinen kehren die Maiers nach dem dreistündigen Ausritt wieder zum Campingplatz zurück, auch die Wanderungen der letzten Tage stecken ihnen noch in den Knochen. Schon früh am Abend lassen sie die Rollos in ihrem Wohnwagen herunter und schlafen tief und fest, bis sie am nächsten Morgen erneut von neuseeländischen Schafen und hellen Sonnenstrahlen geweckt werden.

Mehr Informationen:
www.newzealand.com/de 

Brigitte Bonder

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