Winterreise nach Kanada

Stadt, Land, Schnee: Zwischen Schlittenhunden und Eishotel

8.1.2022, 07:44 Uhr
Das Château Frontenac, das aussieht wie eine alte Burg, thront über der Altstadt von Québec. Es wurde 1893 als Hotel erbaut und ist auch heute noch ein beliebtes Touristenziel.

Das Château Frontenac, das aussieht wie eine alte Burg, thront über der Altstadt von Québec. Es wurde 1893 als Hotel erbaut und ist auch heute noch ein beliebtes Touristenziel. © Steffen Radlmaier

Doch der erste Blick trügt: In Québec ist alles anders, auch extremer. Vor allem im Winter, wenn das Thermometer schon mal auf 35 Grad unter Null fällt. Dann treiben dicke Eisschollen auf dem Sankt-Lorenz-Strom, der wohl zehnmal so breit ist wie die Pegnitz. Das riesige Château Frontenac, Wahrzeichen der Stadt, ist auch gar keine Burg, sondern wurde 1893 als Hotel erbaut.

Keine andere Stadt in Kanada wirkt so französisch wie Québec, die Hauptstadt der gleichnamigen, frankophonen Provinz. Die ist ungefähr fünfmal so groß wie Deutschland, hat aber nur zehn Prozent von dessen Einwohnerzahl. Rund die Hälfte davon, gut vier Millionen, wohnt in den beiden Metropolen Québec-City und Montreal.

Und die Regionen dazwischen, Lanaudière und Maurice, sind urwüchsig, malerisch und menschenleer. Naturliebhaber kommen dort zu jeder Jahreszeit auf ihre Kosten, doch zwischen November und Mai verwandelt sich die Gegend in ein wahres Winterwunderland. Der Winter ist hier noch so, wie man ihn hierzulande fast nur noch aus der Erinnerung kennt: Kalt und weiß.

Die Einheimischen, die ein seltsames Französisch sprechen, sind herzlich und stolz auf ihre Heimat. Wenn man sie fragt, wo sie zuhause sind, antworten sie meist: In Québec. Als Kanadier fühlen sie sich erst in zweiter Linie.

Die historische Rodelbahn ist höllisch schnell und eine Touristenattraktion in Québec-City.

Die historische Rodelbahn ist höllisch schnell und eine Touristenattraktion in Québec-City. © Steffen Radlmaier

Québec-City, 1608 von dem französischen Seefahrer Samuel de Champlain gegründet, gehört zum Weltkulturerbe und zählt nicht umsonst zu den attraktivsten Reisezielen Kanadas. Die Stadt ist überschaubar und bietet eine Menge Attraktionen, von urigen Kneipen (wo fast rund um die Uhr der Nationalsport Eishockey auf TV-Bildschirmen zu sehen ist) über originelle Boutiquen bis hin zu sehenswerten Museen. Nicht zu vergessen viele Festivals. Im Winter schmücken zahllose Eisskulpturen die Straßen. Die Besucher können sich an offenen Feuerstellen aufwärmen oder mit einem Affenzahn auf den langen Holzschlitten die historische Rodelbahn hinabrasen.

Idealer Ausgangspunkt für Ausflüge

Die Stadt ist idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung. In Québec lässt sich ein Städtetrip auf ideale Weise mit einem Winterurlaub kombinieren. In zehn Minuten ist man mit dem Auto etwa beim imposanten Montmorency-Wasserfall, nur wenig länger dauert die Fahrt zum Village Vacances Valcartier, wo man die schönen Seiten des Winters genießen kann.

