Sommerurlaub in Europa

So kommen Sie sicher über die Grenzen der wichtigsten Urlaubsländer

Reiseredakteur Matthias Niese
Matthias Niese

Magazin am Wochenende / gute reise

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16.7.2021, 09:22 Uhr
Urlauber müssen bei der Einreise den Grenzbeamten vieler Länder ihr Impfzertifikat zeigen - sonst dürfen sie nicht herein.

Urlauber müssen bei der Einreise den Grenzbeamten vieler Länder ihr Impfzertifikat zeigen - sonst dürfen sie nicht herein. © Fabian Sommer/dpa, NNZ

Auch wenn Malta mit seiner Regelung, Kreuzgeimpfte (z.B. erste Dosis Vektorimpfstoff wie AstraZeneca, zweite Dosis mRNA-Vakzin wie Biontech) nicht mehr als durchgeimpft anzuerkennen, Kopfschütteln erntete und inzwischen wieder zurückrudert, gibt es in in manchen Ländern gar keine Einreisebeschränkungen mehr.

In anderen wird Geimpften und Genesenen zumindest die Einreise erleichtert - andere, wie Griechenland und Kroatien, verschärfen die Regeln für Ungeimpfte. Und täglich können sich die Regeln ändern. Vor allem ungeimpfte Urlauber müssen in den nächsten Wochen und Monaten wohl mit Einschränkungen rechnen.

Wer gilt als geimpft?

Als durchgeimpft gelten Menschen, deren zweite Corona-Impfung mindestens 14 Tage alt ist, für den Genesenen-Status muss die Corona-Infektion mindestens 28 Tage zurückliegen und sollte nicht älter sein als sechs Monate, dann ist in der Regel doch eine Impfung fällig.

Eine zweite Impfung ist bei diesen Menschen vorerst nicht vorgesehen, bis irgendwann alle Geimpften Auffrischungsimpfungen erhalten sollten. Wann das nötig ist, kann momentan noch niemand genau sagen. Die Pharmakonzerne arbeiten aber schon an Vakzinen, die auch gegen bereits bekannte oder zu erwartende Mutationen wirksam sind.

In diesen Ländern entfällt die Test- und Quarantänepflicht

Gleich vorweg: Da sich zum Teil täglich die Pandemielage und somit die Einreiseregeln der Staaten ändern können, sollten Sie sich vor Ihrer Reise oder sogar schon bei Planung der Reise etwa über den Reisemanager informieren, eine kostenfreie Seite über die Reiseregeln zu Ihrem Urlaubsland, außerdem über die Einreiseampel des Fachmediums fvw - dort finden Sie auch die Einreisebedingungen für die europäischen Länder. Tagesaktuelle Auskunft gibt natürlich auch die entsprechende Seite des Auswärtigen Amtes.

Als Beleg für eine Genesung genügt ein ärztlicher Nachweis oder ein Vermerk im Digitalen Impfpass. Für reisende Geimpfte oder Genesene, die ihren Urlaub z.B. in Polen, Österreich, Italien, Griechenland, Frankreich, Kroatien oder Dänemark verbringen wollen, entfällt die Test- bzw. Quarantänepflicht bei der Einreise – in Österreich bereits für Teilgeimpfte ab dem 22. Tag nach der Erstimpfung.

Das gilt für Geimpfte und Genesene. gute reise Infografik /Quelle: ADAC

Das gilt für Geimpfte und Genesene. gute reise Infografik /Quelle: ADAC

Alle anderen müssen bei der Einreise in diese Länder einen negativen PCR- bzw. Antigen-Schnelltest vorweisen, der je nach Land maximal 48 und manchmal 72 Stunden alt sein darf. Familien sollten sich zuvor informieren, ab welchem Alter ein negativer Test ihres Kindes erforderlich ist.

Bei der Rückreise wiederum entfällt für geimpfte oder genesene Urlauber, die nicht aus einem Virusvarianten-Gebiet heimkehren, die Test- bzw. Quarantänepflicht. Für Rückkehrende aus Hochinzidenz-, Risiko- oder Virusvarianten-Gebieten bleibt sie obligatorisch. Teilweise kann man sich aus der Quarantäne freitesten - bei Risikogebieten mit einem Test kurz vor der Anreise und bei Hochinzidenzgebieten nach fünf Tagen. Nur bei einer Reise in ein Virusvarianzgebiet muss man nach der Rückkehr auf jeden Fall 14 Tage lang in Quarantäne.


