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Nordirlands mystische Orte

Es gibt gute Gründe, weshalb "Game of Thrones" hier gedreht wurde. - 10.08.2019 08:00 Uhr

Die Fans von Game of Thrones sollten diese Gegend kennen. Es ist Ballintoy Harbour alias Pyke. Theon Graufreud und seine Schwester Asha stechen in der Serie von hier aus in See. © Eva Orttenburger


Eine kühle Brise haucht übers Wasser. Die Klippen sind frühmorgens in sattes Blau getaucht. Gemächlich tuckert die "Causeway Lass" auf den Ozean. Hinter dem Boot schäumen die Wellen. Kreischende Möwen wechseln sich bei der Verfolgung des Kahns ab. Sie warten auf Futter. Noch brauchen sie Geduld.

Fischer Charlie Adjey ist auf der Suche nach einer guten Stelle zum Hochseefischen. In eine knallgelbe Regenjacke gehüllt blickt er aufs Meer hinaus. Sein weißes Haar ist vom Wind zerzaust, sein Gesicht leicht gerötet. Seit mehr als zwanzig Jahren fährt er zum Fischen auf die See hinaus. "Dort drüben treiben viele Möwen, da probieren wir es", gibt er in irischem Kauderwelsch den Teilnehmern der "Catch & Sea"-Tour zu verstehen.

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Wer einen Urlaub voller Abenteuer erleben möchte, der ist in Nordirland goldrichtig. Entlang der Causeway Coastal Route von Belfast nach Londonderry können sich Actionliebhaber in luftige Höhen, auf den Pferderücken oder aufs Wasser begeben. Ganz nebenbei zeigt sich die irische Landschaft mit steilen Klippen, grünen Tälern und feinem Sandstrand von ihrer schönsten Seite.


Etwas ungelenk lassen wir unsere Angeln ins Wasser und warten. Und warten. Mehrmals müssen wir die Position wechseln. Das Rauschen von Meer und Wind wird zum ständigen Begleiter. Wir nutzen die Zeit zum Innehalten, frieren aber bald. Also trinken wir schwarzen Tee, eine Tasse nach der anderen. Kein Fisch weit und breit.

Erst nach etwa einer Stunde zuckt die Angelschnur von Wendy Gallagher. "Ich glaube, ich hab einen", ruft die Irin aufgeregt. Mit schnellen Drehungen holt sie den Fang ein. Und tatsächlich: Am Haken zappelt eine Makrele. Endlich.

Nach einer weiteren Stunde an Bord haben wir immerhin vier Fische beisammen, genug für ein kleines Frühstück. Der Kahn tuckert zurück in den Hafen von Portrush, eine Kleinstadt mit 6000 Einwohnern direkt an der Causeway Coastal Route im Norden der Insel. Charlie Adjey filetiert die Fische an Bord mit einem scharfen Messer und wäscht das Fleisch ab. Über die ungenießbaren Reste dürfen sich die Möwen freuen.

An Land geht es zu Fuß in die Princess Street Nummer 10. Dort versorgt uns Koch Lee Gibson mit einer heißen Tasse Punsch, angereichert mit regionalem Bushmills Whiskey. Während der Fisch in der Pfanne brutzelt, wärmt der Aperitif von innen. Die hart erangelten Makrelen werden mit pochiertem Ei und Toast serviert. Das Fleisch schmeckt herrlich frisch.

Bei einem Rundgang auf der komplett erhaltenen Stadtmauer Londonderrys sieht man viele bunte Häuser. © Foto: Eva Orttenburger


Die Causeway Coastal Route zeigt mit steilen Felsklippen, grünem Weideland und unberührten Stränden die Region in ihrer ganzen Pracht. Sie führt von Belfast im Osten der Provinz durch die "Glens of Antrim" an der Küste über Portrush bis Derry-Londonderry im Nordwesten.

Wegen der landschaftlichen Vielfalt diente die Region auch als Drehort der weltbekannten Serie "Game of Thrones". Die Allee der Dark Hedges, Dunluce Castle, Downhill Beach, die Cushenden Caves und weitere Plätze trugen wesentlich zum Erfolg der Produktion bei.

Vom Massentourismus sind die Orte trotz des Serien-Hypes weitestgehend verschont geblieben. Ansätze davon kann man eher am "Giant’s Causeway" beobachten, einer Formation von 40 000 Basaltsteinen, die sich seit einem Vulkanausbruch vor 60 Millionen Jahren in Säulengrüppchen aus der Landschaft erheben. Auf dem Unesco- Weltkulturerbe turnen Touristen aus aller Herren Länder herum. Bewaffnet mit Fotoapparat und Smartphone setzen sie sich auf dem Naturwunder selbst in Szene. Mehrere Busse bringen die Massen vom Eingang direkt zur Küste. Durch die frische Luft zu wandern und dabei die Natur in vollen Zügen zu genießen, wäre für manche wohl viel zu anstrengend.

Charlie Adjey nimmt Touristen mit zum Hochseefischen und filetiert an Bord ein paar Fische. © Foto: Eva Orttenburger


Nach vier Tagen und mehreren Stationen an der Causeway Coastal Route erreichen wir Derry-Londonderry. Die zweitgrößte Stadt Nordirlands hat eine bewegte und bewegende Geschichte hinter sich. Inmitten der noch komplett erhaltenen Stadtmauer leisteten die Protestanten im Jahr 1688 Widerstand gegen den katholischen König James. Von der Mauer aus bombardierten sie Eindringlinge, die über den River Foyle kamen. Über genau diesen Fluss treiben wir am Abend in einem kleinen Boot. Beim "Moonlight Kayaking" lauschen wir dem Plätschern des Stroms. Die Lichter Derry-Londonderrys liegen hinter uns. Der schnellste Fluss Europas nimmt uns mit in den Sonnenuntergang. Wieder haucht eine kühle Brise über das Wasser – dem dominierenden Element unserer Reise.

Mehr Informationen:

Tourism Northern Ireland

www.discovernorthernireland.com, das die Reise unterstützte.

www.ireland.com

Anreise:

Flüge ab München oder Frankfurt nach Belfast mit Umstieg in London ab vier Stunden etwa mit British Airways oder Aer Lingus. Oder nach Dublin und mit dem Aircoach weiter nach Belfast. (Dauer etwa zwei Stunden)

Günstig wohnen:

Bridge B&B in Londonderry

www.bridgebnb.com

Luxuriös wohnen:

Grand Central Hotel Belfast

www.grandcentralhotelbelfast.com

Beste Reisezeit:

April bis September. Im Winter sind die Tage etwas kürzer und regnerischer. Dafür gibt es in der Nebensaison günstigere Angebote. 

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