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Online-Buchungen: Leider plötzlich teurer

Das blüht Ihnen, wenn Reisen aus dem Internet unerwartet und kräftig im Preis steigen - 15.02.2020 07:12 Uhr

Immer mehr Menschen buchen ihre Reise online - da müssen Sie auf Fallstricke achten. © dpa


In nicht weniger als 26 Prozent aller Buchungsanfragen ändert sich der Preis während des Buchungsvorgangs, weist die Statistik des Reisebüro-Dienstleisters Traveltainment aus. Über dessen Server laufen acht von zehn Online-Reiseverkäufen.

Da liegt die Vermutung nahe, dass Kunden über den Preis geködert werden sollen. Aber so ist es offenbar nicht. Dafür sprechen andere angezeigte Fehler: "Leider ausgebucht" heißt es eigenen Stichproben zufolge in weiteren 22 Prozent der Buchungsanfragen. Und eine nicht mehr vorhandene Reise ist nun bestimmt kein Lockmittel.

Beide Fehler zusammen bedeuten aber auch: Knapp die Hälfte aller im Web angebotenen Reisen ist zum ausgelobten Preis auch wirklich buchbar. Ein echtes Ärgernis. Was ist der Grund? Der Deutsche Reiseverband (DRV) macht bereits seit Jahren die Technik verantwortlich: Die Vertriebssysteme müssten endlich aufgerüstet werden, damit sie alle von den Veranstaltern angebotenen Reisen auch verarbeiten können.

Das ist allerdings eine Sisyphusaufgabe. Ein Großteil der Reiseangebote wird nämlich längst nicht mehr vor Saisonbeginn zusammengestellt und dann abverkauft, sondern täglich neu "dynamisch" produziert. Wo einst Hoteleinkäufer durch die Lande zogen und Kalkulatoren den Bleistift spitzten, greifen heute Computer übers Internet auf andere Computer zu und basteln so Reiseangebote ohne Ende.

Dienstleister sortieren das Chaos vor

Daraus resultiert eine Angebotsflut, die die etablierten Vertriebssysteme kaum mehr darstellen können. Die Fachzeitschrift FVW International spricht von täglich durchschnittlich 35 Milliarden Reiseangeboten, die im Internet herumschwirren. Ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass 2019 insgesamt gerade mal 37 Millionen Pauschalreisen gebucht wurden. Für jede im ganzen Jahr gebuchte Reise werden also täglich fast 1000 Angebote in die Buchungskanäle gestellt.

Die kann natürlich niemand mehr von Hand überblicken. Die Reisebüros behelfen sich mit Dienstleistern wie Traveltainment, die ihnen das Chaos vorsortieren. Und die legen die Buchungslawinen in sogenannten Caches ab: Das sind Zwischenspeicher auf ihren Rechnern, die ein- bis zweimal täglich aktualisiert werden.

Nicht selten sind die Daten allerdings bereits bei der Aktualisierung falsch. Denn die Reiseunternehmen haben das gleiche Problem vorher auch schon gehabt: Viele ihrer Reisen werden ja aus freibleibenden Angeboten von Bettendatenbanken und Flugbuchungssystemen zusammengestellt. Ob Hotelzimmer und Flugsitze noch frei sind, prüfen die Veranstalter ebenfalls nur ein- bis zweimal täglich. Beides führt dazu, dass die angeblich so aktuellen Daten im Web oft längst nicht mehr stimmen. Wer nun schuld ist, kann dem Urlauber allerdings egal sein. Der ist über die vielen falschen Angebote einfach verstimmt und wendet sich ab. Besonders ärgerlich ist das für die Online-Portale. Sie suchen deshalb fieberhaft nach Möglichkeiten, die Berge von Datenmüll auf ihren Seiten wegzufiltern – bisher vergeblich.

Im Vorteil ist da ein fast totgeglaubtes Modell: das klassische Reisebüro um die Ecke. Die Verkäufer haben zwar auch nur auf die gleichen Reisen Zugriff wie im Web. Aber ein guter Expedient entwickelt eben doch einen siebten Sinn für echte und falsche Schnäppchen. Und bevor er dem Urlauber ein Angebot macht, führt er heute erst mal händisch eine Verfügbarkeitsprüfung durch.

Ein Aufwand, der sich offenbar lohnt: Bereits im dritten Jahr, so der Deutsche Reise Verband, nahm 2019 die Zahl der stationären Reisebüros nicht mehr ab. Im Gegenteil: Viele Reiseberater holen sich sogar Kunden von den Online-Büros zurück. Manchmal ist der Mensch eben doch der bessere Verkäufer.

Hans-Werner Rodrian

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