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"Stöhnende Chips mit Pelzkartoffeln": So kommen Übersetzungsfehler zustande

Schrägen Formulierungen begegnet man oft im Urlaub - 23.01.2021 08:00 Uhr

Gesehen von Sigrid und Peter Gabler aus Herzogenaurach auf La Palma, Kanarische Inseln, an der Vulkanhöhle Cueva de las palomas.

04.08.2020 © Sigrid und Peter Gabler, Herzogenaurach


Wer würde in diesen Tagen nicht gern verreisen, sei es auch nur in der Fantasie? Ein verlockendes Ziel wäre ein Ferienhaus in der Normandie, laut Angebot des Online-Anbieters mit "Schlafzimmer und Bad in der Demokratischen Republik Kongo". Auch andere Unterkünfte dort haben Zimmer in Afrika. Wie das? Im französischen Original sind das Zimmer im "R.D.C." – eine Abkürzung für die "République Démocratique du Congo", aber auch für "rez-de-chaussée", das "Erdgeschoss".

Ob Anzeigen, Schilder, Flyer oder Speisekarten: Wer auf Reisen geht, stößt häufig auf misslungene Übersetzungen. Die schicken Sie, liebe Leserinnen und Leser, uns dann für die wöchentliche Rubrik Deutsch ganz neu zu, die in den Samstagsausgaben der Nürnberger Nachrichten erscheint.

Manche davon sind unfreiwillig komisch, andere führen zu Missverständnissen oder sind unverständlich. "In vielen Fällen hat man sich nicht die Zeit für eine gute Übersetzung genommen, sondern einfach ein Übersetzungsprogramm verwendet", sagt Alan Twigg, der ein Übersetzungsbüro betreibt.

Stehplatz im Bett

Statt am Urlaubsort einfach einen deutschen Touristen zum Korrekturlesen zu bitten, versuchen sich viele selbst an unserer Sprache. Da gibt es dann in einem Ferienhaus in Schweden " 4 Betten im Obergeschoss (gerade noch Stehplätze, aber sehr gemütlich für Kinder)". Und weiter: "In der Reserve gibt es seltene Insekten, Ameisenlöwen und Ekoxar. Im Herbst Stöhnen Chips um die Blaubeeren und Preiselbeeren, man muss nur über die Grundstücksgrenze gehen zu holen." Ekoxar sind Hirschkäfer, die jammernden Chips bleiben ein Geheimnis der südschwedischen Fauna.

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Deutsch ganz neu - die lustigsten Reisefotos unserer Leser

Die Einheimischen meinen es ja nur gut, wenn sie uns in der Ferne in unserer Muttersprache auf Schildern informieren wollen. Doch manchmal wäre es besser gewesen, einfach mal einen deutschen Urlauber zu bitten, über die Übersetzungen drüberzulesen. Wobei - dann wären kaum so viele charmante Sätze entstanden, die Deutsch ganz neu definieren. Unsere Leserinnen und Leser schicken uns regelmäßig Fotos der lustigsten Schilder zu - die besten finden Sie hier in dieser Bildergalerie. Haben Sie auch ein Foto, das in unsere Rubrik passen könnte? Dann schicken Sie es doch – mit der Angabe, wo Sie es aufgenommen haben und Ihrer vollständigen Postadresse – an Magazin am Wochenende, 90327 Nürnberg, oder magazinaktion@pressenetz.de. Wir veröffentlichen die besten Fotos und honorieren sie mit einem Buch.


"Eines der typischen Probleme ist, dass Wörter mehrere Bedeutungen haben können", sagt die Übersetzungswissenschaftlerin Beate Herting von der Universität Leipzig. Wer unkritisch eine Übersetzung aus dem Online-Wörterbuch übernimmt, erwischt schnell den falschen Ausdruck.

So findet sich eine Begrüßungstafel im Umfeld eines englischen Fußballstadions, auf dem die "Fußball-Ventilatoren der Welt" willkommen geheißen werden. "Fan" heißt ja tatsächlich Ventilator. Ähnlich bizarr eine Übersetzung von "onion rings" auf einer griechischen Speisekarte: "Zwiebel ruft an". "To ring" kann "anrufen" bedeuten, aber gemeint ist das Substantiv "ring", der "Zwiebelring".

