10°

Montag, 16.09.2019

|

zum Thema

Südtirol: Urlaub beim Gockel

Hier kann man noch echtes Bauernhofleben erfahren - 07.09.2019 08:00 Uhr

Bäuerin Petra füttert mit den Kindern der Gäste morgens die Hühner und holt dann gleich die Eier. Wer authentisches Bauernhofleben in Südtirol erfahren möchte, kann einen der Höfe des Roten Hahns besuchen. Die Höfe unter der Dachmarke müssen eine lebendige Landwirtschaft mit eigenen Produkten in überschaubarer Größe bieten. Da können Städterer und Familien mit Kindern richtig ausspannen und trotzdem viel erleben. © Matthias Niese


Sonst sind die Kleinen und Mittelgroßen ja nicht so leicht aus den Betten zu bekommen. Hier, auf dem Bauernhof in Südtirol, warten sie nur darauf, dass endlich der Hahn kräht. Der wacht über gut zehn Hennen, die hoffentlich fleißig Eier gelegt haben. Und während die Eltern noch in den Federn liegen, machen sich die Kinder auf in den Stall, um mit Bäuerin Petra Planer die Eier aus den Nestern zu klauben und den Tieren Futter hinzustreuen. Ein morgendliches Ritual, an dem man teilnehmen kann, aber nicht muss. Für die meisten Kinder ist es ein Muss.

Bilderstrecke zum Thema

Südtirol: Ferien auf echten Bauernhöfen

Wer authentisches Bauernhofleben in Südtirol erfahren möchte, kann einen der Höfe des Roten Hahns besuchen. Die Höfe unter der Dachmarke müssen eine lebendige Landwirtschaft mit eigenen Produkten in überschaubarer Größe bieten. Da können Städterer und Familien mit Kindern richtig ausspannen und trotzdem viel erleben.


Die Beute kommt gleich in den Topf und steht eine halbe Stunde später weich oder hartgekocht auf dem Frühstückstisch. Dazu gibt es selbst gemachte Marmeladen (Himbeere, Erdbeere und die obligatorische Marille), Speck vom Nachbarhof, Käse aus der Milch der hiesigen Bauern, Naturschinken vom Opa, Vinschgauer vom Dorfbäcker, Aprikosen, Kirschen, Äpfel und jeden Morgen einen anderen selbstgebackenen Kuchen von Petra. Meist duftet der noch warm vor sich hin. "Kinder, haut rein", heißt es dann, denn in der schönen Gegend steht fast jeden Tag eine Wanderung, mindestens aber ein kleiner Ausflug an.

Wir haben uns für den Prackfolerhof entschieden, ein Weingut zwischen Tiers und Völs am Fuße des Schlern. Das markante Bergmassiv ragt neben der Brennerautobahn gen Süden kurz vor Bozen linkerhand steil auf. Von hier sind wir schnell auf dem gegenüberliegenden Ritten, im Eggental, auf der Seiser Alm (der größten Alm Europas), in der Südtiroler Hauptstadt, aber auch in Brixen, dem Grödental mit dem Sellamassiv oder am Rosengarten, der sich nach einer kurzen Fahrt bis Tiers steil über uns erhebt – kaum einer dieser Südtiroler Klassiker ist mehr als eine halbe Stunde Fahrt entfernt. Es gäbe also genug zu sehen und zu unternehmen.

Paula vom Funtnatscher Hof zeigt ein Meerschweinbaby. © Matthias Niese


Wenn da nicht die Versuchung wäre, auch einfach mal auf dem Hof zu bleiben und am Landalltag teilzunehmen. Die Kinder haben eh schon längst Freundschaft mit den Hasen, den Katzen, den Kindern der Bauern und anderer Gäste geschlossen, hüpfen mit ihnen über den ruhig gelegenen Hof oder ins Planschbecken und sind oft für Stunden nicht mehr zu sehen.

Denn auch darum geht es hier: einen echten Bauernhof zu erleben. Der Prackfolerhof gehört mit 1660 weiteren Betrieben zu einem Verbund, den der Südtiroler Bauernverband 1998 ins Leben rief. Die Landwirte wollten teilhaben am Tourismus und eine organisierte Alternative bieten zu all den typischen Pensionen und Berghotels mit Namen wie Alpenrose, Bergkristall oder Schönblick.

Die Gäste müssen mit anpacken dürfen

Südtirol ist im Kern Bauernland, nur auf den Höfen bekommen Große und Kleine dieses typische Lebensgefühl vermittelt. Der Rote Hahn vermarktet unter dem Dach dieser Marke authentischen Landurlaub, will Südtiroler Gastfreundschaft zeigen und setzt kontrollierte Standards.