Risiko- oder Hochinzidenzgebiet? Das müssen Reisende über die jeweilige Einordnung und die Konsequenzen wissen


Der Digitale Impfpass ist eine "freiwillige Erweiterung" zum gelben Impfpass auf Papier und wird seit 1. Juli Schritt für Schritt in Europa eingeführt und anerkannt. Alle impfrelevanten Informationen können Sie nun in der CovPass-App oder in der Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts jederzeit auf dem Smartphone abrufbar hinterlegen.

So schalten Sie den digitalen Impfpass nach der Impfung per QR-Code frei

Den Nachweis über die Impfung bekommen Sie als QR-Code in autorisierten Krankenhäusern, Impfzentren, Apotheken und Arztpraxen ausgehändigt, dann scannen Sie ihn mit einer dieser Apps ein. Zweitgeimpfte bekommen derzeit häufig den QR-Code der ersten, länger zurückliegenden Impfung mit ausgehändigt und scannen dann beide ein. Sind zwei Wochen abgelaufen, wird Ihr Status als durchgeimpft freigeschaltet.

Corona-Testzentrum am Münchner Flughafen - nur mit negativem Ergebnis dürfen manche Passagiere nach Deutschland einreisen.

Corona-Testzentrum am Münchner Flughafen - nur mit negativem Ergebnis dürfen manche Passagiere nach Deutschland einreisen. © Lino Mirgeler, dpa

Bürger, die bereits geimpft wurden und noch keine Pass erhalten haben, können sich nachträglich ein entsprechendes Formular von ihrem Arzt oder in einer Apotheke erstellen lassen. Auch wenn Sie den QR-Code bereits gescannt haben, sollten Sie ihn aufheben, um ihn etwa im Falle eines Handywechsels oder Verlusts erneut nutzen zu können

Es lohnt sich auch, gleich nach Aushändigung von beiden QR-Codes jeweils ein Foto zu machen, manche sollen schon ihre Codes abgeheftet und dabei mit dem Locher aus Versehen ungültig gemacht haben. Vom Foto kann man die Codes dann im Fall der Fälle erneut einscannen.

Das sind Länder ohne Einreisebeschränkungen

In einigen europäischen Ländern gelten keine Einreisebeschränkungen mehr – egal ob für Ungeimpfte, Geimpfte oder Genesene, sie können sie sogar ohne Testpflicht bereisen. Darunter fallen etwa Belgien, die Niederlande, die Schweiz oder noch Spanien.

Mit Nachweis von Impfzentrum, Arzt oder Apotheke lässt sich der digitale Impfpass freischalten.

Mit Nachweis von Impfzentrum, Arzt oder Apotheke lässt sich der digitale Impfpass freischalten. © Stefan Puchner, dpa

Spanien bereitet wieder Sorgen - droht die Reisewarnung?

Doch gerade Spanien bereitet derzeit Sorgen, es kommt inzwischen auf eine 7-Tages-Inzidenz von über 250. Vor gut einer Woche waren es noch knapp 200. Ausgerechnet auf Mallorca, Menorca, Cabrera, Ibiza und Formentera sind die Inzidenzen derzeit besonders hoch, auf den Balearen um die 200. Letzte Woche kamen die Balearen im Schnitt noch auf 145.

Urlaubs-Quiz: Wie gut kennen Sie Spanien?

Geht der Trend dort so weiter, droht spätestens in einer Woche die erste Reisewarnung für das beliebte Urlaubsland. Die wird vom Auswärtigen Amt ausgerufen, wenn ein Land als Hochinzidenzgebiet eingestuft wird. Das passiert in der Regel ab einer 7-Tages-Inzidenz über 200, wobei die Entscheider auch andere Faktoren berücksichtigen. Für Barcelona könnte die Warnung schon früher kommen. Tritt der Fall ein, müssen rückreisende Deutsche in Quarantäne, aus der sie sich nach fünf Tagen freitesten können. Geimpfte und Genesene müssen auf alle Fälle ihre Zertifikate dabeihaben.

