Hier soll der Promi-Faktor besonders hoch sein

So nobel geht's wirklich zu im Schweizer Bergdorf Gstaad

27.11.2021, 07:27 Uhr
Kutschfahrt durch den alten Ortskern - und immer auf der Ausschau nach ein paar Promis.

Kutschfahrt durch den alten Ortskern - und immer auf der Ausschau nach ein paar Promis. © Florian Rußler

Auf die Frage, ob es denn tatsächlich der frühere Formel 1-Weltmeister gewesen sei, antwortet Fremdenführerin Marianne Lupi nur: "Das war einer unserer Gäste.” Mehr bekommt man aus der blonden Frau, die sich in einer dicken Kapuzenjacke eingepackt hat, nicht heraus.

Überhaupt halten sich die Gstaader sehr bedeckt, wenn es um ihre prominenten Gäste geht, die bald im ersten Ski-Winter nach der durch Corona vergeigten letzten Saison kommen werden oder schon da sind. Das oberste Gebot lautet: Diskretion. Deswegen haben Selfie-Jäger oder Paparazzi hier auch keine Chance. "Hier kommt keiner her, um gesehen zu werden”, sagt Lupi. Wer das wolle, müsse nach St. Moritz gehen.

Gstaad und seine Gäste - das ist mehr als nur ein großes Geheimnis. Was für Außenstehende zauberhaft und geheimnisvoll wirkt, ist für Einheimische Alltag. Fast schon beiläufig fallen dann Sätze wie: "Mit David Bowie und seiner Frau bin ich schon Pferdekutsche gefahren."

Dass sich das Dorf im Berner Oberland zum Treffpunkt der internationalen High-Society entwickelt hat, liegt auch an Le Rosey. Das Schweizer Internat, das während der Sommermonate seinen Hauptsitz in Rolle am Genfer See hat, gilt als teuerste Schule der Welt. Ein Platz kostet pro Schuljahr ab 90.000 Euro.

Seit über hundert Jahren ziehen die etwa 400 Schüler inklusive Lehrern, Putzkräften, Köchen immer von Januar bis März nach Gstaad. Und mit den Kindern kommen seither auch die Eltern. Entweder, sie buchen sich ein Zimmer in einem Luxushotel, oder ihnen gehört eines der vielen Holzchalets, die an den Bergen rund um Gstaad stehen.

Die Mitgliedschaft kostet 75.000 Euro

Ein schlechtes Wort über die Gäste hört man kaum. Kein Wunder, schließlich profitiert Gstaad enorm von ihnen. Nicht nur, weil sie viel Geld in den Nobelboutiquen oder preisgekrönten Restaurants lassen, sondern weil die finanzstarken Besucher auch in die Infrastruktur investieren. Ein Beispiel hierfür ist die Gondelanlage auf das Eggli, die 2019 fertiggestellt wurde.

Ohne die Unterstützung des sogenannten "Club de Luge" würde heute keine topmoderne 10er-Panorama-Bahn im Porsche-Design die Gäste auf den Gstaader Hausberg bringen. Doch wer steckt hinter dieser elitären Runde, in der gerüchteweise die Mitgliedschaft etwa 75.000 Euro kostet? Eine Antwort bekommt man nicht. Die Einheimischen bedanken sich bei ihren gut betuchten Gästen eben mit Verschwiegenheit.

Inzwischen kann man auch mit Fatbikes über die Berge radeln.

Inzwischen kann man auch mit Fatbikes über die Berge radeln. © Nick Muzik Photography

Der Glamour-Faktor und der viele Schnee haben lange Zeit ausgereicht, um Gäste im Winter ins Saanenland zu locken. Doch die Klimaerwärmung und die Reisegewohnheiten der Gäste haben den Tourismus in Gstaad verändert. "Genau wie andere Wintersportgebiete müssen auch wir uns immer wieder neu erfinden", erklärt Skilehrer Claude Frautschi.

