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Oman: Wo Gastfreundlichkeit und Frieden zählen

Ein Besuch in dem weltoffenen Land ist optimal, um das erste Mal in die arabische Welt einzutauchen. - 29.02.2020 08:00 Uhr

Eingespieltes Team: Ein Trekkingguide und sein Dromedar Milha beim Sonnenuntergang über der Wüste.

26.02.2020 © Manuel Meyer/dpa


Plötzlich geht das Tor auf. Das Touristenpärchen schaut verdutzt und entschuldigt sich für seine Neugierde. Hatten die beiden doch durch einen Spalt in einen der Innenhöfe der Al-Barid-Straße, in der Altstadt von Muscat, gelugt. Der Mann in seiner schneeweißen und fein gebügelten Dishdasha, der die Türe von innen öffnete, ist ebenfalls überrascht, sagt dann aber: "Kommen Sie doch bitte herein. Ich zeige Ihnen gerne unsere Majlis." Damit ist das meist offene Wohnzimmer, oder besser der Versammlungsraum, gemeint, in dem Ernstes besprochen oder zu Heiterem gelacht wird. Die Frauen treffen sich zum Tratsch, die Männer zum Wasserpfeife rauchen. Und dem Pärchen wird ein frischer Tee offeriert.

Sultan Qabus ibn Said Al Said hatte schon vor rund 30 Jahren beschlossen, dass seine Untertanen größtmögliche Höflichkeit gegenüber Touristen an den Tag zu legen haben. Also gilt das. Natürlich auch nach seinem Tod. Der Taxifahrer antwortet, nachdem man nach dem Fahrpreis zur Großen Moschee gefragt hat: "Zehn Rial sind genug. Wenn Sie denken, das es zu viel ist, bezahlen Sie weniger." Im Souk zeigt einem der Textilwarenhändler den Weg zu einem Konkurrenten, nachdem der Kunde nicht ganz schlüssig ist. Es gibt kein Grapschen, kein Bedrängen, man hat sogar den Eindruck: Selbst das hinterste, das finsterste Eck des Basars ist der sicherste Platz der Welt.

Ein traditionelles arabisches Boot liegt im Hafen von Muscat vor Anker.

26.02.2020 © Philipp Laage/dpa


Qabus ist kürzlich im Alter von 79 Jahren verstorben. Er war knapp 50 Jahre an der Macht und ist der Schlüssel zum Oman. In Europa ausgebildet, erkannte der damals 24-jährige Rückkehrer bald, dass seine Heimat von seinem Vater im tiefsten Mittelalter gehalten wurde. Sechs Jahre später putschte er gegen den Papa und wurde 1970 der neue Sultan des Landes. In der Folge öffnete sich der Oman zwar nur langsam, aber dafür stetig. Mochte sich die Welt ringsum, besonders im nahen Dubai, im Sauseschritt verändern, im Oman dauerte alles eben ein bisschen länger. Das ist vielleicht der Grund, warum die Heimat von Sindbad, dem Seefahrer auch im 21. Jahrhundert noch immer wie aus 1001 Nacht erscheint. Man sieht hier noch Männer mit Krummdolch, tief verschleierte Frauen und Kamele, die in stoischer Ruhe die Straße überqueren. In den Basaren zwischen Musandam im Norden und Salalah im Süden klingeln aber auch die Smartphones und fast alle haben Internet.

Wer zweifelt, ob er in ein arabisches Land reisen mag, kann dies im Oman unbedenklich tut. Das Land ist so etwas wie die Schweiz Arabiens, das sich aus allen großen Krisen der Region heraushielt. Deshalb wartet auf seinen Cousin, den Thronfolger Haitham ibn Tarik al Said, die große Herausforderung, den Oman auch in Zukunft so stabil und unabhängig wie möglich zu positionieren.

Die gemäßigten Ibaditen haben keine Feinde

Dabei hilft ihm, dass im Oman noch mehrheitlich Ibaditen leben, die mit den Feindseligkeiten zwischen Sunniten und Schiiten nichts zu tun haben. Ibaditen erheben keinen Wahrheitsanspruch, gewähren Glaubensfreiheit. Mäßigung und Toleranz sind zwei wichtige Säulen ihrer Islam-Auslegung. Deshalb lassen sie sich nicht vor den Karren der sunnitischen Saudis oder des schiitischen Iran spannen, die um die Vormacht in der Region und um den wahren Glauben streiten.

