27°

Dienstag, 15.06.2021

|

zum Thema

Saftige Strafen: So schützen sich Städte vor Touristen

Überlaufene Ziele wollen nach Corona endlich Benimmregeln durchsetzen - 07.05.2021 12:23 Uhr

Auch die Römer wollen diese Bilder in ihrer Stadt eigentlich nicht mehr sehen: Touristen drücken sich vor dem Pantheon herum, es stapelt sich der Müll.

03.05.2021 © ANDREAS SOLARO/AFP


Corona zwingt die Welt innezuhalten. Viele Einheimische haben sich wieder ihre zuvor überlaufenen Städte zurückerobert. Zu viel Tourismus (Overtourism) hatte dazu geführt, dass in Amsterdam Einwohner über Lärm und Dreck vor der Tür klagten, in Dubrovnik zu jeder Stunde Tausende Gäste durch die Gassen drängten und riesige Kreuzfahrtschiffe vor dem Dogenpalast die Fundamente Venedigs bedrohten.

Dank des steigenden Tempos der Impfungen könnte sich die Pandemielage jedoch bald entspannen. Der Städtetourismus wird zurückkommen. Es ist absehbar, wann mancher Stadtbewohner mit Wehmut an die Zeit denkt, als seine Kommune nur ihm und den Nachbarn gehörte. Denn ganz ehrlich: Touristen sind gut fürs Geschäft, aber die meiste Zeit stehen sie nur im Weg herum.


Pfingsturlaub nun doch möglich: Wer darf wohin reisen?


Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Fremde noch ganz analog eine Stadtkarte entfaltet oder autistisch auf sein Handy starrt. In jedem Fall wird er ruckartig stehenbleiben, um sich zu orientieren. Was er dabei vergisst, sind die hinter ihm gehenden oder die entgegenkommenden Passanten, die unterwegs sind, um schnurstracks von A nach B zu gelangen. Also zum Job, zum Einkaufen, zum Termin oder um die Kinder abzuholen. Oder die Autofahrer, die den Weg im Schlaf kennen.

Noch schlimmer ist der Wunsch, mitten auf dem Gehsteig, der Ampelinsel oder in der Fußgängerzone ein Foto oder Selfie zu machen, für das man minutenlang den Verkehrsstrom aufhält. Umsichtige Stadtbesucher sehen sich zumindest um oder verdrücken sich in eine ruhigere Ecke, um niemanden zu behindern. Trottoirs, Fußgängerbrücken und -zonen in Großstädten verlangen oft ein Verhalten wie auf einer belebten Straße.


Tourismus zu Pfingsten: Bislang kein Buchungsboom


Im Einkaufszentrum gibt es eine einfache Regel: In Ländern mit Rechtsverkehr steht man auf der rechten Seite der Rolltreppe, wo Linksverkehr herrscht, links. Das ermöglicht es anderen, links bzw. rechts an einem vorbeizugehen. Die platzsparende Seitenposition auf der Rolltreppe ist in Städten wie London oder Moskau besonders wichtig, weil es dort extrem lange Exemplare gibt. Das heißt, dass immer Eilige die ellenlangen Treppen hinunter- oder hinaufhetzen, um ihren Zug oder andere Anschlüsse noch zu erreichen. Falsch stehende menschliche Hindernisse werden höflich, oft aber unmissverständlich zur Seite gebeten.

Müll ist ein ewiges Ärgernis

Ein ewiges Ärgernis bleibt außerdem der Müll, von dem Touristen immer reichlich produzieren. Anwohner in sehenswerten Vierteln können ein Lied davon singen. Während es im Park noch Bänke mit Mülleimern in der Nähe gibt und bei schönem Wetter sich die Grünflächen als Sitzgelegenheit anbieten, wird es schwieriger in reinen Wohnvierteln oder der Innenstadt.

Treppen jeder Art, Mauervorsprünge, private Hausbänke und Rasen sind Gelegenheiten, um sich niederzulassen

03.05.2021 © Rolf Haid/dpa


Denn nicht jeder Tourist kehrt mehrmals am Tag in ein Café oder Lokal ein, um sich zu verköstigen. Das ist auch nicht nur eine Frage des Reisebudgets, sondern auch der Zeit, die viele lieber mit Bummeln und Entdecken verbringen. Bleibt also nur das beliebte Sandwich und der Kaffee "to go" und die Frage, wo bitte sitzen und konsumieren?

Treppen jeder Art, Mauervorsprünge, private Hausbänke und Rasen sind Gelegenheiten, um sich niederzulassen. Allerdings fehlt es dort meist an Infrastruktur, also Toiletten und Müllbehältern. Müde Stadtbesucher aber finden überall einen Platz zum Ausruhen. Sie wissen kaum, dass sie die Anrainer damit belästigen.

Taubenfüttern ist verboten

Bereits seit Ende 2009 ist das Taubenfüttern in Venedig verboten.

03.05.2021 © imago images/blickwinkel


Noch schlimmer ist es, wenn sie dann ihre Reste vor Ort lassen und Dinge tun, die kein Einheimischer machen würde. Ein Beispiel ist das beliebte Taubenfüttern, etwa in Venedig. Aber Hand aufs Herz: Wer füttert zu Hause Tauben, wenn es sich nicht gerade um wertvolle Brieftauben handelt, sondern gierige Ratten der Lüfte?


Großer Besucheransturm: Tourismuszentrale Fränkische Schweiz zieht die Notbremse


Dieses Problem hat Venedig vor vielen Jahren erkannt und zeigt beispielhaft, wie man das Benehmen von Besuchern durch pekuniäre Sanktionen lenkt. Bereits seit Ende 2009 ist das Taubenfüttern verboten. Die Geldstrafe dafür kann bis zu 500 Euro betragen.

Nicht ganz so teuer ist das Essen und Trinken auf dem Boden, am Ufer, auf Gehwegen, Denkmälern, Stufen und Brücken, aber auch auf Hochwasserstegen und Brunneneinfassungen. Das alles steht erst seit 2019 auf dem Index und wird mit 100 bis 200 Euro geahndet. Andere Ziele könnten das gerade jetzt auch einführen.

Bilderstrecke zum Thema

Venedig im Winter

Vor einigen Wochen hat sich NZ-Fotograf Harald Sippel mit seiner Kamera bereits in auf den Weg durch die Lagunenstadt gemacht und stille Momente und eindrucksvolle Bilder eingefangen. Seit 1954 verbindet Nürnberg und Venedig ein Freundschaftsabkommen, das 1999 erneuert wurde.



Verpassen Sie keine Nachricht mehr!

In unserem neuen täglichen Newsletter "Mittags um 12 - Zeit für die Region" erfahren Sie alles Wichtige über unsere Region. Hier kostenlos bestellen. Montags bis freitags um 12 Uhr in Ihrem Mailpostfach.

Tinga Horny

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Reise