Griechenland schränkt wie Kroatien für Ungeimpfte Freiheiten ein

Ähnlich wie in Kroatien müssen Ungeimpfte in Griechenland mit Einschränkungen rechnen. Gastronomen, Freizeitparks, Theater oder Kinos können selbst entscheiden, ob sie nur geimpfte oder auch ungeimpfte Kunden bedienen wollen. Man erkennt Betriebe, die nur Geimpfte und Genesene hereinlassen, an einem neuen grünen "Covid-Free"-Siegel, nur mit Nachweis kommt man hinein. Andere Länder könnten dem Beispiel folgen, für Ungeimpfte wird es auf Reisen also immer enger.

Das sind derzeit offiziell ausgewiesene Risikogebiete in Europa

Weil sich ständig etwas ändert, gibt es meist um den Freitag herum neue Infos zur Ausweisung internationaler Risikogebiete durchs Auswärtige Amt, etwa auf der Seite des RKI. Virusvariantengebiete gibt es in Europa derzeit nicht. Zypern gilt derzeit als Hochinzidenzgebiet, ebenso Portugal mit den autonomen Regionen Madeira und Azoren. Dazu kommen Russland und Weißrussland (Belarus) sowie Großbritannien und Nordirland inkl. der Isle of Man sowie aller Kanalinseln und aller britischen Überseegebiete. In Irland sind die Regionen Mid-West und Midland einfache Risikogebiete. Ganz Spanien inkl. Balearen und Kanaren gilt ebenfalls als einfaches Risikogebiet. In Kroatien die Region um Zadar, zwei Provinzen in Norwegen und in Schweden.

Das gilt für Ungeimpfte. gute reise Infografik / Quelle: ADAC

Das gilt für Ungeimpfte. gute reise Infografik / Quelle: ADAC

In vielen der Risikogebiete muss man sich Reisende auf schärfere Einreisebestimmungen einstellen, oft ist selbst für Geimpfte oder Genesene ein negativer PCR- bzw. Antigen-Schnelltest Pflicht. In einigen der betroffenen Länder muss man sich bei Einreise in Quarantäne begeben. Norwegen hält derzeit seine Grenzen noch für ungeimpfte und nicht genesene Touristen geschlossen.

Trotz der niedrigen Inzidenz in der Bundesrepublik wurde Deutschland im Ampelsystem der Regierung von Großbritannien nicht von gelb auf grün heruntergestuft. Damit müssen Touristen oder Geschäftsreisende aus Deutschland bei der Einreise weiterhin für zehn Tage in Quarantäne.

Die Delta-Variante könnte Einreiseregeln wieder verschärfen

Derzeit verbreitet sich die Delta-Variante des Coronavirus vermehrt in Europa - sie geht mit einer höheren Viruslast einher und könnte auch Geimpfte anstecken. Darum reagieren einige Länder bereits jetzt besonders vorsichtig. Laut RKI besteht aber noch kein Grund zur Sorge - es sei aber weiterhin große Vorsicht geboten.

Zusammenfassend die wichtigsten Entwicklungen in Stichpunkten:

- Vorteile für Geimpfte bzw. Genesene: In vielen Ländern entfällt für Geimpfte und Genesene die Test- bzw. Quarantänepflicht, je nach Urlaubsland auch bei der Rückreise nach Deutschland!

- Digitaler Impfpass für Europa: Neben dem gelben, analogen Impfausweis kann seit 01.07. auch der Digitale Impfpass für Reisen innerhalb Europas genutzt werden.

- Länder ohne Einreisebeschränkungen: In einigen Ländern wie der Schweiz hat sich die Lage entspannt, sodass keine Testpflicht mehr bei der Einreise besteht. Das kann sich aber wieder ändern, Spanien ist so ein Kandidat.

- Reisewarnung für einzelne Länder: Manche Länder wie Südafrika oder Uruguay gelten als Virusvarianten-Gebiet, hier genießen Geimpfte auch bei der Rückkehr keine Vorteile.

- Vorsicht vor der Delta-Variante: Diese Mutante weist eine höhere Viruslast auf und verbreitet sich derzeit zunehmend, auch Geimpfte sollten weiterhin vorsichtig sein

Eine Basis dieses Textes ist eine Auswertung des Portals Vergleich.org, die Grafiken wurden auf Basis von Infos des ADAC erstellt.