So müssen alle teilnehmenden Betriebe als lebendiger Bauernhof aktiv Landwirtschaft betreiben, die Gäste dürfen auch mal mit anpacken. Je nachdem, ob es Obst-, Vieh- oder Weinbauern sind haben sie mehr oder weniger Tiere – ein Kriterium, auf das man vor der Buchung achten sollte, wenn Kinder dabei sind.

Um nicht den Charakter eines Bauernhofs zu verlieren und zu sehr in Richtung Gasthof abzugleiten, dürfen die Landwirte nicht mehr als fünf Ferienwohnungen oder acht Zimmer möglichst mit Frühstück, mindestens aber mit Brötchenservice vermieten. Die meisten Höfe verkaufen dabei ihre eigenen Produkte – auf dem Prackfolerhof etwa holen sich die Gäste Marmeladen, Kaminwurzen oder ihren Wein selbst aus dem Keller und setzen je Flasche einen Strich auf die Liste.

Blick über eine Blumenwiese auf die Sellagruppe. Mit dem Gipfel in Wolken der Langkofel, dann die Langkofelscharte, die Fünffingerspitze und, ebenfalls in den Wolken - der Plattkofel. © Matthias Niese


Manchmal gehen die Bauern sogar mit ihren Gästen auf Wanderung. Petra fahren wir nach Tiers und weiter bis Weißlahnbad hinterher und steigen mit ihr und ihrer Tochter den Forstweg durch Wald und Wiesen bis zum Wuhnleger See hinauf. Der liegt mitten auf einer Alm voller wiederkäuender Kühe, in ihm spiegelt sich das zackige Massiv des Rosengartens. Die Aufregung ist groß, als sich eine Wasserschlange durch den klaren Teich schlängelt.

Dann geht es immer schräg am Hang entlang durch Krüppelkiefern und Wald zur 1740 Meter hoch gelegenen Tschafonhütte, wo Familie Lunger den Kindern Holundersaft und Kaiserschmarrn und den Eltern ein Bier zur Spezialität der Hütte serviert: Schlutzkrapfen, gefüllt mit Brennnesseln.

Eine der schönsten Wanderungen in der Region ist die gut acht Kilometer lange Runde um den Puflatsch auf der Seiser Alm. Mit der Bergbahn geht es hinauf zur Bergstation in Compatsch und dann links steil auf den Tafelberg, wo wir an der Engelsrast und an den Hexenbänken an einer steilen Abbruchkante stehen und tief hinab ins Grödental blicken – zum Glück gut geschützt von einem langen Zaun. Hier sollen früher Hexen ihre Tänze aufgeführt haben, noch heute sehen wir ihre versteinerten Stühle mit den hohen Lehnen.

Auf der Arnikahütte setzen die Kinder aber durch, dass sie morgen unbedingt mal wieder auf dem Hof bleiben wollen. Da gibt’s schließlich auch noch genug zu tun.

Mehr Informationen:
Roter Hahn
www.roterhahn.it
der die Reise unterstützte.
Anreise:
Mit dem Auto ab Nürnberg über Reschenpass oder Brenner. Bis Bozen 450 Kilometer in gut fünf Stunden. Mit dem Zug Umstieg in München bis Bozen in fünfeinhalb Stunden.
Wohnen:
Prackfolerhof bei Völs am Schlern
www.prackfolerhof.it
Funtnatscherhof
www.funtnatscherhof.it
Die meisten Höfe des Roten Hahns fallen in eine ähnliche Kategorie und sind wegen ständiger Prüfungen empfehlenswert.
Beste Reisezeit:
Frühjahr bis Herbst.

Bilderstrecke zum Thema

Entspannt wandern im Almenland Gitschberg-Jochtal

Wenn Kinder mal ans Gipfelkreuz wollen, ist Gitschberg-Jochtal richtig.


Bilderstrecke zum Thema

Familienurlaub: Ganz entspannt in Südtirol

Südtirol ist ideal für Familienurlaub. Wir haben uns am Ritten oberhalb von Bozen und in Schenna bei Meran umgeschaut und sind gewandert. Doch Familienurlaub kann stressig werden, wenn die Kinder ganz andere Dinge unternehmen möchten, als ihre Eltern. Für solche Fälle gibt es dort Familienhotels, in denen so viel für Kinder geboten wird, dass sich auch die Eltern mal eine Auszeit nehmen können.


 

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Reise