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Schönheiten der Cinque Terre

Die fünf Sehnsuchtsorte in Norditalien sind berühmt - 24.08.2019 08:00 Uhr

Die fünf Sehnsuchtsorte der Cinque Terre sind berühmt. In der Region ragen die 800 Meter hohen Ausläufer des Ligurischen Apennin aus dem Mittelmeer. © Arnd Petry/dpa


Zum Glück gibt es Corniglia: Das kleine Dörfchen inmitten des italienischen Nationalparks Cinque Terre erweist sich als Glücksgriff bei der Wahl des Urlaubsorts. Der über viele Stufen zu erreichende Hafen hat noch etwas Verwunschenes.

Ja, auch hier fallen jeden Morgen die Touristenscharen ein, aber sie sind weitaus weniger massiv als in den vier anderen Cinque Terre-Sehnsuchtsorten Monterosso, Vernazza, Manarola und Riomaggiore.

"Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet", hat der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger einmal gesagt. Cinque Terre beweist, dass er Recht hat. Die fünf Ortschaften sind so, wie man sich Italien vorstellt: Urig, eng, über Jahrhunderte auf unwegsamen Felsen an der ligurischen Küste gewachsen. Und sie sind geradezu pittoresk: Jedes Foto ist geeignet für eine Postkarte.

Naturpark ist Weltkulturerbe

1997 wurde der relativ kleine Naturpark mit den in ihm gelegenen Ortschaften zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt, auch weil die Region autofrei und ohne große Hotels geblieben ist. Doch die Erhebung des zwölf Kilometer langen Küstenstreifens der italienischen Riviera zum Weltkulturerbe hat ihm nicht nur gut getan. Aus aller Welt pilgern Touristen hierher. 1,5 Millionen sollen es pro Jahr sein.

Was die Gastfreundschaft angeht, so muss man der einheimischen Bevölkerung, den Wirten, Gastronomen und Einzelhändlern, überwiegend ein gutes Zeugnis ausstellen: Unfreundlichkeiten und Nepp sind sicher die Ausnahme. 1,50 Euro für einen Cappuccino an der Theke sind kein Grund zur Beschwerde. Und Rummel ist in der Regel nichts, was einen Italiener aus der Ruhe bringt.

Behörden und staatliche Organisationen gehen etwas anders mit den Gästen aus aller Welt um. Das beginnt bei den italienischen Staatsbahnen (FS). Zwischen La Spezia im Süden und Sestri Levante im Norden verbinden Nahverkehrszüge auf einer 1874 erbauten tunnelreichen Strecke im S-Bahn-Takt die fünf Ortschaften. Mehr als 15 Minuten muss man tagsüber nicht warten, bis ein Zug in die gewünschte Richtung kommt. Allerdings sind die Preise relativ hoch.

Immer wieder mal gesperrt

Auf Frust müssen sich diejenigen einstellen, die begeisternden Beschreibungen folgend zu Wanderurlauben in die Cinque Terre aufbrechen. Immer wieder sind die angepriesenen Routen gesperrt — wegen Steinschlag, Erdrutsch, aus Sicherheitsgründen oder wegen Bauarbeiten. Unmittelbar am Meer entlang verläuft die kurze Strecke zwischen Vernazza und Monterosso, für deren Benutzung 7,50 Euro pro Person erhoben werden. Mit diesem "Wanderpass" kann man zwar — theoretisch — auch alle anderen kostenpflichtigen Wege benutzen, doch natürlich nicht, wenn sie gesperrt sind. Und das scheint immer wieder zu passieren.

Bei Corniglia reihen sich verfallene Strandhütten der einstigen "Spiaggia" zu einer Geisterstadt aneinander — mitten im Naturschutzgebiet. Mehrere Versuche, das Gelände zu sanieren seien leider "wegen komplizierter Verwaltungsprozesse" noch nicht erfolgreich gewesen, heißt es dazu von offizieller Seite.

Aber auch andere wunderbare Wege werden häufig aus Sicherheitsgründen gesperrt. Neuerdings sind Flipflops und anderes unzureichendes Schuhwerk auf den Park-Wanderwegen verboten — theoretisch sogar bei Strafe.

Die Abwehr des motorisierten Individualverkehrs ist ein ehrenwertes Ziel in dieser Region, doch die Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln hierher ist keine wirkliche Alternative, wenn die Erholung nicht buchstäblich auf der Strecke bleiben soll. Eine Bahnfahrt von München nach Corniglia beispielsweise dauert mindestens elf Stunden und erfordert dreimaliges Umsteigen. Der Flixbus nach La Spezia erweist sich im Praxistest als unzuverlässig.

Urlauber mögen sich die Frage stellen, wie lange Cinque Terre wohl noch für Jedermann offen stehen wird. Gerüchte, wonach eine Kontingentierung unmittelbar bevor steht, dementierte die Park-Leitung auf Nachfrage. "Die Wanderwege im Nationalpark können ohne Einschränkungen besucht werden", heißt es da. Man bemühe sich aber, durch Kommunikation "die Überfüllung an Feiertagen und Wochenende" zu vermeiden.

Mehr Informationen:

www.cinqueterre.eu.com

www.lamialiguria.it/en/

www.parconazionale5terre.it

Anreise:

Pkw: Ab München etwa 700 Kilometer. Zug: Dauer um die 13 Stunden

Unterkunft:

Es gibt in den fünf Cinque-Terre-Orten keine klassischen Hotels, aber viele Ferienwohnungen und Privatzimmer.

Beste Reisezeit:

Für Strandurlaub eignet sich die Zeit von Mitte Mai bis Mitte September; für Wanderurlaub Mitte März bis Mitte Oktober. 

Ralf Müller

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