Fantastische Ausblicke in Obereggen

Pisten unterm Latemar: Skifahren, wo Südtirol am schönsten ist

Nuernberg , 20.06.2016..Ressort: Politik Fotografie: Stefan Hippel..Chefredakteuere der Nürnberger Nachrichten , Michael Husarek , Portrait
Michael Husarek

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2.1.2022, 06:00 Uhr
Traumhaftes Panorama: Was sich in der Skibrille spiegelt, können die Urlauber in Eggental den ganzen Tag über bestaunen - die Berge des Latemar-Massivs.

Traumhaftes Panorama: Was sich in der Skibrille spiegelt, können die Urlauber in Eggental den ganzen Tag über bestaunen - die Berge des Latemar-Massivs. © Michael Husarek

Tolle Pisten gibt es viele in den Alpen, ein Ausblick wie im Skigebiet Obereggen dagegen ist selten: Egal, welchen Lift man nimmt, der Blick fällt stets auf das grandiose Latemar-Massiv. Das Ski Center Latemar mit seinen 48 Pistenkilometern schmiegt sich quasi unterhalb des UNESCO-Weltnaturerbes an den Hang. Mehr Panorama geht kaum. Gerät die Liftfahrt andernorts zum notwendigen Übel, zählt sie in Obereggen zu den Höhepunkten.

„Der Latemar ist unser Kapital“, stellt Sepp Pichler nüchtern und zufrieden fest. Der 69-Jährige ist Skilehrer der ersten Stunde, bereits 1971, als die ersten zwei Lifte im Eggental gebaut wurden, war er dabei. Zwei seiner Onkel waren die treibenden Kräfte beim Aufbau der Seilbahngesellschaft, die auch 50 Jahre später in Händen der Einheimischen geblieben ist.

Lieber weniger Lifte, dafür besonders schöne

Der Pichler Sepp ist eigentlich ein reicher Mann. Ein Hotel, das aus dem elterlichen Bauernhof in Eggen hervorging, die Seilbahnanteile und sein Hobby - die Arbeit als Skilehrer - lassen ihn nicht klagen. Und doch wirkt der fitte Senior nachdenklich. „Früher, da war der Zusammenhalt mit dem Gast enger“, berichtet er leicht wehmütig. „Das gibt’s heute nicht mehr!“

Skifahren, das sei über die Jahrzehnte auch im südtirolerischen Obereggen und in den im Verbund dazugehörenden Gebieten Predazza und Pampeago des angrenzenden Trentino zum Massenphänomen geworden.

Warum trotzdem Anlass zu Zuversicht besteht, weiß Siegfried Pichler, ebenfalls 69 Jahre und weitläufig verwandt mit seinem Namensvetter Sepp: „Wir setzen auf Qualität statt auf Quantität“. Mit dieser Philosophie, so der Präsident der Seilbahngesellschaft, habe sich die Zahl der Liftanlagen seit 1976 eben nicht verändert. Dafür haben sie hier vielfach schon die dritte Generation der Anlagen installiert.

Skifahren in den Dolomiten ist ein besonderes Erlebnis - ständig wechselt man zwischen deutscher und italienischer Sprachgrenze hin und her.

Skifahren in den Dolomiten ist ein besonderes Erlebnis - ständig wechselt man zwischen deutscher und italienischer Sprachgrenze hin und her. © Michael Husarek

Entsprechend modern ist eines der Hausskigebiete der Bozener also ausgestattet. Gerade mal 25 Minuten benötigt man von der Südtiroler Landeshauptstadt zur auf 1550 Höhenmetern gelegenen Talstation in Obereggen. Doch auch die ungleiche weitere Anfahrt aus Deutschland lohnt. Denn die Skihütten laden nach einigen Abfahrten zu ausgiebigen kulinarischen Streifzügen ein. Pommes und Gulaschsuppe finden sich zwar auch auf der Speisekarte, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf regionalen Spezialitäten.

Das hinterste Zipfelchen Südtirol, die Sprachgrenze ist nah

So werden etwa Schüttelbrotnudeln mit Ragout vom heimischen Wild und Preiselbeeren auf der Oberholz-Hütte serviert - ein echter Genuss. Die aus heimischem Holz erbaute Hütte wird von der Seilbahn-Gesellschaft betrieben und serviert neben hervorragenden Speisen eben auch einen grandiosen Ausblick: Gleich drei Panoramafenster lassen über Südtirols Grenzen hinaus ins benachbarte Trentino blicken.

Liftfahren mit Erlebnischarakter: Blick auf dem Sessellift auf den Latemar.

Liftfahren mit Erlebnischarakter: Blick auf dem Sessellift auf den Latemar. © Michael Husarek

Denn das Eggental liegt ganz am Rand der autonomen Provinz Südtirol, das Trentino grenzt direkt an. Auf der Piste sind die Grenzen fließend. Wer etwa in der Rifugio Gardone Pause macht, ist bereits im „italienischen Teil“, wie Skilehrer Sepp Pichler betont. Auch dort lässt es sich vorzüglich essen: Die dreierlei Knödel auf Krautsalat sind köstlich, das Ambiente in der gemütlichen Hütte ebenso. Draußen auf der Terrasse hat es sich die Prosecco-Fraktion gemütlich gemacht.

Sektkübel und warme Decken zählen zur Standardausrüstung, wenige Meter weiter chillen die Snowboarder zu cooler Musik. Italienische Hüttenkultur vom Allerfeinsten. Die gefällt auch Skilehrerin Ilse Mahlknecht. Als Jugendliche klopfte sie ans italienische Ski-Nationalteam, ganz hat es nicht gereicht, der Wechsel zur Skilehrerin lag für die aus der Eggentaler Gemeinde Deutschnofen stammende Südtirolerin nahe.

Seit über 30 Jahren kümmert sich sich besonders gern um den Nachwuchs auf Brettern. „Das ist hier in unserem Familienskigebiet super machbar.“ Denn Kinder, die schon etwas sicherer auf den Skiern stehen, können auch alleine fahren, „verloren geht keiner“. Zumal im Zweifelsfall die Carabinieri gerne helfen. Denn die sind im Skigebiet immer wieder anzutreffen. Mit ihrem Ski-Doo Pool überwachen sie die Corona- und Pistenregeln. Zwischendurch stehen sie aber auch ebenso staunend wir die Touristen da- und blicken fasziniert auf den Latemar.

Dieser Blick begleitet uns sogar bis tief in die Nacht: Drei Mal in der Woche heißt es: Licht an für das Nachtskifahren und -rodeln. Die wunderbare zweieinhalb Kilometer lange Schlittenabfahrt verläuft direkt unterhalb der bizarren Felsformationen am äußersten Rand des Skigebietes. Wenn der Mond aufgegangen ist, leuchtet er das Latemar-Massiv wunderbar an.

Mehr Informationen:
Eggental Tourismus, Tel 0039 / 04 71 / 61 95 00, www.eggental.com
Anreise:
Mit dem Auto circa fünf Stunden ab Nürnberg, mit dem Zug bis nach Bozen (5 1/2h), dann mit dem Bus in ca. 30 Minuten bis Obereggen.

Beste Reisezeit:
Dezember bis April für Skiurlauber, ab Mai bis Oktober für Sommerurlauber

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