Donnerstag, 22.04.2021

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Pflichttermin in Berlin: Ein Gang in die Currywurstbude

Hier gibt´s die besten - und nur hier hat sie sogar ihr eigenes Museum - 06.03.2021 07:50 Uhr

Da erkennt man den echten Liebhaber: Eine Portion Currywurst vor dem 2009 in Berlin eröffneten Deutschen Currywurstmuseum.

04.03.2021 © Tim Brakemeier


Die Erfolgsstory der Currywurst beginnt am 4. September 1949. FDP-Mann Theodor Heuss steht kurz vor der Wahl zum ersten Bundespräsidenten. Erst seit gut einem Vierteljahr brummen die „Rosinenbomber“ nicht mehr über die geteilte Stadt: Die Sowjets haben ihre Berlinblockade aufgegeben. Der größte Hunger ist gestillt. Jetzt geht es an kulinarische Entdeckungen.

In ihrem kleinen Imbiss in Berlin-Wilmersdorf steht Herta Heuwer, 36 Jahre alt. Ehemann Kurt ist eben aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Nun muss die gebürtige Königsbergerin die kleine Familie mit schnellen Speisen über Wasser halten. Und wenn gerade keine Kunden da sind, experimentiert Heuwer mit Gewürzen und Zutaten neue Rezepte aus.

Die Legende der Currywurst

Heuwer ist eine clevere Geschäftsfrau, die das Potenzial ihrer Currywurst rasch erkennt. Von da an strickt sie an der Legendenbildung. So behauptet sie später immer wieder, am Abend des 4. September 1949 habe es kräftig geregnet: „Es goss kleene Kinderköppe, keen Mensch war in meiner Bude.“ Aus Langeweile habe sie dann an ihrer Soßenkreation getüftelt.

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Tatsächlich war der Tag jedoch sonnig und trocken, wie Wetteraufzeichnungen belegen. Und auch der Satz, mit dem Heuwer bis ins hohe Alter - sie starb am 3. Juli 1999 in Berlin - Ungläubige immer wieder abbügelte: „Ich hab‘ das Patent - und damit basta!“, ist so nicht richtig. Denn Heuwer hat sich 1959 „das Wort ,Chillup‘ mit einer bestimmten Schriftzuggestaltung als Warenzeichen für eine Spezialsoße eintragen lassen“, wie eine Patentamts-Sprecherin mitteilt.

Kulinarisches Wahrzeichen von Berlin

Wie auch immer - Herta Heuwer vermarktete die Currywurst viele Jahre lang mit großem Erfolg als „eine von uns erdachte Berliner Spezialität“. An der Stelle ihres ehemaligen Imbiss-Standorts wurde eine Gedenktafel angebracht.

Heute gehört der Genuss einer Currywurst zum kulinarischen Pflichtprogramm von Besuchern der Spree-Metropole: „Die Currywurst gehört zu Berlin wie das Brandenburger Tor. Traditionell und unkonventionell zugleich ist sie das kulinarische Wahrzeichen der Hauptstadt“, verkündete das mittlerweile leider geschlossene Deutsche Currywurst Museum.

Und tatsächlich: Wer durch die Straßen der verschiedensten Bezirke schlendert, stößt immer wieder auf Buden, die Currywurst anbieten, oft mit eigens kreierter Soße, deren Zutaten und ihre Zusammensetzung als Betriebsgeheimnis streng gehütet werden.


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Vorteil der zahlreichen Buden, die eine Currywurst mit oder ohne Darm, mit scharfen Zwiebeln, mit Pommes rot, weiß, oder rot-weiß oder Brötchen anbieten: Sie haben auch während des Lockdowns geöffnet. Einziger Nachteil: die Gäste dürfen nicht an den Stehtischen der Buden futtern. Aber da sind die Menschen durchaus anpassungsfähig und kreativ. Vom Fahrradgepäckträger bis zur nahen Fensterbank ist alles möglich.

20 Würste pro Berliner

Begehrt ist die Currywurst in ganz Deutschland. Schließlich wandern bundesweit pro Jahr etwa 850 Millionen Stück über die Imbisstresen, also mehr als zehn pro Bundesbürger. In Berlin steigt dieser Schnitt auf etwa 20 Würste je Hauptstädter.

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Klar, denn neben den Einheimischen lassen sich viele Städtereisende von der Lust auf den scharfen Imbiss anstecken. Und die stehen dann bei den klassischen Buden Schlange, allen voran die aus dem früheren Ost-Berlin stammende Konnopke, dann Curry 36, Ku‘Damm 195, Witty‘s und Krasselts.

Ob es nur die leckere Wurst ist, die die Kundschaft anzieht? Sicher zählt auch der Schau-Faktor, denn gerade bei Imbissen wie bei Bier‘s am Kurfürstendamm 195 kehren vor allem rund um Mitternacht diverse Promis ein, um den Abend mit einer knackigen Wurst und einem Glas Champagner - ja, den gibt es hier auch - zu beschließen.

Nicht zu scharf, nicht zu zuckrig

Was macht denn eine gute Wurst aus? „Extrem scharf darf sie nicht sein“, meint der Gastronom Ernst-Wilhelm Klewinghaus. Eine Sauce mit Pepp und eigenem Charakter müsse es sein, kein Currypulver obendrauf, das am Gaumen klebe, und vor allem wenig Zucker, der dazu da sei, die Esser durstig zu machen und dem Wirt zu mehr Umsatz zu verhelfen. Kritiker weisen darauf hin, dass die Soße nicht selten das überdecken solle, was bei der Wurst manchmal im Argen liege. Klewinghaus bestätigt: „Wurst und Soße - da muss beides passen.


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Allen Gesundheitsaposteln zum Trotz, die gegen Fett und rotes Fleisch wettern - der Siegeszug der Currywurst geht weiter. Da können auch Pizza, Hamburger und Döner nicht gegenhalten. Übrigens: auch für Veganer und Vegetarier ist die beliebte „Curry“ mittlerweile zu haben, zum Beispiel in der Kreuzberger Szenemeile Bergmannstraße.

Marc Reisner

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