Montag, 30.03.2020

|

zum Thema

Südafrika erleben - und nebenbei Englisch lernen

Südafrika inszeniert seine dunkle Geschichte für Touristen und blickt nach vorn - 11.01.2020 07:21 Uhr

Aus der Luft zeigt sich die tolle Lage der Stadt zwischen Meer und Tafelberg. © Marjoli Pentz/shutterstock.com


Es sind nur 20 Buchstaben, doch die reichten aus, um ein ganzes Volk zu unterdrücken. "Whites only – net Blankes", steht in Englisch und Afrikaans auf einem Schild. "Nur für Weiße", das galt bis zum Ende der Apartheid (Rassentrennung) im Jahr 1994 in Südafrika beispielsweise für Sitzplätze in Bussen oder den Zugang zu bestimmten Stränden. Und selbst hier, in der kleinen Polizeistation von Langa, die heute ein Museum ist, war die erste Reihe des Wartesaals für die weiße Minderheit reserviert.

Schüchtern lächelnd hat sich Luyolo Gcobo neben das Schild gesetzt. Noch vor 25 Jahren hätte das eine empfindliche Strafe nach sich gezogen. Heute hingegen kann man als Tourist die Orte besuchen, an denen der Wahnsinn der Rassentrennung am brutalsten praktiziert wurde – die "Townships" genannten Slums, in denen die Schwarzen leben mussten.

Bilderstrecke zum Thema

Kapstadt - Reise ans schönste Ende der Welt

Kapstadt, die älteste Stadt Südafrikas, ist ein Juwel: Der Tafelberg, das Kap, grandiose Musen - es gibt viel zu entdecken in dieser pulsierenden, geschichtsträchtigen Stadt.


Zwei Mal am Tag führt Gcobo in der Hauptsaison Besucher durch "sein" Township. Gcobo ist in Langa, dem ältesten und mit "nur" 65 000 Einwohnern kleinsten Township Kapstadts, geboren und wohnt immer noch hier. Der 33-Jährige weiß genau, wohin er seine Gäste führen muss, damit es für sie nicht gefährlich wird – die Bewohner sich aber auch nicht wie begaffte Zootiere vorkommen.

Die Tour mit Gcobo ist eine Reise auf die Schattenseiten Kapstadts, immer in Sichtweit zum majestätisch aufragenden Tafelberg. Der junge Mann erzählt, wie sein Großvater mit Tausenden anderen aus weit entfernten ländlichen Gebieten als De-facto-Arbeitssklaven nach Kapstadt gebracht und gezwungen wurde, im Township zu wohnen.

"Heute muss niemand mehr hier leben", berichtet er, "aber die meisten haben nicht genug Geld, um in bessere Gegenden zu ziehen." Und so sind aus den Townships, die einst als Instrument der Unterdrückung entstanden, Sozialsiedlungen geworden, auf die der südafrikanische Staat nach wie vor nicht verzichten kann.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft in Südafrika weit auseinander: Im Township Langa, das man als Tourist im Rahmen einen geführten Tour besuchen kann, sind von einfachsten Holzverschlägen bis zu gemauerten Einfamilienhäusern viele verschiedene Wohnformen zu finden. © Armin Jelenik


Die 1994 offiziell abgeschaffte Rassentrennung existiert hier nach wie vor. Kein Weißer lebt in den Townships, Schwarze und "Coloureds" ("Mischlinge") wohnen immer noch in getrennten Siedlungen. Und in kaum einem anderen Land der Welt ist die Kluft zwischen Arm und Reich so tief.

Von Wellblech- und Plastikverschlägen, die bei jedem stärkeren Regenfall unter Wasser stehen, bis hin zu schicken Einfamilienhäusern mit gepflegten Gärten gibt es in den Townships inzwischen alle Wohnformen. Doch das arme Südafrika ist nach wie vor hier zu Hause, auch wenn erstaunlich viele Autos, auch neuere, vor den Haustüren parken. Und da bessere Häuser, die die Regierung nach und nach schafft, mehr Platz brauchen, wuchern die Townships immer weiter.

Am Ende des Spaziergangs führt uns Gcobo in einen dunklen Verschlag, in dem allerlei Felle, Federn und getrocknete Kräuter von der Decke baumeln. Hier residiert der traditionelle Heiler von Langa. Oft, so erzählt Gcobo, kann er helfen. Nur eine Therapie gegen die Spätfolgen der Apartheid hat die südafrikanische Gesellschaft nach wie vor nicht gefunden.

Am Ende der Welt Englisch lernen

Ein Sprachlehrer der LAL-Sprachschulen zeigt das Kap und bringt seinen Sprachschülern nebenbei die wichtigsten Wörter bei. © Armin Jelenik


Aber sie blicken hier nach vorn und geben sich sehr pragmatisch. Present? Perfect? Past perfect? Oder vielleicht doch das Gerund? Da sind sie wieder, die verflixten Fragen rund um die richtigen Zeit- und Verbformen, die mich schon im Englischunterricht vor einigen Jahrzehnten regelmäßig ins Schwitzen gebracht haben.

Ich drücke wieder die Schulbank. Und auch wenn ich das am schönsten Ende der Welt tue, in Kapstadt, sind die Lückentexte, die Rashied Davids vorbereitet hat, alles andere als ein Vergnügen. Geduldig geht der Englischlehrer mit unserer Kleingruppe auf die Suche nach Signalwörtern im Text, aus denen sich die Zeit ableiten lässt, justiert unsere in die Jahre gekommene Grammatik neu.

