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Studiotour bei London: Hier geht‘s zu Harry Potter

In Leavesden wurde der Kosmos des Zauberlehrlings exakt nachgebaut. - 25.05.2019 08:00 Uhr

Auf jedes noch so kleine Detail aus den Büchern und Filmen wurde in den Kulissen Wert gelegt. © Uli Digmayer


Während ich winke, kann ich mich via Monitor bei meinem Jungfernflug beobachten. Unter mir erheben sich dank moderner Greenscreen-Technologie die mächtigen Gemäuer von Hogwarts, dann sause ich über Wiesen und Seen oder durch die Straßenschluchten des nächtlichen London. Nach knapp einer Minute ist der wilde Ritt vorbei. Für 20 Pfund (rund 22,80 Euro) darf man die tricktechnisch veredelte Filmsequenz mit nach Hause nehmen, für 14 Pfund gibt es immerhin ein Erinnerungsfoto. Man muss schon sehr erwachsen sein, um dieser Verlockung widerstehen zu können.

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London: Magischer Trip zu Harry Potter

Leavesden, ein 30 Kilometer nordwestlich von Londons Zentrum gelegenes Wohn- und Geschäftsviertel nahe Watford. Seit März 2012 öffnen sich in einer früheren Flugzeugfabrik die Pforten zu einem magischen Trip, der schon über zwölf Millionen Besucher angelockt hat - in die Welt des Harry Potter.


Aber wirklich erwachsen ist hier niemand. Die großen und kleinen Muggel, pardon, Menschen, die ehrfurchtsvoll und mitunter sogar stilecht kostümiert durch die Hallen der Warner Bros. Studios spazieren, eint die Liebe zu einem Zauberlehrling mit runder Brille und blitzförmiger Stirnnarbe. Der letzte Band in J. K. Rowlings Bestsellersaga um Harry Potter erschien 2007, bis 2011 füllten dann acht nicht minder erfolgreiche Leinwand-Adaptionen die Kinosäle.

Doch der Harry-Hype lebt weiter, weil der Kult sorgsam gepflegt wird – im Theaterstück "Harry Potter und das verwunschene Kind", in Spin-offs wie "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" oder "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen", im Online-Universum "Potterworld" und eben in der "Making Of"-Studiotour, die einen Blick hinter die Kulissen der hier gedrehten Blockbuster erlaubt.

Tickets Wochen im Voraus buchen

Hier, das ist Leavesden, ein 30 Kilometer nordwestlich von Londons Zentrum gelegenes Wohn- und Geschäftsviertel. Seit März 2012 öffnen sich in einer früheren Flugzeugfabrik die Pforten zu einem magischen Trip, der schon über zwölf Millionen Besucher angelockt hat. Tickets zum Preis von 41 Pfund müssen Wochen im Voraus gebucht werden. Damit das so bleibt, bietet der weitläufige Themenpark regelmäßig neue Attraktionen.

Erst im April wurde die Gringotts-Abteilung eröffnet: Auf 1500 Quadratmetern geht es durch die mondäne Schalterhalle der Zaubererbank und das Lestrange-Verlies, in dessen Schatzkammer allein über 38 000 glänzende Kleinode lagern. Der größte Wow-Effekt lauert um die Ecke, wo in einer aufregenden Videoinstallation ein feuerspeiender Drache das von Kobolden betriebene Kreditinstitut in Schutt und Asche legt.

Die wichtigsten Charaktere werden im Wachsfigurenkabinett gezeigt. © Uli Digmayer


Gleich zu Beginn der rund fünfstündigen Tour öffnet sich unter verzückten Ahs und Ohs das Tor zur Großen Halle von Hogwarts. Weiter geht es zu Hagrids Hütte und Direktor Dumbledores Büro, man schlendert durch die viktorianisch anmutende Winkelgasse mit ihren skurrilen Lädchen, schaut im Ligusterweg 4 vorbei, trifft im Verbotenen Wald auf Riesenspinnen und Hippogreifen und hält an Gleis 9 ¾, wo der Hogwarts-Express vor sich hindampft. Wer mag, kann sich danach im Backlot Café bei einem Humpen Butterbier stärken, das übrigens besser schmeckt als erwartet.

Was den Besuch im Potter-Kosmos neben einer Vielzahl interaktiver Stationen so faszinierend macht, ist die fast schon absurde Liebe zum Detail. Produzenten und Setdesigner haben nicht nur monumentale Kulissen, sondern gleich eine komplette Parallelwelt erschaffen. Jedes noch so unscheinbare Requisit, jedes Kostüm, jede Perücke und jede Maske ist Teil eines atmosphärisch dichten Gesamtkunstwerks.

Öl vom knallrümpfigen Kröter

Zaubertränke wurden originalgetreu nach Rowlings Rezepten gebraut. Es gibt extra Lehrbücher, Zeitungsseiten und Quidditch-Magazine, in der Küche der Weasley‘s steht eine Cornflakes-Packung, auf der sogar die Inhaltsstoffe ("Öl vom knallrümpfigen Kröter") angegeben sind. Hat man zum Schluss das von 86 Szenenbildnern in siebenmonatiger Handarbeit erschaffene Miniaturmodell von Hogwarts umrundet, fällt es schwer, in die reale Welt zurückzukehren. Ein Einkaufsbummel im Souvenirshop mit den Ausmaßen eines Supermarkts tröstet über den Abschiedsschmerz hinweg.

Ich verzichte auf das Besenvideo und leiste mir lieber einen der rund 100 kunstvoll gestalteten, verschiedenen Figuren zugeordneten Zauberstäbe. Weil sich diese entgegen der allgemeinen Lehre ihren Besitzer leider doch nicht selbst aussuchen, entscheide ich mich nach kompetenter Beratung durch Zauberstabfachverkäuferin Charlotte für das Modell Dumbledore.

"Der Elderstab, eine sehr gute Wahl! Liegt prima in der Hand", säuselt Charlotte, als hätte ich gerade einen Golfschläger oder eine Bohrmaschine erworben. Etwas seltsam finde ich das erst viel später. Es muss wohl am Butterbier gelegen haben.

Mehr Informationen:
Warner Bros. Studio Tour London
www.wbstudiotour.co.uk, das die Reise unterstützte.
Anreise:
Flug ab Nürnberg nach London. Weiter mit Mietwagen oder Zug ab Bahnhof Euston nach Watford Junction (ca. 20 Minuten), von dort fahren Shuttlebusse zum Studiogelände Leavesden.
Günstig wohnen:
Premier Inn Watford North
www.premierinn.com
Luxuriös wohnen:
Mercure Hunton Park Hotel
www.huntonparkhotel.co.uk 

Uli Digmayer

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