Stornogebühren und Einschränkungen

Reisewarnung gekippt? Das sind die Folgen für Urlauber

7.7.2021, 14:41 Uhr
Wer derzeit nach Indien reist (hier der Taj Mahal), muss Konsequenzen fürchten, denn das Land wird vom AA als Hochinzidenzgebiet eingestuft.

Wer derzeit nach Indien reist (hier der Taj Mahal), muss Konsequenzen fürchten, denn das Land wird vom AA als Hochinzidenzgebiet eingestuft. © Matthias Niese

Reisewarnung: So war es bisher

Vor dem 1. Juli war die Sache simpel: Länder oder Regionen, in denen sich in den jeweils vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Menschen pro 100.000 Einwohner mit dem Corona-Virus infiziert hatten, wurden vom Robert-Koch-Institut (RKI) automatisch als Risikogebiet eingestuft.

Ebenso automatisch zog dies eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts nach sich – zumindest was "nicht notwendige, touristische Reisen" betrifft. Und das wiederum bedeutete Testpflicht und digitale Einreiseanmeldung bei der Rückreise nach Deutschland. Bis vor einigen Wochen kam auch noch die Rückreisequarantäne dazu, aber die wurde für normale Risikogebiete ja bereits gestrichen.

Das ändert sich für Urlauber

Das hat sich zum 1. Juli 2021 geändert. "Nach langen Monaten des Lockdown dürfen wir uns auf mehr Normalität freuen, das gilt auch für das Reisen", formulierte es Bundesaußenminister Heiko Maas. Konkret bedeutet dies: Für etwa 100 Staaten, für die zuvor eine Reisewarnung galt, wurde eine Entwarnung ausgesprochen, obwohl sich die Inzidenz in diesen Ländern dadurch natürlich nicht geändert hat.

Für Urlauber, die zu Wasser und zu Lande reisen, sind damit Test und Einreiseanmeldung bei der Rückreise entfallen. Flugurlauber müssen sich dagegen weiter testen lassen, bevor sie nach Deutschland zurückkehren. Für die bisherigen Risikogebiete bittet das Auswärtige Amt künftig um "besondere Vorsicht" beim Reisen. "Die Gefahr durch das Virus und seine Mutanten ist noch lange nicht gebannt", sagt Maas.

Reiswarnung aufgehoben: Um welche Länder geht es?

Die Reisewarnung ist zum Beispiel für europäische Staaten wie Georgien, Zypern, Teile Irlands und Schwedens gefallen. Weitere beliebte Reiseländer sind zum Beispiel Dubai und Marokko, Mexiko und die Türkei. Für andere Länder, in denen die Inzidenz unter den Wert 50 gesunken ist, wurde bereits in den Wochen zuvor Entwarnung gegeben. Dazu gehörten beispielsweise Österreich und die Schweiz, Italien und Frankreich, Belgien und Tschechien. Auch in Spanien und Kroatien waren die meisten Ferienregionen bereits "frei".

Wo die Reisewarnung doch bleibt

Der Entfall der Warnung gilt "nur" für normale Risikogebiete, also für Länder und Regionen mit einer Inzidenz zwischen 50 und 200. Steigt die auf mehr als 200 und macht das Land damit zu einem Hochrisikogebiet mit verstärktem Infektionsrisiko, dann will das Auswärtige Amt auch in Zukunft eine Reisewarnung aussprechen.

Derzeit gelten weltweit knapp 30 Staaten als Hochrisikogebiete – darunter auch Urlaubsländer wie Ägypten und Tunesien, Costa Rica und Malediven, die Seychellen, Sri Lanka und Ecuador sowie neuerdings auch Großbritannien und Portugal.

Klassischer Pauschalurlaub in Hurghada, Ägypten. Auch das nordafrikanische Land gilt noch als Hochrisikogebiet.

Klassischer Pauschalurlaub in Hurghada, Ägypten. Auch das nordafrikanische Land gilt noch als Hochrisikogebiet. © Matthias Niese

Was ist mit Virusvariantengebieten?

Die Angst vor neuen Virusvarianten geht um. Deshalb gilt die Reisewarnung "für nicht notwendige, touristische Reisen" auch weiter für Länder, die zwar vielleicht gar keine besonders hohe Inzidenz haben, aber von der Bundesregierung als Virusvariantengebiet eingestuft sind.

Das sind momentan elf Länder, darunter Namibia und Südafrika, Uruguay und Brasilien. Mehr noch als vor Hochrisikogebieten wird vor diesen Ländern nicht nur gewarnt, für Nicht-Deutsche besteht zudem ein Reiseverbot. Deutsche müssen sich nach Rückkehr in jedem Fall für 14 Tage in Quarantäne begeben – das trifft sogar Geimpfte und Genesene.

Vorsicht: Keine kostenlosen Storni mehr

Auch juristisch ist der Entfall der Reisewarnungen von Bedeutung: Die meisten Gerichte akzeptieren eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts für das gebuchte Ziel als "höhere Gewalt oder erhebliche Gefährdung" und damit als Rücktrittsgrund des Urlaubers mit voller Reisepreisrückzahlung. Ohne Reisewarnung entfällt dieser kostenlose Rücktrittsgrund.

Diese klassische Rechtsmeinung war allerdings in jüngster Zeit sowieso schon durchbrochen worden. So urteilte gerade das Amtsgericht Leipzig, dass nach so vielen Monaten Pandemie keine Rede mehr von unerwarteter höherer Gewalt sein könne. Und wo die Reisewarnung bereits zum Zeitpunkt der Buchung bestanden hat, haben Reisende nach Einschätzung der meisten Reisejuristen sowieso kein Recht auf kostenlose Stornierung.

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