Erholung und Extremsport im Salzkammergut

Sonnige "Fuschlecke" der Alpen

21.8.2021, 07:50 Uhr
Dem Sonnuntergang entgegen: Stand Up Paddeln am Fuschlsee.

Dem Sonnuntergang entgegen: Stand Up Paddeln am Fuschlsee. © Rainer Schmid / SUP-Box

Der Glaube an die Zahnfee, der ans Christkind, mit einem gewissen Alter erledigt sich das. Der Glaube, im Fuschlsee gebe es Haifische, erscheint dagegen zeitlos. Dabei war das nur als Scherz gemeint, damals, als Rainer Schmid, die Gruppe englischer Damen begrüßte – „echte Ladies“, wie er sagt.

Die Einsicht, besser nicht im Leinenkleid aufs Board zum Stand Up Paddeln (SUP) zu kraxeln, kostete Schmid bereits Überredungskünste. Ein nasses Leinenkleid wird bleischwer und Anfänger fliegen schon mal vom Board, wie Schmid von der „SUP-Box“ weiß, der in Fuschl Kurse anbietet. Als er seinen englischen Fräuleins dann spaßig auch noch riet, bitteschön vor den „Fuschl-Haien“ auf der Hut zu sein, war es geschehen. Die spritzige Stehauf-Nummer fiel endgültig ins Wasser. Schade! Die Damen von der britischen Insel haben schön was verpasst.

Keine Narben des Wintersports

Wasser hat keine Balken und deshalb ist Stand Up Paddeln eine ausgezeichnete Methode, im sanften, ja meditativen Gleiten auf den Behelfs-Balken aus Kunststoff, den SUP-Boards, zwischen den Elementen zu stehen. Bis zur kuscheligen, um nicht zu sagen fuschligen Temperatur von 24 Grad erwärmt sich der See im Sommer. Er ist damit der wärmste in dieser sanft ansteigenden Gebirgsregion gleich hinter Salzburg, speist den tiefer gelegenen Mondsee mit Wasser und hat Wolfgangsee wie Attersee zur alpinen Nachbarschaft.

Gleitschirmflieger in der Fuschlseeregion, hier mit Blick auf den Wolfgangsee.

Gleitschirmflieger in der Fuschlseeregion, hier mit Blick auf den Wolfgangsee. © Christian Mückl

Die grünbewaldete Region im Salzkammergut mit ihren zahlreichen Almen ist von den Narben des Wintersports ebenso verschont geblieben wie Fuschl sich seinen dörflichen Charakter ohne zugebaute Strandpromenade erhalten hat - was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass der Tourismus den Ort später erreichte als etwa St. Gilgen am Wolfgangsee mit seinem früheren Bahnanschluss. Für wanderlustige Familien bietet die Fuschlecke ebenso Wege und Attraktionen wie für sporthungrige Freaks.

Jakob Schmiedlechner betreibt nicht nur das „Rennrad- und Triathlonhotel Mohrenwirt“ in vierter Generation. Er knappst sich zwischen den Arbeitszeiten regelmäßig zwei bis drei Stunden heraus, um seine hügelig- bis steilen Hausstrecken abzuradeln. Gutes Training: Vor vier Jahren schenkte er sich zum 50. Geburtstag den anspruchsvollen „Iron-Man“-Wettbewerb Hawaii.

Vorzüge der „Fuschlerin“

Dass man es auch geruhsamer angehen kann, zu Wasser, zu Land und auf den bis zu 1500 Meter hohen Gipfeln, wissen Leute wie der Mountainbike-Guide Franz Mayer. Selbst fit wie ein Turn- oder Fahrradschuh, weiß er Skeptiker zum Beispiel von den Vorzügen des Mountain-E-Bike-Fahrens zu überzeugen.

Ist es doch nicht zwangsläufig so, dass einen so ein 25-Kilo-schweres Elektropferdchen nicht ins Schwitzen brächte. Allein, ob man auf „Off“, „Eco“, „Trial“ oder „Boost“ schaltet, führt zu sportlicherem oder entschleunigtem Rollen, wobei im Elektroantrieb auch die Freiheit steckt, extrem steile Anstiege zu meistern, ohne dass einem die Lunge explodiert.

Experte für das sanfte Gleiten auf dem Wasser: Stand up Paddler Rainer Schmid.

Experte für das sanfte Gleiten auf dem Wasser: Stand up Paddler Rainer Schmid. © Christian Mückl

Apropos Entschleunigung: Wer der Gleichgewichtskunde auf dem Stand-Up-Paddelboard, bei dem bis zu 78 Muskelpartien im Körper gefordert sind, weniger abgewinnen kann, kann alternativ mit der „Fuschlerin“ Vorlieb nehmen.

Sie ist ein Schiffchen, das im Sommer zwischen der Dorfpromenade und dem mondänen Schloss Fuschl auf dem See mit seiner sonnenverwöhnten West-Ost-Lage verkehrt. In strengen Winter kann es vorkommen, dass das Gewässer in der relativ schneereichen Fuschlregion zufriert. Grundsätzlich legt man in dieser Urlaubslandschaft bewusst wert auf Nachhaltigkeit.

Mountainbiken ist zum Beispiel auf den Wanderwegen nicht erwünscht. Im Winter steht das Langlaufen und das Schneeschuhgehen auf dem Programm, Liftschneisen und ähnliches sieht man an den steil zum See abfallenden Waldhängen des Sees keine.

Als vor Jahren die großflächige Rodung für die kommerzielle Holzverarbeitung an den Berghängen des Südufers drohte, kaufte Dietrich Mateschitz, dessen Millionenkonzern Red Bull hier sein unscheinbares Hauptquartier hat, den halben Berg schlicht und ergreifend auf, um den Bergwald fortan verträglich zu bewirtschaften.

Storchenschnabel hilft

„Gegen jede Krankheit ist ein Kräutlein gewachsen“, steht auf einer Tafel neben Sarah Brandstätter. Die 71-Jährige kümmert sich um die 150 Pflänzchen im Kräutergarten der „Freunde Naturgemässer Lebensweise“. Diese grüne Erdapotheke liegt unweit des steinumstrudelten Emaubachs, der den See mit Wasser speist. Man muss der Natur ihre Freiheit lassen“, sagt Brandstätter, „dann findet sie ihren Platz.“

So hat etwa der „Stinkende Storchenschnabel“ hier einen schönen Platz gefundn, dem Wirksamkeit nicht nur gegen Fieberblasen nachgesagt wird, sondern auch Ertüchtigung in Zeiten von Katastrophen und Pandemien. „Beinwell“ wiederum lindert Schmerzen nach dem Sport. Kann auch nicht schaden, im Fuschler-Outdoorparadies.

Fuschlsee

Fuschlsee © Christian Mückl

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