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St. Anton: Oh Gott auf der Schampus-Hütte!

In dem Tiroler Skiort vetreibt man Mistwetter mit viel Bohei - 02.03.2019 07:24 Uhr

Skigebiet am Arlberg. © Josef Mallaun / TVB St. Anton am Arlberg


Um die Gondel pfeift der Wind. Schneetreiben vor der Fensterscheibe. Vom Arlberg und seinen Pisten ist nichts zu sehen. Den ganzen Tag schon haut es den Schnee vom Himmel. Lawinen, die gesprengt werden, donnern zu Tal. Die Straße nach St. Anton ist gesperrt. Viele Lifte sind zu. Nur an wenigen Hängen fahren noch Ski-Süchtige.

An den Après-Bars geht es bereits rund. Vom "Crazy Känguruh" und dem "MooserWirt" direkt an der Piste schallen Schlager herüber. Später werden die Skifahrer die letzten Meter in Schlangenlinien hinabrutschen. Und in einer der Après-Ski-Bars unten im Ort froh versacken.

Was will man auch machen bei so einem Wetter? Gegen die Naturgewalten kann selbst ein legendärer Ort in den Alpen, der sich als Wiege des Skilaufs bezeichnet, nichts ausrichten. "Dann gibt’s a Glaserl Champagner in der Gondel", sagt der Wirt der Verwallstube gut gelaunt und reicht den Schampus herum.

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Die Stimmung steigt. "Fühlen Sie sich wie mein Stammgast", erklärt Manfred Fahrner nonchalant. Etwa so wie Caroline von Monaco oder Franz Beckenbauer, der mit dem Golfschläger in der Hand fürs Foto auf dem künstlichen Rasenstück in Fahrners Restaurant lächelt.

Skistiefel unter weißen Tischdecken

Manfred Fahrner, ehemals Besitzer einer Würstlbude, hat es weit gebracht. Bis zum Gipfel, gastronomisch wie geologisch. "Hier auf 2085 Metern gibt’s nur einen Gott — und das bin ich", sagt der 66-Jährige.

Seine Verwallstube auf dem Galzig ist eines der höchstgelegensten Gourmet-Restaurants Europas. Bei ihm strecken die Skifahrer ihre Stiefel unter weiß gedeckten Tischen aus. Statt deftiger Hüttenküche gibt es erlesene Speisen, von Flusskrebs-Ravioli über Thunfisch-Sashimi bis hin zu Pralinen auf Zuckerwatte.

Manfred Fahrner (links) und sein Haubenkoch. © Johanna Husarek


4000 Flaschen Wein schaukelt der Wirt jeden Winter vor Saisonbeginn mit der Bergbahn nach oben, zwei Tonnen Kaffee bestellt er im Tal. Und einen Schwertfisch ließ er — an der Gondel befestigt — kurzerhand über den Schnee nach oben ziehen.

Viele Gäste vergessen über das Essen gern die Zeit. Auch der grandiose Blick auf die 3000er-Bergmassive rundherum — egal. Dabei hat St. Anton — neben sieben Haubenrestaurants und einem pulsierenden Nachtleben — so viel mehr zu bieten: 305 Kilometer Skipiste etwa – das ist Weltspitze, seit es vor zwei Jahren mit den Nachbarorten St. Christoph, Stuben, Lech und Zürs sowie Warth-Schröcken in Vorarlberg durch eine Seilbahn verbunden wurde.

Wintersportlern eröffnet das neue Dimensionen: Sie können jetzt den Spuren der Skipioniere am Arlberg folgen. Auf dem 85-Kilometer-Rundkurs "Run of Fame" begegnen sie den Skistars der Region. Zudem gibt es für Tiefschnee-Cracks und Tourengeher 200 Kilometer eigene Routen. An Schnee mangelt es hier selten: Neun Meter pro Winter sind Durchschnitt am Arlberg.

Hauptsache Luxus

Das zieht die Freerider an: Männlich, sportlich, international — das Publikum ist entsprechend anders als in den übrigen Skigebieten Österreichs. Aus etwa 50 Nationen kommen gut 190 000 Gäste jede Saison in diesen Tiroler Ferienort.

Berühmt sind die Arlberger auch für ihren Après-Ski. Auf den Hütten an der Talabfahrt und in den Bars im Ort beginnt nach dem Skitag oft eine lange, fröhliche Nacht. Wer dem Trubel entgehen will, findet in seinem Hotel meist auch Spitzenniveau vor, mit einem Weinkeller von Weltruf etwa oder einem spektakulären Spa. Hauptsache luxuriös.

Da will Manfred Fahrner hoch oben in seinem Hauben-Restaurant dem Gipfel des Geschmacks gern noch einen aufsetzen. "Champagner- und Kaviarparties gibt’s hier oben, aber auch Candlelight-Dinner mit Piano-Musik", erzählt er. Bei solch illustren Geschichten wird dem Gondel-Gast mit dem Schampus schon mal schwindelig, wenn er beschwipst aus der Gondel steigt und wieder festen Boden unter den Füßen hat.

Mehr Informationen:
TVB St. Anton am Arlberg, www.stantonamarlberg.com, der diese Reise unterstützt hat.
Luxuriös wohnen: Hotel Schwarzer Adler, www.schwarzeradler.com
Günstig wohnen: Pension Otto Westreicher, www.pension-westreicher.at
Anreise: Die Bahnfahrt Nürnberg - St. Anton dauert knapp fünf Stunden. Mit dem Auto sind es 404 Kilometer.

 

Johanna Husarek Magazin am Wochenende + Gute Reise von Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung E-Mail

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