Sonntag, 29.03.2020

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Skischul-Maskottchen: Winke, winke im Kinderland

Interview mit einem Pinguin, der es zum Kinderstar im Schnee gebracht hat - 22.02.2020 08:00 Uhr

Schon vor dem ersten Kurstag machen die Kinder Bekanntschaft mit Bobo - hier in Lofer als Puppe. © Matthias Niese


Pinguin Bobo, überall in der Skischule und im Kinderland am Berg hängen Bilder von dir, stehen deine Figuren herum.
Ja, ich bin inzwischen berühmt. Die Kleinen rufen sogar dauernd nach mir: 1,2,3 Bobo! Es gibt mich als Rucksack, als Plüschtier, als Pokal für den Tagessieger. Ich hab schon vier Musik-CDs herausgebracht, darunter auch einen gesungenen Kinderskikurs zum Üben.

Und der DJ Bobo lässt dich einfach gewähren?
Der Schweizer Musiker liebt sicher auch das Skifahren. Der mag mit mir bestimmt mal ein Lied machen, weil er dauernd mit mir verwechselt wird.

Der Erfolg hat aber auch seine Schattenseiten, jeden Tag musst du in deinem plüschigen Kostüm raus und mit den Kindern watschelnd ein Tänzchen aufführen. Noch Lust drauf nach all den Jahren?

Also immer wenn ein neuer Skilehrer nach dem Kurs in mich reinschlüpft und den Bobo machen muss, denkt er sich: Menno, da hab ich aber die Deppenkarte gezogen. Das Kostüm ist warm, vor allem im frühen Frühling schwitzen sie in mir wie Sau, ich kratze auf ihrem Kopf und sie sehen kaum was durch meinen Schnabel. Die Musik ist immer dieselbe, und so eine Siegerehrung kann sich ganz schön in die Länge ziehen, wenn man dauernd winken und klatschen muss.

Und trotzdem machst du das.
Ja, sogar sehr gerne. Denn da spielen sich Szenen ab, die vergisst du nicht. Heulende Kinder, die ihre Arme nach mir ausstrecken, müssen weggetragen werden. Alle wollen mich abklatschen, mich umarmen, mit mir tanzen. Wenn du die fröhlichen Zwerge siehst, geht dir das Herz auf. Dafür lohnt sich das, es macht dann sogar Spaß.

Aber ab einem gewissen Alter finden dich die Kleinen sicher doof.

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Pinguin Bobo: Ein Skischul-Maskottchen in vollem Einsatz

Jede Skischule braucht inzwischen ein Maskottchen, das nach den Kursen mit Faxen und Liedchen auf die Kinder wartet und ihnen die Pokale nach dem Abschlussrennen verteilt. Pinguin Bobo macht das seit vielen Jahren besonders erfolgreich im Kinderclub von über 50 Skischulen im deutschsprachigen Alpenraum. Wir haben ihn dabei beobachtet.


Also zu den Elf- und Zwölfjährigen brauche ich nicht mehr gehen, und die älteren Teenies treffe ich dann eh beim Après-Ski.

Was macht Bobo eigentlich im Sommer, das muss doch schrecklich warm sein für einen Pinguin?
Da häng ich faul im Schrank ab, manchmal wird mir auch das Gefieder geflickt und ordentlich durchgebürstet. So alle zehn, zwölf Jahre müssen sie einen neuen Bobo bestellen. Ich bleib aber trotzdem immer der alte.

Wie kam ein Pinguin aus der Antarktis in die Skischulen in Österreich, Deutschland und der Schweiz?
Ich wurde auf einer Eisscholle nach Norden abgetrieben und bin in Nordafrika gestrandet. Da war es mir viel zu heiß. Die Menschen haben mir dann erzählt, dass es im Norden Berge gibt, da ist‘s im Winter wie daheim. Da hab ich mich nach Europa durchgeschlagen und bin als Plüschtier in einem Innsbrucker Kindergarten gelandet. Ich hab den Plüschlöwen und den Plüschelefanten ausgestochen, alle Kinder wollten nur noch mit mir spielen. Und ein Junge hat mich Bobo genannt. Ein netter Herr hatte dann die Idee, mich als Maskottchen für seine Skischule am Achensee einzustellen. Endlich eine echte Herausforderung, dachte ich mir.

Das war aber noch keine Garantie für diese Traumkarriere.

Nach dem Kurs wollen die Kinder mit dem tanzenden Bobo kuscheln. © Matthias Niese


Na ja, ich hab meinen Job wohl ganz gut gemacht. Wir hatten nämlich mal eine Krise im Skigewerbe, da war Skifahren out und man musste sich was einfallen lassen, um auf sich aufmerksam und dem Nachwuchs Lust aufs Skifahren zu machen. Alle schauten neidisch auf den, der die Kleinen mit einem Maskottchen und einem Konzept anzog, alle wollten auch einen Bobo haben.

Bobo wurde die sympathische Werbefigur?
Genau. Sie haben mich als Marke geschützt und im Franchise-System Lizenzen vergeben. Alle Skischulen, die mich haben wollen, müssen gewisse Bedingungen erfüllen, es gibt sogar einen auf mich abgestimmten Lehrplan für alle Skilehrer. Und pro Ort darf es nur einen Bobo geben. Ganz viele enge Verwandte von mir arbeiten jetzt auch überall in den Alpen.

Aber du wolltest in Lofer bleiben.

Die Sonnenterrasse der Kercht-Alm. © Matthias Niese


Ja, ich will Kinder zum Skifahren bringen. Das kann ich am besten in einem Familienskigebiet. Hier ist‘s überschaubar, da kann man sich nicht verlieren. Die Pisten sind meist flach und breit. Und auf der Alm gibt’s eine zentrale Ebene, auf der fast alle Lifte zusammentreffen. Dort haben die Skischulen ihre Basis und ihr Kinderland.

In der Skischule nebenan fährt übrigens ein winkender Drache die kleinen Schüler mit dem Motorschlitten zum Mittagessen. Ist das Bobo-Bashing? Eiskalte Konkurrenz?
Ach weißt du, der Drache macht ja auch nur seinen Job. Wir beide sehen das professionell. Mit Lofino geh ich sogar manchmal einen Almdudler trinken. Nur kann ein Pinguin auf seinem Bauch den Schneehang hinunterrutschen. Lofino hingegen muss aufpassen, dass er nicht hustet. Sonst ist der ganze Schnee geschmolzen.

Mehr Informationen:
Pinguin Bobo‘s Kinder-Club
www.kinder-club.info/de
Skischule Sturm in Lofer
www.skischule-lofer.com
Almenwelt Lofer
www.skialm-lofer.com
Anreise:
Ab Nürnberg mit dem Auto 300 Kilometer in drei Stunden. Mit dem Zug rund drei Stunden bis Salzburg, weiter mit ÖPNV.
Günstig wohnen:
Villa Egger in Lofer
www.villa-egger.at/de
Gehoben wohnen:
Landhotel Schütterbad in Unken
www.schuetterbad.at

Redaktioneller Hinweis:
Die Recherche für manche Artikel auf diesen Seiten wurde von Reiseveranstaltern, Hotels, Fluglinien oder Tourismusverbänden unterstützt. ​Informationen des Umweltbundesamts über die Möglichkeit, den CO₂-Ausstoß Ihrer Reise zu kompensieren:
www.umweltbundesamt.de/themen/freiwillige-co2-kompensation

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