Anderen Fehlern kommt man nicht so leicht auf die Spur. So fand sich in einem französischen Ferienhaus folgende rätselhafte Information: "WIFI ist kostenlos, können Sie im unteren Bereich der Handfläche in der Nähe von Feld erfassen neben dem Zaun befindet." Man soll das Internet also über die Hand empfangen? Hier ist die Übersetzungsmaschine am englischen Wort "palm" gescheitert, das "Palme", aber auch "Handfläche" heißen kann.

Übersetzungsprogramme scheitern am Zusammenhang

Übersetzungsprogramme wie DeepL, Bing Translator oder Google Übersetzer sind inzwischen viel besser, die schönsten Stilblüten könnten daher bald verwelken: "Vor vier Jahren hat es einen Qualitätssprung gegeben", sagt Carsten Behrend, der an der Hochschule Magdeburg-Stendal Übersetzen unterrichtet. "Inzwischen machen Maschinen bei Satzbau und Grammatik kaum noch Fehler."

Hintergrund ist die neuronale maschinelle Übersetzung mit künstlicher Intelligenz. Probleme haben die Maschinen noch, wenn der Zusammenhang unklar ist. "Je kürzer die Zeichenfolge, desto schwieriger", erklärt der Dozent. Eines seiner Paradebeispiele ist der Ausdruck "default looms", der im Geschäftsleben "Es droht ein Zahlungsausfall" bedeutet. Der Computer übersetzt meist mit "Standardwebstühle".

Gesehen in Karlsbad, Tschechien.

23.05.2019 © Klaus Böhm, Nürnberg


Daher sollten auch maschinelle Übersetzungen nochmal geprüft werden – was schwierig ist, wenn man die Fremdsprache nicht gut beherrscht. Und noch schwieriger, wenn man gar nicht so genau versteht, was man eigentlich übersetzt: "Nicht selten sind schon im Ausgangstext Fehler enthalten", berichtet Behrend. Schon ein, zwei verkehrte Buchstaben können fatale Folgen haben. "Matjes mit Salat und Pelzkartoffeln", mit denen an der Costa Brava geworben wurde, sind da noch harmlos.

Andere Fallstricke sind feste Wendungen. "To miss the boat" bedeutet zum Beispiel "eine Chance verpassen" – ähnlich ist der deutsche Ausdruck "der Zug ist abgefahren". "Solche Übersetzungseinheiten muss man als Ganzes erkennen", sagt Beate Herting. "Wenn man Einzelteile übersetzt und wieder zusammensetzt, kommt Unsinn dabei heraus."

Dann nämlich entstehen Kalauer wie "I understand only station" (Ich verstehe nur Bahnhof). Wichtig sei bei einer guten Übersetzung aber auch, kulturelle Aspekte zu berücksichtigen. "Im englischen Sprachraum wird nicht so direkt kommuniziert wie im Deutschen. Kritik und Einwände versucht man immer, nett und positiv zu formulieren." Wenn "Überqueren verboten" etwa nur "No Crossing" heißt.

Gesehen in der Bretagne.

18.04.2019 © Baukis Heuler, Nürnberg


Texte auf Flyern und ähnlichem, die Deutsche ins Englische oder andere Sprachen übertragen haben, wimmeln übrigens genauso von Stilblüten. So eine Hausordnung im Schwarzwald über "Vierbeinige Freunde": "Also the four-legged friends should have a nice stay (...) Besides you pay attention please to the fact his ‚shops‘ do not land with the neighbour."
Im Deutschen ist der Ausdruck "sein Geschäft verrichten" zwar eine taktvolle Umschreibung für eine peinliche Angelegenheit, im Englischen funktioniert das nicht: "Shops" sind bloß Einkaufsläden und nichts weiter.

Und vor ein paar Jahren pries ein Wiesn-Wirt den internationalen Gästen seinen "Kaiserschmarrn mit Apfelmus" als "Emperor‘s Nonsens with Apple-Mush" an.

Angela Stoll

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