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Pilgerstätte für Motor-Fans

Auf den Spuren von Mercedes und Porsche in Stuttgart - 08.06.2019 08:00 Uhr

Blick in die Werkstatt des Porsche-Museums auf einen Urtyp des Porsche 911. © Stephan Sohr


Spaziert man vom Canstatter Kurhaus rechts eine kleine Anhöhe hinauf, fällt der Blick auf ein kleines, gartenhausähnliches Gebäude, weiß getünchtes Mauerwerk auf der einen Seite, moderner Glas-Stahl-Anbau auf der anderen. Lugt man vorsichtig durch die Fenster, ist altes Werkzeug zu sehen. Schraubenschlüssel und -dreher, Hämmer, Zangen aller Größen, auf einer großen Werkbank liegend, daneben eine schlanke, für den Unkundigen kaum zu benennende Gehäusekonstruktion, dazu ein Zweirad mit Rundsattel und Motor.

Das alles sind Nachbildungen von Erfindungen, die die Fahrzeugpioniere Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach an eben diesem Ort erdachten und bauten. Die eine ist die sogenannte Standuhr, der erste schnelllaufende Benzinmotor der Welt; die andere der Reitwagen, das erste mit Otto-Motor betriebene Motorrad der Welt. 1886 trieb der Standuhr-Motor eine Kutsche an, den ersten Wagen von Daimler. Ein Jahr vorher hatte Carl Benz in Mannheim bereits seinen Motorwagen vorgestellt. Daimler. Benz. 1926 wurde die gleichnamige AG gegründet. Da war Gottlieb Daimler schon lange tot, er starb 1900.

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Stuttgart-Zuffenhausen: Wo Porsche im Museum an seinen Autos tüftelt

Hunderttausende Menschen besuchen Jahr für Jahr das Mercedes-Benz- und das Porsche-Museum in den Stuttgarter Stadtteilen Bad Cannstadt und Zuffenhausen. Doch dorthin, wo Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach Mitte der 1880er Jahre an ihren Verbrennungsmotoren tüftelten und sie in Gefährte einbauten, die zu Lande, zu Wasser und in der Luft unterwegs sein sollten, dorthin also, wo die Stuttgarter Automobilgeschichte eigentlich begann, verirrt sich kaum jemand.


In dem gartenhausähnlichen Gebäude gleich beim Cannstatter Kurhaus hatten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach an ihrem Teil zur Erfindung des Automobils, wie wir es kennen, gearbeitet. Ein Gedenkstein erinnert daran und weist daraufhin, dass der Fußweg zu Zeiten der genialen Konstrukteure deren Versuchsstrecke war. Von der Daimlerschen Villa, die hier auch stand, ist seit dem Zweiten Weltkrieg nichts mehr übrig außer ein paar Steinen.

Als Daimler, Maybach und Benz wirkten, war Ferdinand Porsche noch ein Kind. Zufall und seine technische Genialität wollten es wohl, dass Porsches Weg zum Unternehmen Daimler führte, 1906 zu der von Paul Daimler, Gottliebs ältestem Sohn, gegründeten „Oesterreichischen Daimler-Motoren-Gesellschaft“, 1923 dann zur Daimler-Motoren-Gesellschaft. Im Streit ging man später auseinander, Porsche gründete 1930 sein eigenes Konstruktionsbüro. Seit 1937 ist Zuffenhausen Sitz des Unternehmens.

Dort, wo diese Geschichte geschrieben wurde, führt die Schwieberdinger Straße durch Zuffenhausen, vorbei am legendären Werk 1 schnurstracks zum Porscheplatz, um den sich Fabrik, Niederlassung und Museum gruppieren. Blickfang ist das von dem Wiener Architekturbüro Delugan Meissl spektakulär gezeichnete Museum, das zusammen mit dem Mercedes-Benz-Museum in Cannstatt zu den Publikumsmagneten des Stuttgarter Tourismus zählt.

Das Museum ist nicht nur ein Pilgerort für passionierte Porsche-Aficionados, sondern auch für alle, die außergewöhnliche Architektur schätzen. Drei V-förmige Säulen tragen den Hauptkörper des Museums, der außen mit tausenden Edelstahlkacheln verblendet ist, die das Gebäude glasig-weißlich strahlen lassen. Innen fällt der Blick durch große Sichtfenster in die museumseigene Werkstatt, wo sich Mechaniker der Bestandsfahrzeuge aus den verschiedenen Jahrzehnten annehmen, sie in Schuss und fahrbereit halten.

Das „Egger-Lohner-Elektromobil Modell C.2 Phaeton“, das erste von Ferdinand Porsche konstruierte Fahrzeug. © Stephan Sohr


„Wir haben keine Stehzeuge, sondern Fahrzeuge“, betont Museumsleiter Achim Stejskal. Alle etwa 450 Porsches, die zum Bestand des Museums gehören, seien fahrbereit. Sie werden um die Welt geschickt, fahren bei renommierten Klassikerrennen oder werden zu besonderen Anlässen ausgestellt. Etwa 80 bis 100 Fahrzeuge werden im Museum gezeigt. Welche, das wechselt.

2019 gibt es zwei Sonderausstellungen: Noch bis 15. September ist „50 Jahre Porsche 917 – Colours of Speed“ zu sehen, gewidmet dem Sportwagen, mit dem Porsche 1970 erstmals das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. Bis 7. Juli wird außerdem das 50-jährige Jubiläum des Typs 914 begangen. „Typisch Porsche“ heißt es im Ausstellungs-Titel, wobei Fans darüber streiten, ob der als VW-Porsche bekannt gewordene Typ ein „echter“ Porsche ist.

Das erste Schaustück der Dauerausstellung ist der von Ferdinand Porsche 1898 konstruierte „Egger-Lohner“, ein elektrisch betriebener Fahrwagen. Dass auch die Zukunft von Porsche elektrisch sein wird, zeigt sich gegenüber dem Museum. Dort entsteht auf dem Werksgelände die neue Fabrik, in der der „Taycan“ gebaut werden wird – der erste rein elektrisch angetriebene Porsche-Sportwagen.

Mehr Informationen:

Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg

www.tourismus-bw.de
die diese Reise unterstützte.

Porsche-Museum
www.porsche.com/museum/de/

Mercedes-Benz-Museum
www.mercedes-benz.com/de/mercedes-benz/classic/museum/

Anreise:
Von Nürnberg über die Autobahnen A6 und A81 in etwa 90 Minuten

Günstig wohnen:

B&B-Hotel Stuttgart-Zuffenhausen
www.hotelbb.de/de/stuttgart-zuffenhausen

Luxuriös wohnen:
V8-Hotel in der Motorworld Region Stuttgart auf dem Gelände des ehemaligen württembergischen Landesflughafens in Böblingen.
www.v8hotel.de
 

 

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