Vom wuchtigen Wehrturm des Forts fällt der Blick über die Palmenhaine der Oasenstadt Nizwa.

26.02.2020 © Philipp Laage/dpa


Der Oman kann es sich sogar leisten, die Grenze zum Bürgerkriegsland Jemen offen zu lassen. Das Land hat zu keiner Nation ein feindschaftliches Verhältnis, nicht zu Saudi-Arabien, nicht zum Iran, nicht zu den USA, nicht zu Israel oder dem Jemen.

Und wer nur die Hauptstadt Muscat gesehen hat, kennt das Land nicht. Also hoch hinauf ins 3000 Meter hohe Hajar-Gebirge, dessen Berge wie Alpenkämme wirken, auf denen zehn Jahre der Regen ausblieb. Es ist ein Wunderland der Geologie, denn nirgends lässt sich ein Querschnitt durch alle Gesteinsschichten so leicht erkunden wie an dieser schroffen, steinernen Kulisse. Vom 2000 Meter hohen Bergresort "Anantara Al Jabal Al Akhdar" ist die Aussicht auf das Hajar mit seinen Canyons, Plateaus und Felsformationen sowie bewirtschaftete Terrassen besonders toll.

Nach einem langen Wüstentrekking darf das Dromedar im Meer baden.

26.02.2020 © Philipp Laage/dpa


Dattelbäume prägen Nizwa, die ehemalige Hauptstadt und älteste Stadt des Landes mitten im Hajar-Gebirge. Ihr Fort mit dem Rundturm ist unübersehbar. Keine 30 Kilometer weiter, in Bahla, ist die Enttäuschung jedoch groß: Am Weltkulturerbe Hisn Tamah, einer mächtigen omanischen Lehmfestung, sind die Türen fest verschlossen. Ein Passant bemerkt die Ratlosigkeit der Gäste und ruft: "Freitags ist die Burg schon um elf Uhr geschlossen. Warten hat keinen Sinn. Kommt mit in mein Haus. Wir trinken einen Tee."

Die letzten Hajar-Ausläufer reichen bis zur Hafenstadt Sur im Osten, dem früheren Zentrum für Sklavenhandel und Heimat der Dhaus, der typischen Segeltransporter der Region. Südlich des Hajar liegen noch einige Ortschaften wie Ibra, wo es einen Frauenmarkt gibt – mittwochs ist der Souk nur den Damen vorbehalten.

Erst tief im Süden, wo die Luft schwüler und feuchter wird, trifft man wieder auf größere Ansiedlungen. In der Dhofar-Region gedeiht der knorrige Weihrauchbaum. Die Wüste weicht tropischen Gärten mit Bananenstauden und Kokoshainen rund um Salalah, 1023 Kilometer von Muscat entfernt. Von Oktober bis Mai sonnen sich hier viele urlaubende Europäer an langen, einsamen Stränden. Und von Juni bis September "kommen gerne die Omani vom Norden, die Saudi und Emirati, denn dann ist Regenzeit. Sie genießen ihr Bierchen aus einer Teekanne und genießen gelegentlichen Nieselregen auf ihrer Haut.

Bilderstrecke zum Thema

Rätselhafter Oman: Kamele im Stau unter Weihrauchbäumen

Der Oman ist vom Tourismus noch eher unberührt, seit 2013 fliegen Chartermaschinen in das arabische Land. Wer ruhige, weiße Sandstrände, Kamele und Weihrauch mag, ist im Südoman richtig.


Mehr Informationen:

Oman Tourismus

www.omantourism.de

Anreise:

Mit Oman Air ab München in 6 Stunden.

Günstig wohnen:

Park Inn Muscat

www.radissonhotels.com

Luxuriös wohnen:

Anantara Al Jabal Al Akhdar

www.jabal-akhdar.anantara.com

Beste Reisezeit:

Im Norden ganzjährig mit warmen Wintern (um 20 bis 25 Grad) und sehr heißen Sommern (40 Grad und mehr). In den Bergen kann es kalt werden. Im Süden Badesaison von Oktober bis Mai, Regenzeit von Juni bis September.

Redaktioneller Hinweis:

Die Recherche für manche Artikel auf diesen Seiten wurde von Reiseveranstaltern, Hotels, Fluglinien oder Tourismusverbänden unterstützt. ​Informationen des Umweltbundesamts über die Möglichkeit, den CO₂-Ausstoß Ihrer Reise zu kompensieren: www.umweltbundesamt.de/themen/freiwillige-co2-kompensation

Jochen Müssig

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