Kapstadt ist ein wunderbarer Ort, um das Englisch aufzufrischen. Natürlich wegen den vielen Sehenswürdigkeiten (vom Tafelberg bis zum grandiosen Museum für moderne afrikanische Kunst), die sich nebenbei erkunden lassen. Angesichts des guten Wechselkurses kann man zudem einigermaßen günstig aus dem deutschen Winter in den südafrikanischen Frühling fliehen.

Wer auf dem Weg zum Kap der guten Hoffnung ist, sollte hier auf jeden Fall halten: Am Boulders Beach kommt man ganz nah ran an Tausende Brillenpinguine. Es ist eine von zwei Kolonien dieser Frackträger auf dem afrikanischen Kontinent. © Armin Jelenik


Der lange Flug von rund zwölf Stunden ist schnell vergessen, als wir das Klassenzimmer verlassen und mit Guido Visser zum Ausflug ans nahe Kap der guten Hoffnung aufbrechen. Im Sightseeing-Modus bessern wir nebenbei unser Englisch auf, lernen, wie unterwegs die Pflanzen heißen und all die Köstlichkeiten, die bei einem Picknick nahe der Pinguin-Kolonie von Boulders Beach gereicht werden.

Die Kombination aus Tourismus und Fortbildung lockt längst nicht mehr nur Jugendliche an, die ihr Englisch fürs Abitur aufbessern wollen. LAL-Sprachreisen (eine Tochter des deutschen Touristikkonzerns FTI) hat Themenreisen für Erwachsene entwickelt, die ihr Schulenglisch auf Vordermann bringen und dabei auch etwas vom Reiseland sehen wollen.

"Travelling Classroom", das "reisende Klassenzimmer"nennt sich eines der Angebote. Zusammen mit einem Englischlehrer und einem Guide ist eine Kleingruppe fünf Tage auf der Garden Route unterwegs. Gelernt wird rund um die Uhr – indem man mit dem Englischlehrer Tierreservate besucht, Kolonialstädte anschaut oder Wanderungen unternimmt.

Ich kämpfe mich derweil weiter durch die Grammatik-Aufgaben. Bis uns der Schulgong erlöst – nichts wie raus in die südafrikanische Sonne auf dem lauschigen, von Häusern im kapholländischen Baustil umstandenen Pausenhof. Wie früher am Gymnasium.

Weg vom Touristentrubel bei dieser Kap-Tour

Hier ist wirklich Schluss: Diese Landspitze ist das berühmte Kap der Guten Hoffnung. Atlantik und Indischer Ozean fließen allerdings weiter im Osten zusammen. © Armin Jelenik


Doch ich schweife ab: Der Weg zum Kap der guten Hoffnung ist schon ziemlich ausgetrampelt. Autos und Kleinbusse stauen sich vor dem berühmten Schild, auf dem zu lesen ist, dass man jetzt den südwestlichsten Punkt Afrikas erreicht hat. Menschentrauben vor und hinter der Tafel, viel Zeit bleibt nicht, um das obligatorische Erinnerungsfoto zu schießen, dann drängen die nächsten nach.

Die junge Deutsche Christina Fies und ihr südafrikanischer Partner Keagan Davids sehen den Trubel mit gemischten Gefühlen. Als zertifizierte Anbieter von Touren durch ganz Südafrika bringen auch sie Touristen ans Kap. Die ausgetretenen Pfade wollen sie dabei aber möglichst verlassen und Kapausflüge für Genießer auf Deutsch anbieten.

Und so geht es an einem strahlend schönen Frühlingsmorgen eben nicht auf dem schnellsten Weg an die berühmte Landspitze. Gemächlich klappern wir einige der Buchten am Kap ab, sehen den Wellen zu, wie sie mit Kraft auf den puderweißen Sandstrand rollen. Beim Spaziergang durch die Dünen erklärt Christina, was es mit dem Fynbos auf sich hat, der ganz besonderen Vegetation, die es nur hier am Kap gibt und deren leuchtende Blüten vor dem tiefblauen Meer so magisch wirken.

Zu Fuß geht es schließlich zu den beiden Leuchttürmen, die dann wirklich eines der Enden des afrikanischen Kontinents markieren. Unterwegs treffen wir auf eine Straußenfamilie, freche Paviane und nicht mehr allzu viele Touristen, die sich die Mühe machen, nach dem Foto am Kap-Schild noch ein paar Schritte weiter zu gehen.

Mehr Informationen:
South African Tourism
www.southafrica.net
sowie LAL Sprachreisen
www.lal.de,
die die Reise unterstützten.
Anreise:
Nonstop mit South African Airways Frankfurt-Kapstadt in 12 Stunden.
Günstig wohnen:
Campus der LAL-Schule
Kontakt siehe oben.
Luxuriös wohnen:
Premier Hotel Cape Town
www.premierhotels.co.za
Beste Reisezeit:
September bis November (Frühling) sowie März bis Mai (Herbst in Südafrika).
Kontakt zur Kap-Tour über Facebook "CK African Experience"
Halbtagestouren in die Townships etwa mit Sam’s Cultural Tours buchbar über Internet-Plattformen wie www.getyourguide.de

Bilderstrecke zum Thema

Die Big Five: Auf Safari in Südafrika

Tierschutz - das ist in Südafrika an vielen Orten Privatsache. Gut bewacht und gut behütet finden Wildtiere ein Zuhause auf riesigen umzäunten Flächen. Das Geld, um die Anlagen zu finanzieren, kommt von Touristen, die in Lodges auf dem Gelände wohnen dürfen und von Rangern in Jeeps auf Safari gefahren werden. Wir haben die Phinda Lodge besucht.


1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Reise