Alles aus Eis: Der prächtige Eingang zum

Alles aus Eis: Der prächtige Eingang zum "Hôtel de Glace". © Steffen Radlmaier

Neben Ski- und Rodelbahnen gibt es dort seit 20 Jahren auch das einzige Eishotel in Nord-Amerika. Künstler aus aller Welt gestalten alljährlich den riesigen Iglu aufs Neue. Alles – von den Außenmauern über die Betten bis zum Cocktailglas – ist aus Eis. Über 100.000 Besucher besuchen das "Hôtel de Glace" pro Saison. In dem kühlen Eiskristall-Palast kann man auch übernachten – bei arktischen Temperaturen, absoluter Stille und Dunkelheit. Nicht jeder Gast hält das aus, mancher zieht nach ein paar Stunden lieber in ein richtiges Hotelzimmer um. Mit den ersten Strahlen der Frühlingssonne schmilzt der Traum aus Eis dann wieder dahin.

Zwischen Tradition und Moderne

Eine weitere Attraktion ist das "Hotel-Musée Premières Nations" in Wendake mitten im Reservat der Huron-Wendat. So heißen die knapp 2.000 Nachkommen der Ureinwohner, die sich hier zwischen Tradition und Moderne komfortabel eingerichtet haben. Sie sind vollkommen in die Gesellschaft integriert und dank ihres Grundbesitzes relativ wohlhabend. Ihnen gehört auch das Hotel mit dem Multi-Media-Museum, das über die Geschichte und Gebräuche des Stammes informiert, der schon lange vor der Ankunft der ersten französischen Siedler in dieser Gegend im Einklang mit der Natur lebte.

Unberührte Natur gibt es in Québec nicht nur in den Nationalparks zur Genüge – und damit Platz für so ziemlich jede Art von Freizeitaktivitäten: Schneewandern, Rafting, Schlittschuh- und Skilaufen, Eisfischen oder Schneemobilfahren. Der letzte Schrei sind Fat Bikes, Fahrräder mit extrabreiten Reifen für den Schnee. Weitaus romantischer ist aber die Fahrt durch verschneite Wälder mit dem Hundeschlitten.

Pierre Faucher (links) und sein Sohn Stefan führen die

Pierre Faucher (links) und sein Sohn Stefan führen die "Sucrerie de la Montagne" mit viel Herzblut. © Steffen Radlmaier

Die Einheimischen muss man jedenfalls nicht lange hinter dem warmen Ofen hervorlocken. Vielleicht hält der Mensch auch allzu viel Ruhe und Einsamkeit auf Dauer nicht aus. Eliane Larouche von der Tourismusbehörde hat eine einleuchtende Erklärung für den Bewegungsdrang ihrer Landsleute: "Die Winter hier sind lang und hart. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, um nicht in Langeweile und Depression zu versinken."

Das authentische Québec

Wer das ursprüngliche Leben in Québec kennenlernen möchte, ist in der "Sucrerie de la Montagne" bei Rigaud genau richtig. Pierre Faucher hat sich hier seinen Lebenstraum erfüllt. Der 74-Jährige mit dem Vollbart stellt in seiner Blockhaus-Siedlung den landestypischen Ahorn-Sirup her und verkauft ihn ausschließlich im eigenen Laden. Außerdem betreibt er mit seinem Sohn eine rustikale Gastwirtschaft. Auf die Holztische kommt nur Hausmacherkost nach Familienrezept, jeder Gast wird wie ein alter Freund empfangen.

Auch wenn Pierre Faucher aussieht wie ein Siedler aus längst vergangenen Zeiten, ist er alles andere als ein Hinterwäldler aus Kanada: Er ist weltweit bei Tourismusmessen präsent und wirbt für das authentische Québec. Denn er weiß: Am wichtigsten sind immer noch persönliche Begegnungen.

Mehr Informationen:
Québec Original, www.quebecoriginal.com, Tel.: 00 1 514 873-2015, das diese Reise unterstützt hat.

Anreise: z.B. mit Air Canada von Frankfurt über Montreal nach Québec

Günstig wohnen:
Pourvoirie du Lac Blanc, www.pourvoirielacblanc.com, Tel.: 001418-819 265-4242

Luxuriös wohnen:
Hotel "Monsieur Jean", Québec, www.monsieurjean.ca, Tel.: 001418-977-7777

Beste Reisezeit: Ganzjährig; im Winter von Dezember bis März

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