Mit dicken Reifen über die Berge

Den Leuten müsse man heutzutage mehr bieten als eine Privattour durch das Skigebiet. Das Stichwort lautet Action. Statt auf zwei Brettern geht es mit dem Fatbike – einem Fahrrad mit sehr dicken Reifen – über die Berge. Frautschi ist deshalb auch nicht mehr nur Skilehrer, sondern betreibt mittlerweile ganzjährig einen Bikeshop in Gstaad.

Auf dem Panoramaweg zwischen Schönried und Gstaad stand ab Februar 2019 ein verspiegeltes Chalet. Das Kunstwerk mit dem Titel

Auf dem Panoramaweg zwischen Schönried und Gstaad stand ab Februar 2019 ein verspiegeltes Chalet. Das Kunstwerk mit dem Titel "Mirage Gstaad" hatte der amerikanische Künstler Doug Aitken entworfen, es wurde leider noch im Corona-Winter 21 abgebaut. © Florian Rußler

Neben dem sportlichen Abenteuer spielt aber auch Kultur bei den Urlaubern eine große Rolle. Auf dem Panoramaweg zwischen Schönried und Gstaad stand etwa im Jahr vor Corona ein verspiegeltes Chalet. Das Kunstwerk mit dem Titel "Mirage Gstaad" hat der amerikanische Künstler Doug Aitken entworfen. Dann kam Corona, es wurde im Januar 2021 abgebaut. Wo das Spiegelhaus als nächstes aufgebaut wird, ist noch offen.

Das Besondere: Alle Seiten des Hauses waren mit Spiegeln versehen, die die umgebende Landschaft reflektierten. Vor allem bei Hobby-Fotografen und Instagramern war das verspiegelte Gebäude besonders angesagt. Ähnlich sieht es übrigens mit der tapsigen Bronzekuh aus, die am Gstaader Dorfbrunnen zu finden ist und einst von Liz Taylor und Bernie Ecclestone gespendet wurde.

Ein typisches Chalet, wie es rund um Gstaad in den Bergen steht. Auch hier könnte ein weltberühmter Promi wohnen.

Ein typisches Chalet, wie es rund um Gstaad in den Bergen steht. Auch hier könnte ein weltberühmter Promi wohnen. © Florian Rußler

Apropos Instagram: Wer tatsächlich wissen möchte, welche Prominente sich gerade in der Gegend rund um Gstaad aufhalten, sollte einen Blick in soziale Netzwerke werfen. So dokumentierte US-Popstar Justin Timberlake vor Corona etwa sein Picknick am Lauenensee mit einem Video. Darauf ist nicht nur die idyllische Landschaft zu sehen, sondern auch Ehefrau Jessica Biel. Zum Anblick der imposanten Bergkulisse sagt die Schauspielerin nur: "F****** spectacular".

Mehr Informationen:
Gstaad Marketing GmbH
www.gstaad.ch
info@gstaad.ch
Tel.: +41 33 748 81 81,
Anreise:
Auto: 615 Kilometer von Nürnberg nach Gstaad. (Sechseinhalb Stunden)
Bahn: Mit dem IC von Nürnberg nach Stuttgart, dann mit dem IC weiter Richtung Zürich. Mit dem IC geht es dann in Richtung Bern. Von dort mit der Regionalbahn weiter nach Spiez und nach Umstieg nach Zweisimmen. Die letzte Etappe führt dann mit dem Panoramazug nach Gstaad.
Günstig wohnen:
Le Petit Relais in Saanenmöser
www.lepetitrelais.ch
info@lepetitrelais.ch
Luxuriös wohnen:
Ermitage Wellness- & Spa-Hotel in Gstaad-Schönried
www.ermitage.ch
welcome@ermitage.ch
Beste Reisezeit:
Im Sommer von Juni bis September und im Winter von Januar bis März

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